Oberpfalz
23.07.2021 - 18:19 Uhr
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Mögliche Flutkatastrophe in der Oberpfalz: THW wäre gut vorbereitet

Die Flut im Westen Deutschlands macht auch die Oberpfälzer Katastrophenschützer betroffen. Teile des regionalen THW waren vor Ort im Einsatz oder stehen auf Abruf. Für ein ähnliches Unglück in der Oberpfalz sehen sie sich gewappnet.

Bau eines Hochwasserstegs: Eine THW-Einsatzübung in Amberg im Jahr 2019. Archivbild: Andreas Brückmann
Bau eines Hochwasserstegs: Eine THW-Einsatzübung in Amberg im Jahr 2019.

Martin Liebl ist überwältigt wie alle anderen auch. Der Schwandorfer THW-Ortsbeauftragte bekommt jeden Tag den Lagebericht der THW-Leitung zugesendet, und er sieht natürlich die Bilder der Flutkatastrophe aus dem Westen Deutschlands. "Das ist schlimm", sagt er. Ob so etwas auch in der Nordoberpfalz, etwa in Schwandorf, geschehen könne? Darauf möchte Liebl nicht antworten. "Ich will nicht spekulieren." Auf der Startseite der Schwandorfer THW-Homepage ist aber recht prominent eine Bildmontage zu sehen: Der Blitz schlägt in den Kirchturm von St. Jakob am Marktplatz, die Naab hat gewaltiges Hochwasser und steht bis zum ersten Stock der Häuser an Naabuferstraße und Frohnberger Straße. Darüber die Frage: "Unwahrscheinlich? Wir sind da!"

Die Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Süden Bayerns lässt auch die THW-Einsatzkräfte in der Nordoberpfalz nicht kalt. Und sie wirft Fragen auf. Wäre so etwas auch in der Region möglich? Wie wären die Katastrophenschützer vor Ort darauf vorbereitet? Und wie kann man das verhindern?

Kann also so eine Katastrophe auch bei uns geschehen? "Das ist auf jeden Fall nicht ausgeschlossen", sagt Andreas Duschner, Ortsbeauftragter des THW Weiden. Es sei bloß schwer zu sagen, wo, was und wie viel. Bestimmte Orte seien mehr gefährdet, andere weniger. Zum Beispiel Floß, "da ist mitten im Ort ein Fluss, links und rechts ein Gefälle", erklärt Duschner den "Badewanneneffekt". Das sei ein "großes Risiko". Das THW hielt dort 2018 eine große Übung ab. In der Regel werde im Weidener Ortsverband ein Mal im Jahr groß trainiert, dazu gebe es mehrere kleinere Übungen. "Wir sind ständig damit betraut. Das Zusammenspiel mit der Feuerwehr und dem Katstrophenschutzzentrum in Neuhaus – da werden die Abläufe trainiert." Es sei aber die Aufgabe der Kommunen, das Risiko zu analysieren, Strategien zu entwickeln, um so etwas zu verhindern, sagt Duschner.

"Wir sind gut aufgestellt"

Das THW in der Region sei vorbereitet, meint der Weidener Ortsbeauftragte. "Mit den beiden Regionalstellen in Hof und Schwandorf und den 21 Ortsverbänden sind wird gut aufgestellt." Innerhalb kürzester Zeit könnten die Einsatzkräfte die verschiedensten Register ziehen. Die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen etwa, Boote, um nach Menschen zu schauen und sie zu retten. Räumfahrzeuge, um die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten zu können. "Planungen, wie so etwas abläuft, gibt es auf jeden Fall", sagt Duschner. Allerdings sei jeder Fall neu und anders.

„Das THW ist dank einer guten, fachlichen Ausbildung unserer Einsatzkräfte und dank stetiger Investitionen in moderne Ausstattung gut auf alle möglichen Szenarien im Bereich Bevölkerungsschutz vorbereitet“, erklärt Dominik Helms vom bayerischen THW-Landesverband.

Dass ein schweres Hochwasser in der Nordoberpfalz nicht ganz unwahrscheinlich ist, zeigt die Internetseite des Weidener Wasserwirtschaftsamts, das für das Wasser in den Kreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie in den Städten Amberg und Weiden zuständig ist. Dort werden einige Hochwasserschutzprojekte aufgezählt. Eines ist der Naabtalplan. "Das Naabtal im Landkreis Schwandorf ist stark hochwassergefährdet", steht auf der Homepage. "Bei einem hundertjährlichen Hochwasser wären nach überschlägiger Ermittlung rund 13.500 Einwohner und rund 1850 Arbeitsplätze hochwassergefährdet." Man erwarte dabei einen Schaden von etwa 200 Millionen Euro. Das letzte große Hochwasser war 1909. In den Jahren 2002 und 2013 entging das Naabtal "nur knapp einer Katastrophe", heißt es weiter, "da die großen Regenereignisse das Einzugsgebiet der Naab glücklicherweise nur streiften".

Auch Amberg ist laut Wasserwirtschaftsamt ein Risikogebiet. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser würde die Vils die Altstadt zu einem großen Teil überschwemmen. Um die Stadt zu schützen, sei ein großes Rückhaltebecken im Norden Ambergs geplant. Zudem sollen die alten, maroden Ufermauern erhöht werden. Die Uferwand links der Vils müsse sogar ersetzt werden. Die bestehende Mauer habe "eine mangelhafte Standsicherheit" und könne vor künftigen starken Hochwässern nicht mehr effektiv schützen. "Die Mauer weist bereits jetzt einen durchgängigen horizontalen Trennriss auf und könnte im Hochwasserfall ... eine Flutwelle in Richtung Stadt auslösen", heißt es weiter.

Weidener THW auf Abruf

Beim Weidener THW-Ortsbeauftragte Andreas Duschner wecken die Bilder aus dem Westen Erinnerungen an einen anderen Einsatz. Duschner war vor fünf Jahren im niederbayerischen Simbach am Inn vor Ort. Nach einem Starkregen starben sieben Menschen, die Infrastruktur war zerstört. "Das kann man durchaus vergleichen", sagt er, "obwohl das von der Fläche her natürlich enger begrenzt war."

Das THW Weiden könnte bald ins Krisengebiet aufbrechen. "Wir sind weiterhin auf Abruf", so Duschner. Die Fachgruppe Räumen sei kurzfristig verfügbar. Wegen der hohen Dichte an Ortsverbänden im Westen Deutschlands sei bisher aber noch keine Ablösung nötig gewesen. Das könne sich aber schnell ändern. Das THW geht davon aus, dass der Einsatz mehrere Wochen dauern werde, die Infrastruktur sei massiv zerstört. "Wir rechnen damit, dass wir zur Ablösung angefordert werden", sagt der Weidener. "Wir sind gut vorbereitet, das siebenköpfige Team ist schon zusammengestellt, von den Arbeitgebern gibt es grünes Licht."

Das Amberger THW rückte bereits mit acht Einsatzkräften aus. In Nordrhein-Westfalen sorgten sie dafür, dass der Strom in der Stadt Stolberg, etwas größer als Amberg, wieder lief. "Das sieht hier aus wie in einem Kriegsgebiet", erzählte Christina Raab, die einzige Frau im Team. Weil das THW eine Bundesanstalt ist und unter den Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums fällt, wird auf Bundesebene entschieden, wer und was wo benötigt wird. Deswegen können eben auch Amberger oder Weidener Einsatzkräfte im Westen Deutschlands helfen – oder umgekehrt.

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So sah dieselbe Stelle 2013 aus. Die maroden Ufermauern der Vils stellen heute laut Wirtschaftswasseramt ein Risiko dar. Archivbild: Petra Hartl
So sah dieselbe Stelle 2013 aus. Die maroden Ufermauern der Vils stellen heute laut Wirtschaftswasseramt ein Risiko dar.
Da wird angepackt: Ein THW-Helfer beim Aufräumen nach dem Hochwasser im Trierer Stadtteil Ehrang. Bild: Harald Tittel/dpa
Da wird angepackt: Ein THW-Helfer beim Aufräumen nach dem Hochwasser im Trierer Stadtteil Ehrang.
Hintergrund:

Das THW in der Nordoberpfalz

  • THW Weiden: 60 Aktive, 60 bis 70 Einsätze pro Jahr. Einsätze von Gebäudesicherung nach Bränden bis zu Unwetter und Katastrophen, dazwischen häufig Unterstützung der Feuerwehr bei der Glutnesterbereinigung.
  • THW Schwandorf: 75 Aktive, geschätzte 30 Einsätze pro Jahr. Einsätze von Gebäudesicherung über Verkehrssicherungen bis zu Hochwasser, Beseitigung von Hindernissen und Trümmer.
  • THW Amberg: 78 Aktive, im Schnitt zwei Mal im Monat alarmiert. Hilfe bei Unfällen, Bombenfunden, Bränden, Schneechaos, Hochwasser.
  • Weitere THW-Ortsverbände in der Nordoberpfalz: Sulzbach-Rosenberg, Nabburg, Oberviechtach, Neunburg vorm Wald.
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