04.09.2019 - 19:00 Uhr
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Die Oberpfalz braucht Grundschullehrer

Für 54.163 Grund- und Mittelschüler aus der Oberpfalz beginnt kommende Woche das Schuljahr. Laut Katja Meidenbauer, Vorsitzende des Oberpfälzer Lehrerverbands, ist die Zahl der Lehrkräfte schon jetzt auf Kante genäht. Es fehlt Nachwuchs.

Laut der Oberpfälzer BLLV-Vorsitzenden Katja Meidenbauer muss der Beruf des Grund- und Mittelschullehrers attraktiver werden, damit sich mehr junge Menschen dafür interessieren.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Zum Schulstart am kommenden Dienstag werden 257 Pädagogen neu eingestellt oder in die Oberpfalz versetzt. Der Grundtenor der Regierung: Es gibt mehr Lehrer als im vergangenen Jahr, die Belegschaft wird jünger - alles scheint auf dem besten Weg zu sein. Katja Meidenbauer, die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands in der Oberpfalz (BLLV), begrüßt diese Entwicklung. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass jungen Oberpfälzer Grund- und Mittelschullehrern vermittelt werde, sie hätten eine Chance, in der Heimat zu bleiben, oder eine Perspektive, nach einiger Zeit dort hin zurückzukehren. Nichtsdestotrotz gibt es Meidenbauer zufolge Stellen, an denen es brennt.

Hauptproblem sei nicht mehr die Einstellungspolitik der Regierung. Diese habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Meidenbauer sagt: "Es kommt einfach nicht genug junges qualifiziertes Personal nach. Die Regierung könnte so viele neue Stellen schaffen, wie sie wollte. Es gibt niemanden, der sie besetzen kann." Das Lehramtsstudium für Grund- und Mittelschule scheint für viele nicht mehr attraktiv zu sein.

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Genug für Pflichtunterricht

Zur Situation zu Schulbeginn sagt Meidenbauer: "Am ersten Schultag wird vor jeder Klasse ein Lehrer stehen." Die Stunden mit Mathe, Deutsch sowie Heimat und Sachkunde können also stattfinden. Recht viel mehr ist aber laut Meidenbauer nicht mehr drin. "Das alles ist auf Kante genäht", sagt sie. Das betreffe auch die Lehrer, die als Mobile Reserve im Einsatz sind. Das sind Lehrkräfte, die flexibel an verschiedenen Schulen im Einsatz sind, um den Unterricht von verhinderten Kollegen zu übernehmen. Meidenbauer: "Das Problem ist, dass die meisten mobilen Reserven schon zu Schulbeginn für das gesamte Jahr verplant sind." Zwar hat die Regierung der Oberpfalz für das kommende Jahr 18 neue Lehrerstellen für die Mobile Reserve geschaffen. Brenzlig wird es laut Meidenbauer, wenn Kolleginnen in Mutterschutz gehen, Lehrer während des Jahres für längere Zeit krank werden oder die Grippewelle durch die Oberpfälzer Grund- und Mittelschulen rollt. "Es gibt einfach zu wenig flexible Einspringmasse. Das, was an Lehrern da ist, wird sofort weggeplant."

Lange Zeit war es ein großes Problem, dass Oberpfälzer Junglehrer nach Oberbayern versetzt wurden und oftmals viele Jahre keine Chance hatten, zurück zu kommen, um in der Nähe von Familie und Freunden zu arbeiten. Zum Schulstart dürfen einige der jungen Pädagogen an einer Oberpfälzer Schule bleiben. Rund 110 von ihnen beginnen im September an einer Oberpfälzer Schule. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr durfte kein einziger Pädagoge nach seinem zweiten Staatsexamen in der Oberpfalz bleiben. Meidenbauer: "Das ist ein bedeutendes Signal." Zudem kommen nach den Sommerferien 146 Oberpfälzer Lehrer zurück in den Regierungsbezirk. Darunter sind auch ledige Lehrer. Das war lange undenkbar. Um zurück in die Oberpfalz zu kommen, mussten die Pädagogen mindestens verheiratet, wenn nicht sogar ein Kind haben. "Das ist wichtig für die jungen Kollegen und macht ihnen Hoffnung, wenn sie sehen, dass ich unverheiratet eine Chance habe, wieder hier her versetzt zu werden."

Oberbayern bildet zu wenig Lehrer aus

Problematisch sei nach wie vor, dass in Oberbayern im Verhältnis zu den Stellen, die besetzt werden müssen, zu wenig Lehrer ausgebildet werden. "Weil es an der Uni Regensburg verhältnismäßig viele Lehramtsstudenten gibt und gleichzeitig in Oberbayern nicht genügend Lehrer ausgebildet werden, müssen die fertigen Uni-Regensburg-Absolventen nach Oberbayern gehen." Meidenbauer ist sich sicher, dass sich etwas tun muss, damit es für junge Menschen wieder attraktiver wird, Lehramt auf Grund- und Mittelschule zu studieren. "Wir bekommen jetzt die Auswirkungen der Fehlplanungen von vor zehn Jahren zu spüren." Damals hätten Grund- un Mittelschullehrer wenig Chancen auf einen festen Job gehabt. "Da standen auf einmal junge Lehrer mit einem Notenschnitt von 1,7 auf der Straße."

Gleiche Bezahlung

Grund dafür sei die Sparpolitik gewesen. Wie mit jungen Lehrern umgegangen wurde, habe viele Schüler nach dem Abitur abgeschreckt, einen solchen Weg einzuschlagen. Meidenbauer: "Damals wären genügen Leute da gewesen. Schließlich war eine schwarze Null wohl interessanter als einen ordentlichen Puffer mit genügend qualifiziertem Personal aufzubauen." Während ein verbeamteter Lehrer am Gymnasium mit der Besoldungsgruppe A13 einsteigt (das sind laut Tabelle 3235 Euro netto), werden Grundschullehrer nach A12 bezahlt und bekommen einen Nettolohn von 2859 Euro. Meidenbauer: "Es wäre sinnvoll, alle gleich zu bezahlen. Lehrer sind Lehrer." Hinzukommt: Grundschullehrer halten im Schnitt 28 Stunden Unterricht pro Woche, viele Gymnasiallehrer nur 23.

Meidenbauer sagt, eine Ausbildung muss zu den Anforderungen passen. Deshalb sei es Zeit, neue Wege beim Lehramtsstudium einzuschlagen. "Vielleicht wäre es ja sinnvoller Stufenlehrer auszubilden, die flexibel jede Schulform unterrichten können." Dabei handelt es sich um Pädagogen, die beispielsweise darauf spezialisiert sind, die Unterstufe (fünfte bis siebte Klasse) in allen Schularten zu unterrichten. So könnten Lehrer-Engpässe besser ausgeglichen werden.

Zahlen zu den Grund- und Mittelschulen:

Im kommenden Schuljahr fangen 257 neue Grund-, Mittel- und Sonderschullehrer in der Oberpfalz an. Dagegen sind 210 zum Ende des vergangenen Jahres in Pension gegangen. Eine durchschnittliche Grundschulklasse im Regierungsbezirk hat zum Schulstart 21,20 Schüler (Vorjahr: 21,05). Der Altersdurchschnitt bei den Lehrern liegt bei 45,1 Jahren. Im Jahr davor lag dieser bei 45,6 Jahren. 23 Pädagogen, die über eine Zweitqualifizierung von einer anderen Schulart zu Grund- und Mittelschule gewechselt haben, werden von der Regierung der Oberpfalz zusätzlich angestellt.

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