29.04.2021 - 13:38 Uhr
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Die Oberpfalz vertrocknet

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Auch wenn die Corona-Pandemie alles überschattet - es gibt noch andere problematische Entwicklungen. Zum Beispiel die zunehmende Trockenheit, die auch in der Oberpfalz um sich greift.

Staubtrockene Böden - nach mehreren "Dürrejahren" werden sie auch in der Oberpfalz zum Problem.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Der Sommer 2020 war zwar insgesamt "durchwachsen", doch die Bodentrockenheit blieb trotzdem ein Thema. Grund war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) vor allem das sehr niederschlagsarme Frühjahr: Es brachte nur etwa die Hälfte der üblichen Regenmenge und war damit das sechsttrockenste seit Aufzeichnungsbeginn 1881. Wie sich die Situation in der Oberpfalz darstellt, schildert unser Wetterexperte Andy Neumaier.

ONETZ: Seit wann herrscht auch in der Oberpfalz Trockenheit?

Andy Neumaier: Das Dürreproblem in der Oberpfalz hat sich eigentlich nicht mit dem schon lange aufgekommenen Klimawandel manifestiert, sondern erst in den letzten drei Jahren. Mit dem extrem heißen Dürrejahr 2018, in dem teils weniger als 500 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen sind, begann sich ein andauerndes Defizit aufzubauen. Das betrifft alle Teile der Oberpfalz gleichermaßen, wobei der Landkreis Tirschenreuth insgesamt noch minimal schlechter dasteht als die etwas südlicheren Bereiche.

ONETZ: Was lässt sich aus den Wetterdaten herauslesen?

Andy Neumaier: Geht man durch die Statistik, so ist die Situation so, dass es zwar 2019 und 2020 wieder etwas mehr geregnet hat, teilweise bis zu 90 Prozent des Jahressolls, allerdings sehr ungünstig verteilt. Oft entfiel die Hälfte der Niederschläge auf zwei oder drei Monate. Mal ein Oktober, mal ein Januar, mal ein Februar. Hauptsächlich im Herbst und Winter. Die besonders wichtigen Monate für die Natur, die Wachstumszeiten von März bis hinein in den August, bleiben aber ausgespart. Und hier brannte dann noch zusätzlich deutlich mehr Sonne auf die Böden als gewöhnlich, wodurch mit hohen Verdunstungsraten das Defizit im Boden weiter wachsen konnte, und auch mal 300 Liter Regen im Winter in Vergessenheit gerieten. Hauptproblem ist also: Wir haben sonnige, heiße Sommer, und die Niederschläge bleiben relativ „sinnlos“ auf wenige Wintermonate konzentriert.

ONETZ: Wie sieht es heuer aus?

Andy Neumaier: Aktuell dramatisch. Die Winterniederschläge, die in den letzten Wintern wenigstens noch einigermaßen brauchbar kamen, haben 2020/2021 auch noch gefehlt. Gemessen an Tirschenreuth sind in diesem Jahr nach vier Monaten erst 22 Prozent des Jahressolls gefallen, nämlich etwa 150 Liter pro Quadratmeter. Damit fehlen seit 2018 bereits etwa 400 Liter in der Statistik. Das klingt vielleicht gar nicht so wild, aber man muss sich das mal bildlich vor Augen führen, was der Natur und dem Wald da entgeht: 400 Liter Wasser auf jedem einzelnen Quadratmeter, und das überall in der Oberpfalz!



Oft entfiel die Hälfte der Niederschläge auf zwei oder drei Monate. Mal ein Oktober, mal ein Januar, mal ein Februar.

Wetterexperte Andy Neumaier

Wetterexperte Andy Neumaier

ONETZ: Was heißt das konkret?

Andy Neumaier: Eigentlich ist das ein Defizit, dass nur mit einem komplett verregneten Sommer - und da müsste es jetzt bis inklusive August eigentlich jeden Tag regnen - noch ausgeglichen werden kann. Ein weiterer zu trockener und heißer Sommer wäre für so manchen Wald - wo nicht nicht geschehen - der Todesstoß.

Das Wetter und Klima im Jahr 2020 hat Andy Neumaier hier zusammengefasst:

Amberg

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erklärt im Video die Folgen der Dürrejahre 2018 und 2019 in Deutschland.

Hintergrund:

Vier Formen von Dürre

Unter Dürre versteht man laut dem Deutschen Wetterdienst einen Mangel an Wasser, der durch weniger Niederschlag und/oder eine höhere Verdunstung durch erhöhte Temperatur oder Wind als üblich verursacht wird. Je nach Andauer der Dürre wird diese entsprechend ihren Auswirkungen bezeichnet als:

  • meteorologische Dürre (ein bis zwei Monate trockener als üblich)
  • landwirtschaftliche Dürre (zwei Monate und länger trocken, Ernteeinbußen)
  • hydrologische Dürre (ab vier Monate, Grundwasser und Pegel betroffen)
  • sozio-ökonomische Dürre (ab einem Jahr, Wassermangel bremst produzierende Wirtschaft)

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