16.02.2020 - 17:46 Uhr
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Peta-Masche: Bauernhof-Brand als PR-Aktion

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Nach Unglücken wie am Wochenende in Ebermannsdorf tritt oft die Tierschutzorganisation Peta mit Anzeigen auf den Plan. Die Erfahrung zeigt, dass davon meist nichts bleibt außer Ärger für die Betroffenen und Aufmerksamkeit für Peta.

Mitglieder der Tierschutzorganisation Peta protestieren während der Berliner Modewoche vor dem Veranstaltungsort, dem alten Industriebau E-Werk.
von doa Kontakt Profil

Die Masche ist immer gleich: Anschuldigungen und Strafanzeigen - Tierschutzorganisationen ziehen gerne mit der Bürokratie-Keule in den Kampf gegen Landwirte. Selten kommt es zu einer Anklageerhebung, immer machen die Manöver den Ermittlern Arbeit und belasten die Betroffenen nervlich.

Ein ähnlicher Fall in Ebermannsdorf

Ipflheim bei Ebermannsdorf

Kontrovers diskutiert haben Oberpfalz-Medien-Leser zuletzt einen Fall in Bad Neualbenreuth. Die Tierschutzorganisation Peta hatte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Weiden gegen einen Landwirt erstattet, dessen Stall Mitte Januar einem Feuer zum Opfer fiel - neben dem Sachschaden musste der Landwirt auch den Tod von 300 Schweinen beklagen. "Aufgrund mutmaßlich unzureichender Brandschutzmaßnahmen wurde möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Schweine qualvoll erstickten oder bei vollem Bewusstsein verbrannten", behaupten die Aktivisten. Alle Schweine würden noch leben, wenn alle Menschen sich vegan ernähren würden. Außerdem, behauptet Peta weiter, die Löschwasser-Versorgung sei kritisch gewesen.

Keine Nachfragen

Den Einsatzkräften ist nicht bekannt, dass es in Bad Neualbenreuth zu einem Löschwasser-Mangel gekommen wäre. Das kann Peta nicht wissen, denn nachgefragt haben die Anzeigeerstatter nicht. Bürgermeister Klaus Meyer spricht dann auch von einer Pranger-Taktik, die nicht nur "einen unbescholtenen landwirtschaftlichen Familienbetrieb" in Misskredit bringt, sondern auch seine Marktgemeinde. Dort hat man in den vergangenen Jahren die Wasserversorgung und damit den Brandschutz für etwa 90 000 Euro modernisiert.

Die Ermittlungen im Fall von Bad Neualbenreuth laufen noch, wie Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer bestätigt. Ob es zu einer Anklageerhebung kommt, ist fraglich. Schäfer jedenfalls ist in seiner langjährigen Tätigkeit kein Fall bekannt, bei dem eine Peta-Anzeige zu einem Gerichtsverfahren geführt hätte. Die Behörden sind bei einer Anzeige verpflichtet, den Sachverhalt zu prüfen. Ob die Schweine noch leben würden, wenn alle Menschen Veganer wären, können sie nicht überprüfen. Aber sie können den Bauern befragen, ob der Brandschutz ausreichend war. Peta hat das nicht gemacht. Die Tierrechtler haben den Vorwurf ohne Recherche in den Raum gestellt.

Das Vorgehen ist kein Einzelfall: In den vergangenen Jahren haben Tierschützer immer wieder solche Strafanzeigen als PR-Maßnahme genutzt. Auch in der Region gibt es solche Fälle.

23 Anzeigen im Jahr 2019

Als im Vorjahr 25 Rinder bei einem Stallbrand in Kemnath-Oberneumühle (Landkreis Tirschenreuth) verenden, ist Peta zur Stelle. "Aufgrund mutmaßlich unzureichender Brandschutzmaßnahmen wurde möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Rinder qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen", heißt es. Der Wortlaut ist fast identisch wie bei der Neualbenreuther Anzeige

Und Peta glaubt noch mehr zu wissen: "Wenn viele Tiere in einem Stall eingesperrt sind, ist es schlicht unmöglich, Soforthilfe zu leisten." Wie viele Tiere in dem Stall gelebt haben, sagt Peta nicht. Vermutlich weiß es die Organisation auch nicht, denn der betroffene Landwirt wurde nicht kontaktiert. Außerdem schiebt Peta hinterher: "Durch eine kritische Lage der Löschwasserversorgung kommt es bei derartigen Bränden häufiger zu Zeitverzögerungen, die die Rettung der Tiere verhindern. Es ist noch zu ermitteln, ob dies auch beim aktuellen Einsatz der Fall war." Wieder mutmaßlich. Wieder Strafanzeige. Die Ermittlungen sind längst eingestellt.

Auf Rückfrage von Oberpfalz-Medien räumt Lisa Kainz, Peta-Fachreferentin ein, eine schlechte Löschwasserversorgung in Pressemitteilungen und Strafanzeigen "standardmäßig" aufzugreifen. Sprich: Recherche gibt es nicht, allerdings sind die Ermittler so auf jeden Fall gezwungen, den Sachverhalt zu prüfen. "Zudem kritisieren wir die mutmaßlich unzureichenden Brandschutzmaßnahmen, da der Standard im Bereich Tierrettung noch immer kaum Beachtung findet", führt sie weiter aus.

Zur Vorgeschichte

Bad Neualbenreuth

Insgesamt 35 Stallbrände - neun davon in Bayern - hat Peta im Vorjahr registriert, bei 23 hat die Organisation Anzeige erstattet. "Strafanzeige, einfach so mal, das geht gar nicht", findet Bürgermeister Klaus Meyer. "Ich wehre mich mit aller Macht gegen solche unpassenden Aktivitäten. Wollen wir weiterhin zusehen, wie traditionelle landwirtschaftliche Strukturen, noch dazu in einer absoluten katastrophalen betrieblichen und familiären Notlage, an den Pranger gestellt werden? Ich als Bürgermeister will das nicht, und ich bin mir sicher, ich stehe damit nicht alleine da."

"Anzeige ist eine Frechheit"

Bad Neualbenreuth
Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta sorgen mit ihren Protest-Aktionen immer wieder für Aufsehen.
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Rene Kinderlein

"Alle Schweine würden noch leben, wenn alle Menschen sich vegan ernähren würden". Wie dumm ist das den? Nutztiere die nicht gegessen werden, werden erst gar nicht geboren. Das bedeutet im Umkehrschluss: Fleischesser sorgen für Leben und einen relativ schmerzfreien Tod für Nutztiere, im Vergleich zu Widtieren, welche in freier Wildbahn oft einen langen Todeskampf führen. Da sollte mal das Hirn eingeschaltet werden. Aber ist halt grad mal populär.

17.02.2020