07.10.2019 - 21:30 Uhr
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Polizist kämpft vor Gericht für "Aloha"-Tattoo

Ein Oberpfälzer Polizist will eine Tätowierung auf dem Unterarm. Der Dienstherr lehnt dies ab. Nun zieht der 43-Jährige dafür bis vor das Bundesverwaltungsgericht.

Polizeioberkommissar Jürgen Prichta hält bei der Verhandlung am Bayerischen Verwaltungsgerichthof die Entwürfe für sein geplantes Tattoo in den Händen. Der Beamte zieht vor Gericht, weil er sich den Schriftzug «Aloha» auf den Unterarm tätowieren lassen will, was laut Bayerischem Beamtengesetz verboten ist. Die Gewerkschaft der Polizei erwartet ein Grundsatz-Urteil.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Jürgen Prichta will unbedingt den hawaiianischen Gruß "Aloha" auf seinen Unterarm tätowiert haben. Das Problem: Der 43-Jährige ist Polizist. Nur lange Hemden tragen ist keine Option, weil sein Dienstherr ihm für einen Einsatz auch kurzärmlige Bekleidung vorschreiben kann. Also klagt der Hauptkommissar, der aus der Oberpfalz stammt und in Mittelfranken arbeitet. Inzwischen beschäftigt sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit Prichtas Wunsch.

Alles begann in den Flitterwochen 2008. Die hat Prichta mit seiner Frau auf Hawaii verbracht - und zur großen Liebe noch eine weitere für hawaiianische Symbole entdeckt. Eine Schildkröte ziert Prichtas Rücken, ein Tiki (hölzernes Abbild eines Gottes) seine Wade. Die Körperstellen, die seine Polizeiuniform verdeckt, sind inzwischen gut mit Bildern verziert. "Langsam wird der Platz eng", lacht der Oberpfälzer. Deshalb soll "Aloha" auf seinem linken Unterarm stehen.

2013 schrieb er einen Brief ans Polizeipräsidium Mittelfranken und stellte den Antrag für das sichtbare Tattoo. Sein Wunsch wurde abgelehnt, das Klagen vor Gericht begann. Denn im Bayerischen Beamtengesetz heißt es: "Soweit es das Amt erfordert, kann die oberste Dienstbehörde nähere Bestimmungen über das Tragen von Dienstkleidung und das während des Dienstes zu wahrende äußere Erscheinungsbild der Beamten und Beamtinnen treffen. Dazu zählen auch Haar- und Barttracht sowie sonstige sichtbare und nicht sofort ablegbare Erscheinungsmerkmale."

Ein Verbot für sichtbare Tätowierungen "finde ich nicht mehr zeitgemäß", erläutert Prichta. Er hat sich mit der Geschichte des Tattoos befasst, nennt berühmte Persönlichkeiten wie den Ötzi, die sich schon Zeichen und Bilder unter die Haut haben stechen lassen. Sogar Sissi soll einen Anker auf dem Rücken getragen haben. Vor allem in den 1920er Jahren soll ein Tattoo in Mode gewesen sein. "Der ganze Adel ist zum Tätowierer gelaufen." In den 50er und 60er Jahren hat sich das gewandelt, nur Seefahrer und Kriminelle hatten welche.

Heute sehe Prichta an einem Strand bei jedem Zweiten oder Dritten ein Tattoo. Die Bilder seien etwas ganz normales, "nichts Schlimmes,", sagt Prichta. Auch "Aloha" hat nur positive Bedeutungen, es steht für Liebe, Mitgefühl und Sympathie. "Ich bin mit Tattoo weder ein schlechterer Mensch noch ein schlechterer Polizist", sagt Prichta. Deswegen "lasse ich überprüfen, ob das überhaupt rechtens ist, dass sie mir das verbieten". Der Hauptkommissar hat sich mit seinem Anwalt zuerst an das Verwaltungsgericht Ansbach gewandt, das die Klage abgewiesen hat. Auch das Bayerische Verwaltungsgericht in München hat im November 2018 so entscheiden. Prichta geht in Revision, der Termin für die Verhandlung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig steht aber noch nicht fest. "Mein Anwalt meinte: Wahrscheinlich nicht mehr dieses Jahr."

Falls dieses Gericht der Klage stattgibt, würde sich Prichta sehr freuen. Bis "Aloha" dann unter die Haut gestochen ist, würde es dann aber doch noch einige Zeit dauern: "Ein guter Tätowierer hat eine Vorlaufzeit von einem Jahr."

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