07.09.2020 - 18:13 Uhr
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Schulweg mit vollen Bussen könnte zum Problem werden

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Jetzt quetschen sich wieder Kinder und Jugendliche in die Schulbusse. Ein Problem, gerade in Corona-Zeiten. Die Regierung will zusätzliche Busse bezahlen. Aber das ist gar nicht so leicht umzusetzen. In der Region startet man erstmal ohne.

Mit Maske in den Schulbus ist nicht neu. Was aber seit Schulbeginn an diesem Dienstag anders ist: Weil jetzt alle Schüler wieder in die Schule müssen, werden die Busse wieder voll.
von Julian Trager Kontakt Profil

Wer mit dem Bus in die Schule gefahren ist, erinnert sich oft mit Grauen daran. Gedränge beim Einstieg, schlechte Luft im Innenraum, kaum Platz. Das Gesicht wahlweise an den Rucksack eines anderen oder an die Fensterscheibe gedrückt. Im Bus zur Schule ging's und geht's zu.

Wegen Corona Abstand halten? Ist da im Normalfall nicht drin. Wenn jetzt an diesem Dienstag die Schule in Bayern wieder startet, kann der Schulweg mit dem Bus - trotz Maskenpflicht - zum Problem werden.

"Busse sind die erste große Ansteckungsgefahr", sagt Elisabeth Zehetbauer von der Landes-Eltern-Vereinigung für Gymnasien in Bayern. Sie vertritt hier die südliche Oberpfalz. Weil es keinen Ansprechpartner in gleicher Position für den Norden des Bezirks gibt, spricht sie über die allgemeine Situation in der Oberpfalz. "Die Probleme im ländlichen Raum sind ja die gleichen." Und je ländlicher es wird, desto komplizierter werde es.

Halbe Stunde in der Enge

Auf manchen Strecken müssten eigentlich zwei, drei Busse fahren. "Alles ist rappelvoll. Die Schüler stehen dicht gedrängt mit ihren Schulranzen am Rücken nebeneinander, so dass sie gar nicht umfallen können", sagt Zehetbauer. "Und das teilweise eine halbe Stunde lang." Manchmal sogar noch länger. "Wie sollen die Kinder da Abstand halten?", fragt die Elternbeiratsvorsitzende eines Regensburger Gymnasiums. Außerdem konterkariert das die strikte Trennung der Klassen im Schulgebäude. "Ab Dienstag sind die Schüler wieder beieinander - auch die, die mit ihren Eltern gerade erst aus dem Urlaub gekommen sind und jetzt wieder in die Schule zurückkehren", sagt Zehetbauer und prognostiziert: "Das wird sicher kein normales Schuljahr."

Die bayerische Regierung will dem Problem mit "Verstärkerbussen" entgegentreten. Der Freistaat kündigte vergangene Woche an, die Kosten für zusätzliche Busse zu übernehmen. Das klingt gut. Aber einfach mal ein paar weitere Fahrzeuge hinstellen - so leicht ist es dann auch nicht, wie die Landkreise in der Region, die für die Koordinierung der Schulbuslinien verantwortlich sind, mitteilen.

Erst abwarten, dann reagieren

In den Kreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Schwandorf werden in den ersten Tagen des neuen Schuljahrs keine Verstärkerbusse eingesetzt - noch. Diese Kreise haben sich abgestimmt und werden "erstmal schauen, auf welchen Strecken mehr Busse erforderlich sind und es eine hohe Auslastung gibt", sagt Manuel Lischka, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf. "Dann werden wir da in Abstimmung mit den Busunternehmen zusätzliche Busse einsetzen." Diese Woche möchte man noch abwarten.

Aber warum wissen die Kreise noch nicht, wie stark die Busse ausgelastet sind? Gab es keinen Kontakt zu den Schulen, die ihre Schülerzahlen ja schon wissen? "Selbstverständlich haben wir engen Kontakt zu den Schulen und haben das ausführlich beraten", erklärt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamts Neustadt/WN. Trotzdem könne man derzeit nur vermuten, welche Strecke wie ausgelastet sein wird. Deswegen könne man dem Verkehrsministerium die Notwendigkeit von Verstärkerbussen auch noch nicht darlegen - genau das möchte die Regierung aber.

Wie der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg vorgehen, war bis Montagabend noch nicht klar, weil zu diesem Zeitpunkt im Landratsamt noch darüber diskutiert wurde, teilte Pressesprecherin Christine Hollederer mit.

Der Landkreis Wunsiedel ist da schon viel weiter: Hier wurden "bereits einzelne Verstärkerfahrten" vereinbart, sagt ein Pressesprecher der DB-eigenen Busunternehmen in Bayern, zu denen auch die Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) gehört.

Kaum Kapazitäten

Ein weiteres Problem ist, erklärt das Landratsamt Neustadt/WN, dass es meistens gar nicht genügend Busse zur Verstärkung gibt - genau wie Busfahrer. "Würde man die Abstandsregel auch in den Bussen einhalten, könnten nur etwa 25 Prozent der Fahrgäste in einem Bus befördert werden", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Das bedeute, "dass zur Hinfahrt etwa vier mal so viele Busse zum Einsatz kommen müssten" als sonst.

Fragt man bei Busunternehmen in der Region nach, hört man raus, dass die Regierung mit ihrer Ankündigung zur Kostenübernahme - die bisher ohnehin nur bis zu den Herbstferien gilt - Erwartungen schürt, die Landkreise und Busunternehmen nicht gerecht werden können. Weil auf die Kreise spätestens im November auch hohe Kosten zu kommen werden, schließlich werden die Busse gerade in den kälteren Monaten noch besser genutzt als jetzt in den wärmeren. Und weil zu wenige Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung stehen. Dasselbe Problem hat die RBO. "Selbst in den Stoßzeiten des Schülerverkehrs sind bei der RBO alle Linienbusse im Einsatz", sagt der Pressesprecher der Deutschen Bahn. Deshalb "können wir nur auf verfügbare Kapazitäten bei Reisebusunternehmen zurückgreifen".

Aus diesen Gründen heißt es in der Mitteilung des Neustädter Landratsamts auch: "Es wird daher nicht gelingen, die optimale Beförderungssituation herzustellen. Zusätzliche Busse werden daher nur vereinzelt eingesetzt werden können."

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Kinder sollten den Schulweg nach Ansicht von Verbänden möglichst selbstständig statt im „Elterntaxi“ zurücklegen. „Laufen Kinder morgens zu Fuß zur Schule oder zum Kindergarten, fördert dies ihre körperliche und geistige Entwicklung. Die Kinder lernen dabei, sich selbstständig und sicher im Verkehr zu bewegen“, argumentierten das Deutsche Kinderhilfswerk, der ökologische Verkehrsclub VCD und der Verband Bildung und Erziehung zum Start des neuen Schuljahrs in Bayern an diesem Dienstag. Wegen der Enge in den Schulbussen wird auch befürchtet, dass die Zahl der Elterntaxis wieder zunimmt. (dpa)

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