27.01.2020 - 16:36 Uhr
PassauDeutschland & Welt

Ottfried Fischer zurück auf der Leinwand

In Passau lief die Filmprämiere über den von den Nazis ermordeten Pfarrer Otto Neururer – Auch Ottfried Fischer spielt mit

Ottfried Fischer in seiner Rolle als Pfarrer Anton.

(KNA) Samstagabend in einem Großkino in Passau: Mitten unter den vielen Menschen im Foyer ist auch Ottfried Fischer. Mit seiner Körperfülle bleibt er unübersehbar, nur sitzt der Kabarettist und Schauspieler mittlerweile im Rollstuhl. 2008 hat er seine Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht. Doch Resignieren ist seine Sache nicht. Der bullige Niederbayer, der nie ein Freund von Sport war, geht brav zur Physiotherapie, wie er in seinem jüngsten Buch wissen ließ. Denn er sieht sich in der Pflicht, «den Rollstuhl weitestmöglich aus meinem Leben zu verbannen. Selbst wenn das noch mehr Turnen verlangt.»

So greift Fischer nach der Deutschlandpremiere des Films «Hoffnungsvolle Finsternis» über den Tiroler Pfarrer Otto Neururer (1882-1940) zu den Krücken. Flott überwindet er im Kinosaal die Stufen zum Podium, um Platz zu nehmen für das anschließende Gespräch. Der Film, bei dem er Koproduzent war und selbst mitspielte, ist ihm und allen daran Beteiligten eine Herzensangelegenheit. In Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder zunimmt und Anschläge wie jener auf die Synagoge in Halle schockieren, sei ein solcher Beitrag wichtig, sagt der Schauspieler.

Fischer: "Nie wieder"

Fischer ist überzeugt, es sei jetzt Aufgabe der Kulturschaffenden, auf ihre Weise das «Nie wieder» deutlich zu machen. Das gelte auch dann, wenn die Menschen von Vergangenheitsbewältigung nichts mehr hören wollten. Kultur sollte mithelfen, den Leuten bewusst zu machen: «Überlege, wo es hinführt.» Dafür erhält der Künstler anhaltenden Applaus. Wohin eine solche Zeit wie die des Nationalsozialismus die Menschen gebracht hat, dafür ist das Leben von Neururer ein Beispiel, das an die Nieren geht, selbst wenn man nur davon liest.

Lucas Zolgar als Pfarrer Otto Neururer und Antonio Wannek als SS-Mann Martin Sommer.

Weil Neururer (1882-1940) als Pfarrer von Götzens in Tirol einer jungen Frau von der Ehe mit einem aus der Kirche ausgetretenen und geschiedenen Nationalsozialisten abriet, verhaftete ihn die Gestapo am 15. Dezember 1938. Im KZ Buchenwald wurde der Priester für verbotenen Glaubensunterricht brutal bestraft: Man hängte ihn nackt und kopfüber an den Füßen auf, 36 Stunden dauerte sein qualvoller Todeskampf. Papst Johannes Paul II. sprach den Tiroler 1996 selig.

Der Film nähert sich der Geschichte auf drei Ebenen. Da ist der dokumentarische Teil mit Bildern aus dem Leben des Priesters und beispielhafte KZ-Fotos mit den ausgemergelten Leibern der Opfer. Zudem werden Spielszenen eingestreut, wie Neururer seinen Glauben lebt und in den Menschen selbst noch das Gute sieht, wenn sie ihn verraten oder misshandeln. Dass ausgerechnet Antonio Wannek jenen grausamen NS-Schergen darstellt, der Neururer foltert, ist gewöhnungsbedürftig. Denn ihn kennt man über die Jahre als «Armin», der in der «Pfarrer Braun»-Reihe mit Fischer in der Titelrolle dessen hilfsbereiten Mesner und treuen Begleiter spielte.

Grausame Hinrichtung durch die Nazis

Und wenn Fischer selbst in der Anfangsszene als an Parkinson leidender Pfarrer Anton im «Pfarrer Braun»-Outfit im Rollstuhl in einer Kirche sitzt, könnte man ebenfalls glauben, im «falschen Film» zu sein. Doch hier ist er Teil eines Teams von drei Personen, die sich auf die Spurensuche des Tiroler Geistlichen begeben. Dazu gehören Heinz Fitz, alternder Schauspieler und Lebensborn-Kind, und die straffällig gewordene junge Frau Sofia. Anlass ist der Wunsch von Heinz, mit Neururers Hilfe wieder beten zu lernen und die Vergangenheit als Nazi-Kind endlich abstreifen zu können.

Ottfried Fischer als Pfarrer Anton mit Jasmin Mairhofer als jugendliche Straftäterin Sofia.

Wie kann ein Mensch so verrohen, wird der Passauer Bischof Stefan Oster angesichts der gezeigten Gewalt gefragt. Jeder Mensch, so seine Überzeugung, habe das Potenzial in sich, ein Engel oder Teufel zu werden. Das hänge stark von ihm ab und von der Umgebung, in der er womöglich verführt werde. Wer ehrlich in sein Herz schaue, wisse vermutlich, «dass auch er ein Gefährdeter ist», gibt Oster zu bedenken. Deshalb brauche der Mensch stabile Überzeugungen. Haltlosigkeit sei eine Quelle für potenzielle Grausamkeit.

Den Rahmen für den Film bildet das Vaterunser. Fischer hält es für ein «perfektes Gebet». So erhebt sich am Ende freiwillig ein Kinosaal, um dieses zu sprechen.

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