21.01.2021 - 16:32 Uhr
ParksteinDeutschland & Welt

Preis für Robert Beer aus Parkstein: "Bullen"-Parade in der Nordoberpfalz

Cleverness aus der vermeintlichen Provinz schlägt die prominenten Fonds in den Finanzmetropolen: Ausgerechnet im problematischen Börsenjahr 2020 schnitten die von Robert Beer gemanagten Aktienfonds in Deutschland am Besten ab.

Fondsmanager Robert Beer.
von Clemens FüttererProfil

Den Lesern von Oberpfalz-Medien ist Beer als regelmäßiger Kolumnist vertraut, der die internationalen Finanzmärkte analysiert und auf den Punkt bringt. Der Fachverlag "€uro" verleiht am 20. Januar dem in Parkstein (Kreis Neustadt/WN) lebenden Vermögensverwalter und Anlagestrategen zwei "Goldene Bullen Fund Awards". Die von ihm verantworteten Fonds LuxTopic Flex (internationaler Mischfonds) und LuxTopic Aktien Europa (Europa Bluechips, ohne Großbritannien) erzielten 2020 eine Performance von plus 50,7 Prozent und 32,6 Prozent. Sie erreichten – nach Datenlage der Fachleute – damit den ersten Platz in Deutschland.

"Schwierige Zeiten liegen uns", sagt Robert Beer schmunzelnd im Interview mit Oberpfalz-Medien. Vor zehn Jahren – auf dem Höhepunkt der damaligen Weltwirtschafts- und -finanzkrise – wurde Beer schon einmal mit Preisen überhäuft. Beer vergleicht die von ihm in seine Fonds eingebauten "Absicherungsinstrumente" mit einer "Brandversicherung": "Wenn es an den Börsen zu überraschenden, einschneidenden Kursrutschen kommt, ist es zu spät, zu reagieren."

"Billige Aktien" oftmals "schlecht"

Am Beispiel des Fonds LuxTopic Flex lässt sich Robert Beers Strategie plausibel nachvollziehen. Er investiert bis zu 90 Prozent in wachstumsstarke Weltmarktführer wie Münchener Rück, Apple, FedEx, Alphabet, ASML, Amazon oder Air Liquide. Beer hält nichts vom Vorurteil gegenüber diesen "teuren" Aktien mit ihren angeblich zu hohen Bewertungen: "Entscheidend sind die hohen Wachstumsraten, das Geschäftsmodell und die Zukunftsperspektiven." Vermeintlich "billige" Aktien seien oftmals einfach nur "schlecht".

Stürzen die Kurse so rapid wie im Frühjahr 2020 ab, verkauft Beer seine Absicherung (Put-Optionen) zu einem Zeitpunkt, an dem Aktien relativ günstig sind. Mit dem Absicherungsgewinn steigt er dann wieder ein. Beer macht kein Hehl daraus, dass diese "Versicherung" seinen Fonds jährlich etwa 2 Prozent Performance kostet - wenn es an den Börsen aufwärts geht. "Aber bei der Erholung der Kurse – wie es 2020 der Fall war – starten wir von einem wesentlich höheren Niveau aus." Durch die Auszeichnung sieht sich Beer in seinem auf Langfristigkeit ausgelegten Handeln bestätigt. Für die Börsen ist er die nächsten Jahre, auch wenn es zu erheblichen Schwankungen kommen werde, grundsätzlich zuversichtlich gestimmt. Auch und gerade des billigen Geldes wegen.

Confido Fund aus Miesbrunn

Die Nordoberpfalz ist offenbar ein gutes Pflaster für Anlagestrategen. Von Miesbrunn aus, im östlichsten Landkreis Neustadt/WN gelegen, managt der 30-jährige Manfred Reil den Mischfonds Confido Fund gemeinsam mit Marc Christoph Hempel und zwei weiteren Kollegen. Der im Mai 2019 von Hansainvest aufgelegte Mischfonds mit einer Aktienquote von bis zu 95 Prozent setzt den Schwerpunkt auf den deutschsprachigen Raum, Europa, die USA und Asien.

Der Confido Fund weist bereits ein Volumen von 16,2 Millionen Euro auf und erzielte seit Jahresbeginn 2021 eine Performance von 4 Prozent, seit 6 Monaten 14 Prozent und aufs Jahr gerechnet liegt das Plus bei 9 Prozent (Quelle: finanzen.net). Die vier Verantwortlichen sind an ihrem Fonds übrigens selber mit "signifikanten" Eigenmitteln beteiligt. Reil: "Wir sitzen mit unseren Anlegern in einem Boot." "Ich kenne jeden Euro, der in unserem Fonds steckt. Wir nehmen die Unternehmen sehr genau unter die Lupe", betont Manfred Reil im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Reil versteht die Investition in Qualitäts-Aktien als hochwertige Geldanlage: "Das Geschäftsmodell und die Verschuldungsquote müssen ebenso stimmen wie verlässliche Erträge auch in Krisenzeiten."

Zeitraum schlägt Zeitpunkt

Sein Rat an die Leser: "Wer nicht bereit ist, einen gewissen Anteil seines liquiden Vermögens in Aktien zu investieren und gewisse Schwankungen in Kauf zu nehmen, wird Probleme mit der Realrendite bekommen." Als Faustregel für das Minimum der Aktienquote gilt dabei die Zahl 100 minus Lebensalter. Auf absehbare Zeit werde es nirgendwo auf der Welt mehr nennenswerte Zinsen geben.

Reil setzt auf den langfristigen Mehrwert der Aktie. Denn bei der Investition schlage der Zeitraum den Zeitpunkt. "Die Anlage in eine Aktie ist kein One-Night-Stand, sondern eine dauerhafte Beziehung." Wenn der Markt mal zu totalen Übertreibungen neige, empfehle er durchaus Gewinnmitnahmen: "Daran ist noch niemand gestorben."

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Hintergrund:

Zur Person

  • Robert Beer: Fondsmanager und Inhaber der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein. Als Buchautor befasst er sich zudem seit den 1980er-Jahren mit der Wirtschaft und den Kapitalmärkten.
  • Manfred Reil: Selbstständiger Investmentberater seit fast zehn Jahren. Arbeitet von Miesbrunn (bei Pleystein) aus. Ihm ist es ein Anliegen sich bei seiner beruflichen Tätigkeit für die Region stark zu machen.

 

 

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