09.02.2021 - 16:36 Uhr
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Bundeswehr: Pfreimder Soldaten geben Kommando in Litauen ab

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Wieder endet für Oberpfälzer Soldaten ein sechsmonatiger Einsatz in Litauen. Nach vier Jahren ist das beinahe Routine. Dennoch ist es diesmal anders.

Der Kommandeur des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd, Oberstleutnant Peer Papenbroock (rechts), zeigt seinen Nachfolger Oberstleutnant Sebastian Hebisch vom Panzerlehrbataillon 93 in Munster.die Kasernenanlage im litauischen Rukla.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Schon einmal stand Oberstleutnant Peer Papenbroock aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) bei Eis und Schnee vor der Front seiner Soldaten auf dem Appellplatz im litauischen Rukla. Vor zwei Jahren übertrug ihm der damalige Kommandeur der litauischen Brigade "Iron Wolf" Steponauvicius Mindaugas das Kommando über das von Deutschland geführte Nato-Bataillon in Litauen. An diesem Mittwoch geht für den Kommandeur des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd und seine Soldaten der zweite sechsmonatige Einsatz im Baltikum zu Ende.

Die Oberpfälzer werden vom Panzerlehrbataillon 93 aus Munster unter der Führung von Oberstleutnant Sebastian Hebisch abgelöst. Beim Kommandowechsel in Litauen dürfte es ähnlich kalt werden wie vor zwei Jahren. Für Rukla werden Temperaturen zwischen -10 und -15 Grad Celsius und Schneefall vorhergesagt. Das ist wohl die einzige Ähnlichkeit zum Februar 2019. Vor zwei Jahren war zur Kommandowechsel die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angereist. Es gab einen Jahrestag zu feiern. Das gibt es dieses Jahr auch. Denn vor vier Jahren stellte das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf) ab Februar unter der Führung von Oberstleutnant Christoph Huber das erste deutsche Kontingent für die Nato-Mission in Litauen. Doch Corona hat vieles geändert in den Einsätzen. "Es wird aufgrund der derzeitigen Covid-Pandemie kein hochrangiger Vertreter der Bundeswehr und nach unserem Kenntnisstand auf keiner der Bundesregierung zugegen sein", teilte eine Sprecherin des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam auf Anfrage mit. Von litauischer Seite will laut Verteidigungsministerium in Vilnius unter anderem Verteidigungsminister Arvydas Anušauskas kommen.

Einsatz in Mali statt im Baltikum

Der Kommandowechsel an diesem Mittwoch in Litauen bedeutet eine Zäsur. Mit der Rückkehr des Panzerbataillons 104 geht der letzte Einsatz eines Oberpfälzer Bundeswehrverbandes im Baltikum zu Ende. Seit diesem Jahr ist es Aufgabe der 1. Panzerdivision in Oldenburg, für die nächsten drei Jahre Truppen für diesen Nato-Einsatz zu stellen. Neben dem Panzerlehrbataillon 93 aus Munster entsendet die Division zudem Kräfte des Panzergrenadierlehrbataillon 92, Panzergrenadierbataillon 33 und Jägerbataillon 91 nach Litauen. Die Oldenburger übernehmen den Auftrag von der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim, zu der die Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" gehört. Der 10. Panzerdivision und damit auch der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" bleiben die Einsätze in Mali. Dorthin werden an diesem Mittwoch in Cham Soldaten der "Zwölfer" aus den Standorten Cham, Freyung, Roding, Bogen und Oberviechtach verabschiedet.

Seit vor vier Jahren die Nato-Mission "Enhanced Forward Presence" im Baltikum begann, waren mehr als 5000 Soldaten der Bundeswehr in Litauen im Einsatz, darunter mehr als 1000 Männer und Frauen aus der Panzerbrigade 12 . Von den bisher acht deutschen Kontingenten zum Schutz der Nato-Ostflanke in Litauen stellten die "Zwölfer" mit drei den größten Teil. Den Kern bildete einmal das Panzergrenadierbataillon 122 und zwei Mal das Panzerbataillon 104. Unterstützt wurden diese von anderen Verbände der Brigade, etwa dem Versorgungsbataillon 4 in Roding und dem Panzerpionierbataillon 4 in Bogen. Zudem war zeitweise auch das Artilleriebataillon 131 aus Weiden mit in Litauen.

Die Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup haben bewiesen, dass sie nationenübergreifend eine Einheit bilden und damit den Erfolg im Gefecht sichern.

Oberstleutnant Peer Papenbroock, Kommandeur der eFP-Battlegroup Litauen, zur Übung „Vigilant Leopard“

Oberstleutnant Peer Papenbroock, Kommandeur der eFP-Battlegroup Litauen, zur Übung „Vigilant Leopard“

Präsident Emmanuel Macron zu Gast

Teil der Nato-Kampfgruppe unter deutscher Führung waren auch immer Truppen von Nato-Verbündeten. Diesmal stellten Frankreich, die Niederlande, Norwegen und die Tschechischen Republik. Belgien, Island und Luxemburg Soldaten. Die französische Beteiligung bescherte dem Panzerbataillon 104 in Litauen auch einen besonderen Gast. Ende September besuchte der französische Präsident Emmanuel Macron die Nato-Battlegroup und wurde von Oberstleutnant Papenbroock über den Auftrag des Verbandes informiert. Die Nato-Kampfgruppe ist in die litauische mechanisierte Infantriebrigade "Iron Wolf" integriert. Gemeinsam üben die Kräfte die Landesverteidigung, dazu gehört unter anderem die zweiwöchige Übung "Iron Wolf". An dieser nahmen diesmal knapp 3000 Soldatinnen und Soldaten aus 14 Nationen mit fast 1100 Fahrzeugen teil. Auch die Übung "Vigilant Leopard" bewertet Oberstleutnant Papenbrock als Erfolg. "Die Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup haben bewiesen, dass sie nationenübergreifend eine Einheit bilden und damit den Erfolg im Gefecht sichern."

Anders als ihre Vorgänger blieben die Soldaten des Panzerbataillons von Corona weitgehend verschont. Laut Sprecherin des Einsatzführungskommando ist nur ein Soldat positiv auf Covid-19 getestet worden. Da Litauen laut Einstufung des Robert-Koch-Instituts "ein Hochinzidenzgebiet ist, müssen sich die Soldatinnen und Soldaten die aus Litauen zurückkehren umgehend in eine zweiwöchige sogenannte häusliche Absonderung begeben", heißt es bei der Bundeswehr. Da der Kontingentwechsel schon seit einigen Wochen läuft, sind bereits rund 350 der etwa 500 Soldaten nach Deutschland zurückgekehrt. Zudem haben die Pfreimder rund 100 Fahrzeuge und rund 50 Container mit Material und Ausrüstung auf den Weg in die Heimat geschickt. Der Transport in die Heimat erfolgt hauptsächlich "per Bahn, aber auch der Fähr- und Straßentransport wurde genutzt".

2. US-Kavallerieregiment in Polen

Den Einsatz der Battlegroups (Kampfgruppen) in Polen und im Baltikum hat die Nato im Jahr 2016 beim ihrem Gipfel in Warschau als Antwort auf die Annexion der ukrainischen Krim durch Russland beschlossen. Um nicht gegen die Nato-Russland-Grundlagenvertrag zu verstoßen, werden die Truppen nicht dauerhaft stationiert, sondern wechseln alle sechs Monate. Ihr Auftrag: Abschreckung. Ein möglicher Gegner soll wissen, das eine Angriff ein Angriff auf die Nato wäre. In Polen haben die USA die Rolle der Führungsnation. Das Kontingent stellt derzeit eine Schwadron des 2. US-Kavallerieregiment aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach). In Lettland ist Kanada die Führungsnation, in Estland Großbritannien und in Litauen Deutschland.

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