04.02.2021 - 16:52 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Mit Maske im Panzer: Grenadiere und die Kontaktvermeidungsstrategie

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Einsatz im Pflegeheim statt Manöver im Wald: Viele Soldaten leisten derzeit Amtshilfe. Doch wie schaut der militärische Alltag mit Abstandsregeln und Maske aus? Oberpfalz-Medien erhielt Antworten in den beiden Kasernen des Landkreises.

Waffenausbildung beim Panzergrenadierbataillon 122: Die Soldaten müssen die Hygieneregeln auch bei den Übungen im Wald einhalten. Wenn der Abstand nicht gegeben ist, muss die Maske aufbleiben.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die „Sars-Cov-2-Epidemie“ ist kein militärisches Planspiel, sondern Realität. Deshalb haben Masken, Desinfektionsmittel und Abstandsregeln auch Einzug in die Kasernen gehalten. Ebenso wie im zivilen Leben lässt sich der Coronavirus nicht einfach aussperren. „Wir sind voll in der Ausbildung und aktuell bei der Waffenreinigung viel draußen“, gibt Oberstleutnant Andreas Bleek, seit knapp zwei Jahren Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 122, für die Grenzlandkaserne Oberviechtach Entwarnung. Beim Gespräch mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion berichtet er von einer Panzerfaust-Ausbildung im wegschmelzenden Schnee. Anstatt die Handgriffe „nah an nah“ zu üben, laute der Befehl an die Grenadiere „Abstand halten“.

„Das Hygienekonzept ist klar festgelegt. Und es hilft auch, wenn ein Soldat von zu Hause Covid-19 mitbringt.“

Oberstleutnant Andreas Bleek, Bataillonskommandeur Grenzlandkaserne Oberviechtach

Oberstleutnant Andreas Bleek, Bataillonskommandeur Grenzlandkaserne Oberviechtach

Skurrile Situation

„Wir setzen auf eine aufgelockerte Ausbildung, die in kleinen Gruppen aber ansonsten wie immer verläuft“, betont der Kommandeur. Die Turnhalle wurde mit Beamer und Leinwand zum Unterrichtsraum umfunktioniert. Denn hier sei der Zwei-Meter-Abstand kein Problem. Die Infanteristen, die eng an eng im Panzer sitzen, müssen jetzt mit FFP2-Maske in den Puma steigen. „Das ist schon manchmal eine skurrile Situation“, meint Bleek. Er pocht generell auf eine strikte Trennung der Kohorten, und so wird das Kleingruppenprinzip sowohl bei der Waffen- wie auch der Essensausgabe beachtet. Die Soldaten können die Mahlzeiten zeitversetzt im Speisesaal einnehmen, müssen dabei aber die am Boden aufgeklebten Abstandsregeln einhalten.

„Das Hygienekonzept ist klar festgelegt. Und es hilft auch, wenn ein Soldat von zu Hause Covid-19 mitbringt, denn dann müssen wir nur eine kleine Gruppe isolieren“, betont der Oberstleutnant. Auf Nachfrage teilt er mit, dass es in den zehn Monaten der Coronakrise auch in der Kaserne „immer mal wieder positive Fälle gegeben hat, aber nie mehr als eine Handvoll“. Die Soldaten werden zur Quarantäne nach Hause geschickt oder in eigenen „Quarantäne-Stuben“ separiert, wenn sie Symptome zeigen. In Quarantäne war öfters auch schon ein ganzer Zug (Kompanie-Teileinheit mit 36 Soldaten), wie Andreas Bleek ergänzt.

In der Oberpfalzkaserne Pfreimd zeigt sich ein anderes Bild. Denn hier ist der Betrieb deutlich eingeschränkt und die Personallage übersichtlich: Zwei Drittel des Panzerbataillons 104 befinden sich im Litauen-Einsatz, beziehungsweise in der Nachbereitung, auf Reha oder in Urlaub. Am 10. Februar wird Kommandeur Peer Papenbroock das Kommando übergeben und mit den letzten Soldaten zurückkehren. Beim Covid-19-Virus gibt der stellvertretende Kommandeur, Oberstleutnant Christian Märkl, Entwarnung. Er müsse von keinem positiven Fall berichten. Er gibt einen Einblick in den Dienstalltag: So herrscht kein reges Treiben im Stab, sondern alles läuft, ebenso wie in Oberviechtach, digital als Videokonferenz ab. „Sogar wenn die Büros im selben Flur sind.“

Näheres zur Corona-Amtshilfe der Bundeswehr

Pfreimd

Soldaten im Home-Office

Während Kurzarbeit in den zwei Kasernen des Landkreises kein Thema ist, wird „Arbeiten zu Hause“ forciert. „Es gelten die gleichen Regularien wie in Firmen. Dort wo es möglich ist, werden Kameraden ins Home-Office geschickt. Wir sind auf eine Einzelbelegung der Büros heruntergekommen“, berichtet Oberstleutnant Märkl. Auch in der Grenzlandkaserne organisiert der Bataillonsstab überwiegend von zu Hause aus und die Stabsfeldwebel wechseln sich mit der Anwesenheit ab. Für die Masse des Kampfbataillons und die militärische Ausbildung sei dies nicht möglich, schränkt Kommandeur Andreas Bleek ein und ergänzt: „Home-Office beim Panzerfahren geht natürlich nicht.“

Schon seit Beginn der Pandemie unterstützt die Bundeswehr deutschlandweit Pflegekräfte mit logistischen Tätigkeiten und hilft bei der Nachverfolgung von Infektionsketten beim Telefondienst aus. Seit Ausbruch der Coronakrise sind beide Bataillons in der Amtshilfe tätig und damit in zivile Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung eingebunden. Über das Kreisverbindungskommando (KVK) sind sie Teil der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt. Oberstleutnant Christian Märkl erklärt den Ablauf: „Wenn Not am Mann ist, stellt das Landratsamt einen Antrag. Dieser wird in Berlin geprüft und genehmigt und an den jeweilig zuständigen Regionalstab (in Bayern: KVK Veitshöchheim) weitergeleitet. Von hier gehen die Aufträge dann an die Kasernen raus. Einsatzorte waren und sind in Landrats- und Gesundheitsämtern sowie in Seniorenheimen und Krankenhäusern im Landkreis, in Oberfranken sowie in Thüringen und Sachsen und nach Weihnachten zusätzlich in Brandenburg und Berlin. Mitte Januar waren 150 Oberviechtacher Panzergrenadiere zur Amtshilfe eingeteilt; bei der eh ausgedünnten Pfreimder Kaserne sind es aktuell 87 Soldaten. Bleek und Märkl machten sich jeweils ein Bild vor Ort. „Die Motivation und Akzeptanz bereitet keine Probleme“, berichtet der stellvertretende Pfreimder Kommandeur. Die Soldaten sähen es als sinnvoll an, „das zu tun, was notwendig ist“.

Zurück zu der Kontaktvermeidungsstrategie. Wie Kommandeur Andreas Bleek betont, leide darunter weder die Einsatzbereitschaft (für Herbst 2021 steht voraussichtlich ein Auslandseinsatz in Mali an) noch der Übungsbetrieb: „Am Übungsplatz ist mit der Situation und dem Hygienekonzept noch einfacher umzugehen.“ Denn hier seien die Soldaten quasi wie „in einer Blase“ von der Außenwelt abgeschnitten. Das sei in der Grenzlandkaserne nicht möglich und auch nicht gewollt. So bedauert der Bataillonskommandeur das für heuer abgesagte Jubiläum „60 Jahre Bundeswehrstandort Oberviechtach“.

„Es gelten die gleichen Regularien wie in Firmen. Dort wo es möglich ist, werden Kameraden ins Home-Office geschickt.“

Oberstleutnant Christian Märkl, stellv. Bataillonskommandeur Oberpfalzkaserne Pfreimd

Oberstleutnant Christian Märkl, stellv. Bataillonskommandeur Oberpfalzkaserne Pfreimd

Soldaten leisten Amtshilfe im Krankenhaus Schwandorf.

 

 

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