27.02.2019 - 17:28 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Politik nimmt den Wolf ins Visier

Der Wolf erhitzt die politische Diskussion im bayerischen Landtag. Wenn es nach den Vertretern der schwarz-orangen Regierung geht, könnte es dem Raubtier bald an den Pelz gehen.

Heute fand im Agrarausschuss des bayerischen Landtags ein Fachgespräch zum Thema "Betroffenheit der Bäuerinnen und Bauern durch den Wolf" statt.
von Jürgen UmlauftProfil

Im Landtag mehren sich die Stimmen, die eine Lockerung des Jagdschutzes für den Wolf fordern. Man müsse sich von der "Lebenslüge" verabschieden, dass es in Bayern ein Nebeneinander von Wolf und Weidetieren geben könne, sagte Klaus Steiner (CSU) im Agrarausschuss. "Den Lebensraum für große Beutegreifer gibt es bei uns nicht mehr." Nikolaus Kraus (Freie Wähler) bezeichnete sich als "Wolfsfeind". Der Wolf müsse lernen, mit dem Menschen zu leben, nicht umgekehrt. "In der Kulturlandschaft ist für den Wolf kein Platz, dort muss er bejagt werden", ergänzte Markus Plenk (AfD). Auch der Weidener Christoph Skutella (FDP) sprach sich für handhabbarere Regelungen im Umgang mit dem Wolf aus.

Wolf in Vohenstrauß?

Vohenstrauß

Nach Angaben des Umweltministeriums sind in Bayern derzeit zwölf Wölfe nachgewiesen. Sie leben in drei kleinen Rudeln im südlichen Landkreis Bayreuth, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr sowie im Bayerischen Wald. Dazu kommen einzelne durchziehende Jungtiere. Seit 2013 habe es 21 nachgewiesene Angriffe auf Weidetiere gegeben, wofür deren Halter eine Entschädigung bekommen hätten.

Vor diesem Hintergrund warnte Gisela Sengl (Grüne) vor einer Überreaktion. "Es muss uns um eine Koexistenz gehen, nicht um die Ausrottung des Wolfes", sagte sie. Dazu müsse die Staatsregierung endlich ihren Wolf-Managementplan vorlegen. Nach Einschätzung von Weide- und Nutztierverbänden reicht der gegenwärtige Aktionsplan zum Wolf nicht aus. Dieser erlaubt den Abschuss verhaltensauffälliger Wölfe nur als letztes Mittel, wenn Herdenschutz durch Zäune oder Hunde nicht möglich ist.

Weiden schützen

"Wir brauchen großflächige Weideschutzgebiete", erklärte der Vorsitzende der oberbayerischen Almbauern, Georg Mair, im Ausschuss. Der Wolf dürfe sich nicht überall im Land ansiedeln. Das müsse auch die "Entnahme von Tieren aus der Natur" beinhalten. Vor allem im Alpenraum sei die Einzäunung von Alm- und Weideflächen nicht machbar und der Herdenschutz mit Hütehunden für Kleinbauern nicht finanzierbar.

"Unsägliche Verlogenheit"

Der Vorsitzende des bayerischen Schafhalterverbandes, Joseph Grasegger, sagte, auf lange Sicht könne es kein Miteinander von Wolf und Weidetieren geben. "Wir wollen keine Ausrottung des Wolfes, aber die Begrenzung auf eine Zahl, die handhabbar ist", erläuterte Grasegger. "Heutzutage stirbt der Wolf vorher an Altersschwäche", kritisierte er die langen Verfahren.

Mit Umweltverbänden hart ins Gericht ging Erika Sauer, Vorsitzende des bayerischen Fleischrinderverbandes. Sie warf diesen eine "unsägliche Verlogenheit" vor, weil sie "mit Krokodilstränen den Verlust kleinbäuerlicher Strukturen beweinen, aber uns wirksame Maßnahmen gegen große Beutegreifer verwehren". Solange der Abschuss von Wölfen nicht akzeptiert werde, könne es zu keiner Lösung des Problems kommen, erklärte sie. Vertreter von Natur- und Umweltverbänden waren zu der Sitzung nicht eingeladen, sie sollen bei einer weiteren Anhörung um Laufe des Jahres zu Wort kommen.

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