14.07.2021 - 17:16 Uhr
Pommelsbrunn Deutschland & Welt

Hula Hoop: Mehr als nur ein Kinderspielzeug

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Hula Hoop ist wieder im Trend. Martina Baumeister verwandelt den Reifen aus Kindheitstagen in ein effektives Fitness-Gerät. Sie verspricht so auch Erwachsenen "Spaß am Hüfteschwingen".

Martina Baumeister ist Bayerns erste und Deutschlands zweite PowerHoop-Trainerin.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Der Hula Hoop-Reifen weckt Erinnerungen: Kinderturnen, Schulsport. Mit Holz oder Plastikreifen haben sich viele damals zum Spaß die Zeit vertrieben. Mittlerweile hat sich das Kinderspielzeug zum richtigen Trainingsgerät entwickelt. Der Fitnesstrend "PowerHoop" aus England verwandelt das klassischen Hula Hoop in ein effektives und schweißtreibendes Ganzkörper Workout. Von England und Dänemark schwappte der Trend über die Sozialen Medien 2020 auch nach Deutschland. Martina Baumeister hat den Trendsport so letztes Jahr für sich entdeckt. Die Verbindung aus "einfach los legen können, immer und überall. Die schnellen Trainingseffekte und das Strahlen in den Gesichtern, wenn man andere damit ansteckt", haben die gebürtige Königsteinerin (Kreis Amberg-Sulzbach) vom "Hullern" überzeugt. Die 28-Jährige machte 2020 als erste in Bayern einen PowerHoop-Trainerschein und gibt seitdem Kurse in Hohenstadt, einem Ortsteil von Pommelsbrunn. Sogar Sulzbach-Rosenbergerinnen zieht es in Martinas Kurs.

Ganzkörper Workout

Auf dem Rasen im mittelfränkischen Hohenstadt stehen ihr heute fünf Frauen im Halbkreis gegenüber. Vor sich haben alle einen bunten Hula Hoop-Reifen. Laute Bässe beginnen aus den Lautsprechern zu dröhnen. "Los geht´s Mädels", ruft Martina. Die circa ein Meter siebzig große Trainerin grinst breit und wirft ihren Mädels motivierende Blicke zu. Um den Hals trägt sie eine Kette mit einem Hula Hoop-Anhänger. Rhythmisch beginnen die Frauen ihre Hüften zu kreisen während sie den Reifen vor sich auf dem Boden abstützen. Dann wird auf der Stelle marschiert. "Tippen", schreit die Trainerin. Während die Frauen mit ihren Füßen auf den Boden zu tippen, rollen sie den Reifen hin und her. "Und drehen", schreit die 28-Jährige und wirft einen Arm hoch, während sie sich um ihren Reifen dreht.

Es ist das erste Mal, dass Martina mit ihren Mädels gemeinsam vor Ort trainiert. Durch die Coronakrise fanden ihre Kurse bis jetzt nur virtuell statt. "Es war sehr ungewöhnlich, vor der Kamera zu tanzen. Das macht man ja normalerweise nicht", erzählt Martina lachend während sie auf dem Sportrasen zum nächsten Lied wechselt: "Immer Hey in den PC reinzurufen und es kommt halt einfach nichts zurück. Das war schon eine große Umstellung." Heute ist das anders. Sie kann direkt in die lachenden Gesichter der Kursteilnehmerinnen blicken. Mittlerweile sind alle schon etwas ins Schwitzen gekommen. Nach dem Warm-Up kommt jetzt der eigentliche Hula Hoop-Teil. "Hüftbreiter Stand. Ein Bein ist vorne. Knie sind locker. Bauch ist fest. Schultern sind tief", gibt die Trainerin Anweisungen. Langsam beginnen die Frauen ihre Hüften zu bewegen, während die bunten Reifen um ihre Körper kreisen. Ihr Becken lassen sie dafür immer vor und zurück wippen. "Let´s move, work out", schallt es aus den Musikboxen. "Und jetzt die Arme", ruft Martina. Im Takt der Musik strecken die Frauen ihre Arme zur Seite raus.

So hullern Sie richtig

Alles eine Sache der Konzentration

Das Lachen auf den Gesichtern weicht konzentrierten Blicken. Rechter Arm raus. Oder kommt jetzt der Linke? Bei der einen Sportlerin dreht sich der Reifen schneller, die andere versucht ihn mit etwas ruckigeren Bewegungen oben zu halten. Aber bei allen bleibt er oben. Das war nicht immer so, sagt Kursteilnehmerin Tina Pleisteiner: "Am Anfang ist mir der Reifen ständig runter gefallen. Das war sehr frustrierend. Erst mit der richtigen Technik klappt es." Auch bei der Trainerin lief zu Beginn nicht alles rund. "Ich war Anfangs so konzentriert auf das Hullern und meine Choreographie, dass ich Zuhause gegen den Kratzbaum meiner Katze gelaufen bin und mich verheddert habe", erzählt sie lachend. Auch bei ihr sei der Reifen anfangs oft am Boden gelegen.

"Beim Kurs von Martina werden einfach alle Muskeln strapaziert", stöhnt Tina. Sie gibt aber schmunzelt zu: "Ich merke die Arme, die Beine und natürlich auch den Bauch. Der wird flacher. Das ist schon schön." Der positive Trainingseffekt zeige sich extrem schnell. "Man merkt, wenn man das kontinuierlich macht, dass die Taille einfach schmaler wird", bestätigt auch die Trainerin: "Durch Hula Hoop konnte ich meine Rückenmuskulatur stärken und meine Haltung ist besser geworden." Es sei auch besonders gut für den Beckenboden. Natürlich müsse man Hula Hoop gezielt betreiben. Mindestens 20 Minuten. Denn von nix kommt nix. Das sei wie in jedem Sport. "Wer nur statisch Hullert, ohne zusätzliche Bewegungen mit den Armen, verbrennt 300 Kilokalorien in der Stunde", erklärt die 28-Jährige.

Auf dem Sportrasen in Hohenstadt hat mittlerweile die Musik gewechselt. Das klassische Reifenkreisen ist nun vorbei. Doch die Sportlerinnen sind längst noch nicht fertig. "Andere liegen jetzt im Schatten an einem See", scherzt eine Teilnehmerin mit rotverschwitztem Gesicht. Aber die Frauen trotzen der Sommerhitze und gehen zum nächsten Workout-Teil über. Dabei wird der Reifen mit klassischen Fitnessübungen kombiniert. "Wir gehen Tief", ruft Martina und geht in den Squad. Immer wieder motiviert sie ihre Mädels noch weiter zugehen. "Super. Sehr gut", feuert sie die Frauen an. Eine Übung folgt der nächsten. Der Reifen wird mal als Gewicht und mal zum Abstützen verwendet. Der Schweiß läuft. Die Luft flimmert. Und dann haben sie es endlich geschafft. Nach 45 Minuten.

Auch Männer können Hullern

Einmal pro Woche treffen sich die Frauen zum Hullern. Heute fällt die Gruppe noch etwas kleiner aus. Aber ab Juli startet der große Kurs. "Die Jüngste im Kurs ist 12 und die Älteste 72", sagt Martina noch etwas außer Atem, während sie ihre Reifen zusammen sucht. Bis jetzt sind es nur Frauen. "Aber ich habe schone einige Männer dazu gebracht auch mal den Reifen zu schwingen", erzählt sie grinsend: "Manche Männer können es auf Anhieb und andere tun sich sehr schwer, den Reifen oben zu halten." Das sei aber bei Frauen genauso. "Jeder braucht dazu eine gute Bauch und Rückenmuskulatur, die richtige Technik und den richtigen Reifen", bestätigt auch Daniela Herzog. Sie ist von Beginn an bei dem Kurs dabei. "Die Reifen aus Kindheitstagen sind einfach viel zu leicht. Man muss auf das richtige Gewicht achten. Am Anfang sollte der Reifen nicht schwerer als 1,5 Kilogramm sein", erklärt Martina.

Im Schatten der großen Birke neben dem Sportheim in Hohenstadt sitzen die Frauen nach dem Training noch kurz zusammen. Es gibt weiterhin nur ein Thema: Hula-Hoop. Richtige Technik. Passende Hula-Kleidung oder gute Reifen. Die Reifen der einzelnen Kursteilnehmerinnen auf der Wiese unterscheiden sich nicht nur durch Farbe und Gewicht. Es gibt auch verschiedene Materialien. Tina hat sich einen neuen Reifen aus Schaumstoff gekauft. Die anderen Kursteilnehmerinnen wollen ihn auch mal testen. "Das wird irgendwann zu einer Sucht", sagt Daniela lachend: "Ich hab mittlerweile so viele Reifen, weil ich sämtliche Arten und Gewichtsklassen durchprobiere." Es gibt sogar Reifen mit Massagefunktion.

Anfänger sollten nicht übertreiben

Schaumstoff sei für Anfänger besonders gut geeignet. "Sonst gibt es blaue Flecken", sagt Daniela. Die Haut und die Muskulatur müssen sich erst an den Reifen gewöhnen. "Außerdem sollten Anfänger pro Tag nur drei bis fünf Minuten jede Seite trainieren. Einfach auch mal das andere Bein nach vorne nehmen und so die Richtung wechseln", ergänzt Martina. "Nach zwei bis vier Wochen merkt man schon die ersten Fortschritte. Zum Beispiel dass der Reifen dauerhaft oben bleibt. Dann kann man langsam steigern. " Dabei kommt es aber auch auf die Qualität an sagt die Trainerin: "Wenn der Reifen keine gute Qualität hat dann ist es wie mit einem Achter im Fahrrad das Radfahren lernen. Man merkt schnell, wenn der Reifen im Wellenformat los geht, dann ist es einfach schwieriger und macht keinen Spaß."

Aufbruchsstimmung. "Jetzt aber erstmal unter die Dusche", sagt Martina, wischt sich lachend den Schweiß aus dem Gesicht und winkt ihren Mädels hinterher.

Kolumnistin Lena Schulze testet den Trendsport Hula Hoop selbst

OTon
Martina Baumeister verwandelt den Reifen aus Kindheitstagen in ihrem schweißtreibenden Workout in ein effektives Fitness-Gerät.
Hula Hoop:

So hullern Sie richtig

Als Anfänger gibt es beim Hula Hoop einiges zu beachten:

  • Sie sollten keinen zu schweren Reifen verwenden. Die Faustregel: Unter 65 kg Körpergewicht wird ein 1,2 kg schwerer Reifen empfohlen. Über 65 kg sollte der Reifen 1,5 kg wiegen.
  • Der Reifen sollte nicht zu weich sein. Wenn er sich leicht zusammendrücken lässt oder sich in der Luft durchbiegt, fällt das Hullern viel schwerer.
  • Wenn der Reifen vom Boden bis zum Bauchnabel reicht, hat er den richtigen Durchmesser.
  • Beim Hullern wird nicht mit der Hüfte gekreist, sondern eine Vorwärts und Rückwärtsbewegung gemacht. Denn das ist die natürliche Bewegung des Beckens.
  • Immer darauf achten: Schulterbreiter Stand. Ein Bein ist vorne. Der Bauch ist angespannt. Rücken gerade. Knie locker. Schultern tief. Der Reifen liegt im unteren Rücken.
  • Der Reifen sollte sich nach dem Anstoßen dreimal um den Körper drehen und erst dann wird die Hüfte dazu bewegt.
  • Wichtig: Nicht nur in die eine Richtung Hullern, sondern auch die Seiten wechseln. Dazu einfach das andere Bein nach vorne stellen.
  • Nicht übertreiben: Anfänger sollten pro Tag nur drei bis fünf Minuten jede Seite trainieren und sich langsam steigern. Die Haut und die Muskulatur müssen sich erst an das Gewicht des Reifens gewöhnen.

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