16.09.2020 - 03:01 Uhr
PressathDeutschland & Welt

Baubranche in der Oberpfalz trotzt Corona

Von wegen Coronakrise: Der Umsatz des Bauhauptgewerbes stieg im Juni um elf Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. "Der Boom hält an", sagt der Pressather Bauunternehmer Otto Pravida.

Zufriedener Bauunternehmer Otto Pravida vor seinem Pressather Bürogebäude.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Im ersten Halbjahr konnten keine wesentlichen Effekte der Corona-Pandemie auf Umsatz und Beschäftigung im Bauhauptgewerbe beobachtet werden", erklärten die Statistiker. In den sechs Monaten stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent, die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 1,6 Prozent.

Laut Statistik verbuchten fast alle Wirtschaftszweige der Branche Zuwächse: Im Hochbau betrug das Plus im Juni 9,9 Prozent zum Vorjahresmonat, im Tiefbau 10,2 Prozent. Der Umsatz mit Abbrucharbeiten und vorbereitenden Baustellenarbeiten stieg sogar um 23,5 Prozent. Den geringsten Zuwachs verzeichnete der Straßen- und Schienenbau mit 5,9 Prozent.

Haber: "Hohe Auftragsbestände"

Diese positive Entwicklung bestätigt auch Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz gegenüber Oberpfalz-Medien: "Das Bauhandwerk hat derart hohe Auftragsbestände, dass es auch im Lockdown fast im unverminderten Tempo auf den Baustellen weiterging." Nur bei den Neuaufträgen gebe es eine gewisse Zurückhaltung.

Aus der Praxis vor Ort schildert der Pressather Bauunternehmer Otto Pravidaden Umgang mit den neuen Herausforderungen: "Die Anfragen bei Einfamilienhäusern gingen natürlich drastisch zurück", sagt der Oberpfälzer Bauingenieur. "Im Gewerbebau wurde es konkreter statt einfach nur ins Blaue hinein." Ein Vorteil, findet er. "Es gibt mehr qualifizierte Angebote."

Angebot an tschechische Subunternehmer

Auf die Hygiene-Maßnahmen konnte Pravida, der sich als Gesamtdienstleister für Strahlentherapie-Anlagen europaweit einen Namen machte, schon wegen seines guten Drahts zu Krankenhäusern schnell und angemessen reagieren: "Wir sitzen ja an der Quelle", sagt Pravida. "Wir haben in der Isarklinik eigens Wege für uns ausgeschildert, die Mittagspausen rotierend abgehalten."

Und auch seine tschechischen Subunternehmer konnte er bei der Stange halten: "Ich habe ihnen das Angebot gemacht, in der Zeit, als die Grenzen dicht waren, bei uns zu bleiben und die Übernachtungen komplett übernommen."

Neues Bürogebäude für Pravidas kreative Bauplaner.

Kurzarbeiter zur Überbrückung

Auch die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur habe gut funktioniert. "Wir haben einen Kurzarbeiter aus der Metallbranche eingestellt, der drei Monate bei uns als Bauhelfer eingesetzt wurde und so keine Einbußen hatte."

Wirtschaftlich läuft beim Pressather Baunternehmer, der den Familienbetrieb in der dritten Generation führt, also alles bestens. Dennoch ist Pravida überzeugt, dass sich etwas ändern muss: "Seit mit der Industriellen Revolution die Dampfmaschine den Menschen verdrängt hat, hat der vergessen, dass er ein Teil der Natur ist."

Während Corona nutzen Menschen aus der Region ihre Zeit für Um- und Neubauten und Sanierungen

Amberg

Bauunternehmer Pravida löst Facharbeitermangel unkonventionell.

https://www.onetz.de/pressath/wirtschaft/pressather-bauunternehmer-loest-den-facharbeitermangel-pravida-backt-sich-seine-bauleiter-d1756315.html

Rückbesinnung aufs Tagwerk

Die Pandemie biete die Chance, innezuhalten: "Früher gab es das schöne Wort Tagwerk als menschgerechte Feldgröße", sagt Pravida. "Wir müssen wieder lernen, mit unserer Zeit sinnvoll umzugehen." Dafür sei Verzicht nötig. Vom grenzenlosen Wachstum der vergangenen Jahre hätten vor allem Aufsichtsräte und Finanzmärkte profitiert. "Das Bewusstsein muss sich ändern, weil sonst Amazon alles platt macht."

Mit Blick auf die weit verbreitete Unzufriedenheit bei Demos für oder gegen fast alles stellt er fest: "Ich bin der Meinung, dass es uns gelingen muss, auf Wachstum zu verzichten, um wieder das innere Gleichgewicht zu finden und zufriedener zu leben."

Strahlentherapie aus der Oberpfalz:

Kliniken in ganz Deutschland setzen auf Pravida

Seit Otto Pravida 2008 das Familienunternehmen in Pressath übernommen hat, das Bürogebäude zum Bauhof in der Bahnhofsstraße verlegt und zuletzt ein neues Planungsbüro zu „100 Prozent im eigenen Design“ errichtet hat, wuchs der Umsatz um etwa 30 Prozent. Wachstumstreiber war dabei vor allem die Sparte Strahlentherapie, mit der er sich international profilierte. Seine neuesten Projekte:

  • Komplette Ausführung und Innenarchitektur einer Strahlentherapie mit Onkologie in Erding
  • Showroom für strahlende Geräte für ein Start-up in Erlangen
  • Strahlentherapie im Bestand für die Uniklinik Heidelberg
  • Strahlentherapie im Bestand für das Unispital Zürich
  • Komplette Technik für die dritte Hülle der Uniklinik Großhadern
  • Herzkathaderlabor für das Theresienhospital in Nürnberg
  • Strahlenschutzraum für das St. Josefsstift in Bremen.

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