03.06.2020 - 12:43 Uhr
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Zurück zum lokalen Buchhandel

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Die Ausgangssperre hat das Buch zur heißen Ware gemacht. Oberpfalz-Medien fragt bei regionalen Buchhändlern nach, was mittlerweile aus der wiederentdeckten Lesefreude geworden ist. Heute: Buchhändler und Verleger Eckhard Bodner, Pressath.

Die Buchläden sind wieder geöffnet, aber was ist von der Lese-Euphorie übriggeblieben?
von Anke SchäferProfil

Die Konsequenzen der Corona-Pandemie haben Eckhard Bodner gleich doppelt getroffen: Zum einen als Buchhändler, der von heute auf morgen schließen musste, und zum anderen als Verleger, dessen Neuerscheinungen um Präsentation und Nachfrage gebracht wurden. Seine Hoffnungen ruhen jetzt auf dem wichtigen Literaturherbst und dem Umdenken beim Kaufverhalten:

ONETZ: Herr Bodner, in den ersten Wochen des Corona-Shutdowns haben sich viele Menschen regelrecht ins Lesen geflüchtet. Hat Ihnen der Ansturm auf Bestell- und Lieferservice Mut gemacht in der Krise?

Eckhard Bodner: Durchaus. Die gesteigerten Umsatzzahlen aus dem Internethandel, über Mail oder Telefon konnten zwar den Umsatzverlust durch die Schließung des Ladenlokals bei weitem nicht ausgleichen, aber sie machen Hoffnung für die Zukunft. Die Leser finden vielleicht wieder zum lokalen Buchhandel zurück.

Zum Welttag des Buches: Maria Rupprecht spricht über die Situation der Buchhandlungen

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Welche Titel belegten bei Ihnen die Top-Plätze der Corona-Bestsellerliste?

Eckhard Bodner: Es sind dieselben Titel, die auch in den Bestsellerlisten zu finden sind. Besonders auffällig war natürlich der Anstieg bei Beschäftigungsmaterial für die Vorschul- und Grundschulkinder.

ONETZ: Hat sich die neu entfachte Liebe zu Buch und Buchhändler auch gehalten seit Ihr Laden wieder geöffnet hat?

Eckhard Bodner: Der Verkauf im Laden läuft wieder an, hat aber das alte Niveau noch lange nicht erreicht. Im Internet flacht es etwas ab, ist aber immer noch über dem Umfang vor der Corona-Krise.

Verleger Eckhard Bodner.

ONETZ: Die Situation für die Branche ist ja zwischenzeitlich nicht einfacher geworden – Neuerscheinungen werden verschoben, Programme eingedampft, Lesungen ungewiss, das Highlight Frankfurter Buchmesse völlig anders als gewohnt. Was erwarten Sie vom Literatur-Herbst?

Eckhard Bodner: Mir sind selber 35 von 45 geplanten Schullesungen in der Lesereise „Lesen verleiht Flügel“ ausgefallen. Das kann der Herbst nicht mehr einspielen, ich musste alle Lesungen auf 2021 umlegen. Auch diverse Lesungen (z.B. mit Horst Eckert) sind ausgefallen, die kann ich aber im Herbst nachholen. Besonders empfindlich haben mich die Einschränkungen bei meinen eigenen Verlagsprodukten getroffen. Keine Buchvorstellungen bedeuten keine Presseartikel bedeutet keine Nachfrage. Auch aus dem Buchhandel kam kaum eine Bestellung. Zum Glück ist der Herbst die wichtigere Jahreszeit für den Buchhandel.

ONETZ: Wird der Buchmarkt der Nach-Corona-Zeit insgesamt ein anderer sein?

Eckhard Bodner: Mit Sicherheit! Zur Zeit werden die Buchhandlungen schon erheblich ausgedünnt und nicht alle werden die Krise überstehen. Es freut mich aber, dass viele Kunden Amazon den Rücken gekehrt haben und bewusst wieder beim kleinen Buchhändler in der Region bestellen. Das macht mir doch etwas Hoffnung für die nächsten Jahre.

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