14.10.2021 - 16:35 Uhr
Deutschland & Welt

Mit dem Rad rund um die Oberpfalz: Ein herrliches Auf und Ab

Ausgefallene Radtouren liegen im Trend: Quer durch Amerika. Oder auch rund um Island. Ein beliebtes Ziel ist auch das Nordkap. Eine andere Tour ist so ausgefallen, dass man bisher nichts dazu im Netz findet: Per Rad rund um die Oberpfalz.

Rund um die Oberpfalz: Oberpfalz-Umrundung mit dem Rennrad.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Corona hat an dieser Drei-Tage-Tour kräftig mit geplant: Gesucht war eine Radtour für ein verlängertes Wochenende. Bedingung: Der Ausflug sollte bei jeder Coronalage machbar sein. Das Ausland fiel als Ziel also weg. Und angesichts des Beherbergungsverbots schien auch eine Tour innerhalb Deutschlands eher schwer planbar. "Eigentlich können wir gleich zu Hause bleiben!" Was wie die Aufgabe aller Pläne klang, wurde schnell zum Plan selbst. Dass sich die Oberpfalz bestens fürs Rennrad eignet, ist nicht neu. Die Idee, den Bezirk per Rad zu umrunden schon. Im Netz fand sich dazu nämlich nichts. Dank des Planungs-Tools Komoot stand aber bald eine eigene Route: Gut 500 Kilometer, 6500 Höhenmeter. Genau richtig für drei Tage.

Etappe I: Von Parsberg nach Lohberg

Als Startort der ersten Etappe ist Parsberg ausgewählt – weil dort der "Chefplaner" wohnt. Entgegen des Uhrzeigersinns geht es nach Osten. Das heißt, dass die Route gleich zu Beginn gegen die eigenen Regeln verstößt. Vorgabe war, möglichst nahe an der Oberpfälzer Außengrenze unterwegs zu sein. Allerdings spart die Tour den äußersten Süden der Oberpfalz aus – einfach weil sonst die konditionelle Kapazität überstiegen worden wäre. Zum Einrollen ist der Start aber ideal, die ersten Kilometer entlang der schwarzen Laber verlaufen ohne Steigung, dafür mit viel herrlicher Landschaft .

An Regensburg geht es links der Donau vorbei immer weiter am Fluss entlang. Die folgenden 20 Kilometer sind gut für die Durchschnittsgeschwindigkeit: flussabwärts ohne jeden Höhenmeter. Der Gäuboden grüßt schon auf der anderen Donauseite, als nach 65 Kilometern und kaum 200 Höhenmetern der Spaß vorbei ist: In Wörth an der Donau geht es scharf links Richtung Bayerischer Wald. Die restlichen zweieinhalb Tage führen fast nur noch hoch oder runter. Flach ist aus.

Das stört zunächst nicht. Die hier noch sanften Hügel des Bayerwaldes bedeuten schöne Abwechslung, und die Höhenmeter tun noch nicht weh. Die Stimmung ist bei der ersten Pause in Falkenstein deshalb bestens. Das bleibt auch auf den Kilometern danach so. Auf dem Weg in Richtung Bad Kötzting liegt der einzige nicht asphaltierte Abschnitt der ganzen Strecke. 500 Meter geht es über einen Waldweg. An diesem trockenen Tag ist der überhaupt kein Problem.

Das gilt schon eher für den Verkehr, der im angeblich "staaden Wald" überraschend stark fließt. Vor allem entlang des Regens ab Bad Kötzting lässt sich "Bayerisch-Kanada" kaum genießen. Nach einer guten Stunde wird die Oberpfalz kurz verlassen, bald ist Bodenmais erreicht. Nach gut 160 Kilometern das logische Etappenziel. Weil dann aber die zweite Etappe über 3000 Höhenmeter bedeutet hätte, ist längst die Entscheidung gefallen, 20 Kilometer weiter zu fahren. Diese 20 Kilometer führen aber über den Arber und dank zusätzlicher 600 Höhenmetern nahe an die Leistungsgrenze. Gut, dass es von oben nur mehr runter nach Lohberg geht.

Etappe II: Von Lohberg nach Bad Neualbenreuth

Die zweite Etappe führt tatsächlich immer ganz nahe an der Grenze zu Tschechien entlang. Über Lam geht es nach Furth im Wald, der Himmel ist blau, die Temperatur am Morgen noch frisch. Am Horizont die Gipfel des nördlichen Bayerischen Waldes. Schöner kann Rennradfahren auch in der Toskana nicht sein. Abgesehen von der Temperatur ändert sich dies den ganzen Tag nicht. Bald liegt der Bayerische Wald hinter und der Oberpfälzer Wald vor uns. Hier sind die Berge tatsächlich etwas niedriger, genau wie das Verkehrsaufkommen. Konditionell ist an diesem Tag der Dachsriegel die größte Herausforderung. Der Berg zwischen Furth und Waldmünchen entspricht mit seinen 800 Metern über Null zwar nicht dem höchsten Punkt an Tag II (das ist die Silberhütte mit 818 Metern ü. N.). Mit 400 Höhenmetern am Stück bietet er aber den längsten Anstieg im Oberpfälzer Wald.

Überhaupt geht es auch an diesem zweiten Tag immer rauf und runter. Weil der Arber schon am Vortag bezwungen wurde, kommen trotzdem "nur" etwa 2300 Höhenmeter auf rund 140 Kilometer zusammen. Der Plan, einen Abstecher über den Fahrenberg zu machen, ist trotzdem bald verworfen. Mit dem Anstieg zur Silberhütte und anschließend von Bärnau hinauf nach Grießbach bleibt genug zu klettern. Hier oben, ganz im Osten des Landkreises Tirschenreuth wird es dann richtig still. Bis zum Ziel in Bad Neualbenreuth kommt kaum einmal Auto des (trotzdem gut asphaltierten) Weges. Hier ist der Wald tatsächlich still.

Dritte Etappe: Von Bad Neualbenreuth nach Parsberg

Still bleibt es auch zu Beginn der dritten Etappe . Von Bad Neualbenreuth geht es weiter entlang der tschechischen Grenze vorbei an Waldsassen in Richtung Oberfranken. Erst kurz vor der Grenze folgt der Schwenk nach Westen zum nächsten Mittelgebirge: An den Ausläufern des Fichtelgebirges vorbei führt der Weg durchs Tal der Fichtelnaab erstmals wieder nach Süden. Nachdem der Steinwald und die erkalteten Vulkane rund um Kemnath überwunden sind, wechselt die Landschaft schon wieder, es wird kurz flacher. Nach Auerbach führt dann ein kurzes Stück über die B85. An diesem Sonntag ist der Verkehr aber gut erträglich.

Ab Königstein führt die Strecke durch Ausläufer der Fränkischen Schweiz, ein Stück davon durch den Landkreis Nürnberger Land. Wieder ist die Landschaft ganz anders, wieder wunderschön. Davon ausgenommen sind allerdings Anstiege, die hier zwar nicht so lang wie im Oberpfälzer oder Bayerischen Wald, dafür aber umso steiler. Gegen Ende des dritten Touren-Tages macht sich an diesen Abschnitten die Vorbelastung bemerkbar. Rücksicht nimmt die Route darauf nicht. Im Gegenteil zeigt sich der westliche Landkreis Neumarkt zum Schluss der Tour von seiner "zackigen" Seite. Kurz und steil rauf, kurz und steil runter: So geht es die letzten Kilometer zurück über Neumarkt bis Parsberg.

Fazit: Absolute Tourenempfehlung

Wie schön ist doch die Region, in der wir leben. Diese Tour liefert aus Radfahrersicht den Beweis. Gute Straßen, wenig Verkehr (bis auf Ausnahmen), und eine wirklich abwechslungsreiche Landschaft, die man so geballt sonst nicht erfährt. Die Route ist am Computer geplant, hat sich aber tatsächlich als hervorragend fahrbar erwiesen. Möglicherweise lässt sich für den Abschnitt von Bad Kötzting nach Bodenmais eine ruhigere Variante finden. Gedacht ist die Tour für Rennradfahrer. Sie lässt sich aber mit jedem Rad fahren. Es gibt genügend Orte mit Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Strecke, um die Tour auf vier, fünf, sechs oder mehr Tage auszudehnen.

Serie "On Tour": Die schönsten Radstrecken der Oberpfalz

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