18.08.2021 - 17:25 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Alarmierende Zahlen in der Oberpfälzer Hotellerie

Kaum eine Branche war von der Pandemie so hart betroffen wie die Hotellerie. Über viele Monate mussten die Häuser schließen. Der Neustart verlief unterschiedlich gut. Fast ein Drittel der Oberpfälzer Hoteliers erwägt eine Betriebsaufgabe.

Kathrin Fuchshuber, Inhaberin des Hotels Münchner Hofs in Regensburg.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

In den Jahren vor Corona war es mit dem Tourismus in der Oberpfalz stetig bergauf gegangen. Von 2009 bis 2019 war die Zahl der Übernachtungen um mehr als 22 Prozent angestiegen. Dann folgte mit der Corona-Pandemie der jähe Abstieg: 2020 brachen die Übernachtungen um 37 Prozent ein. Die Auslastung der Oberpfälzer Häuser lag in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei nur 15 Prozent – 2019 im gleichen Zeitraum noch bei 37 Prozent. „Das sind dramatische Zahlen“, sagte Johannes Helmberger, der der Bezirksgruppe Oberpfalz der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) vorsteht, am Mittwoch bei einem Online-Pressegespräch.

Nach einer Umfrage des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes vom Juli sehen sich 41 Prozent der Mitgliedsbetriebe in der Oberpfalz in ihrer Existenz gefährdet. Fast 30 Prozent ziehen eine Betriebsaufgabe in Erwägung. „Dabei ist der Tourismus eine Leitökonomie in Bayern geworden“, betonte Helmberger. Vor Corona hätten Touristen in Bayern rund 33 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben und 600 000 Beschäftigten Arbeit gegeben.

"Ich sperre nicht mehr zu"

„Wir dürfen für eine gute Zukunft der Branche nicht die vielen Stellschrauben vergessen, die entscheidend für den langfristigen Erfolg sein werden“, sagte Helmberger. Dazu gehöre es, die Digitalisierung voranzutreiben, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen und die Infrastruktur nachhaltig weiterzuentwickeln. Drängendste Aufgabe sei aber ein gelungener Neustart. „Die laufende Tourismussaison 2021 muss erfolgreich werden.“ Die vollzogenen Öffnungsschritte seien für die Erholung der Tourismuswirtschaft von fundamentaler Bedeutung, weitere müssten zügig folgen.

Noch deutlicher wurde Kathrin Fuchshuber, Inhaberin des Münchner Hofs in der Regensburger Altstadt. „Ich sperre nicht mehr zu“, stellte sie klar. Einen weiteren Lockdown würde sie nicht mehr mitmachen. Zu groß seien die finanziellen Belastungen und planerischen Unwägbarkeiten. Einen geplanten Umbau in ihrem Hotel habe sie gestoppt, weil sie nicht wisse, ob das Geld dafür wieder reinkommt. Tagungsgäste würden wegfallen. In Regensburg komme ein Überangebot an Hotelzimmern dazu, da sich in den vergangenen Jahren mehrere Ketten mit großen Häusern angesiedelt haben. Die Regensburger Altstadthotel-Besitzer würden überlegen, wer in der ruhigen Saison zwischen Januar bis April überhaupt aufsperrt und wer nicht.

Regionale Vorzüge stärken

Etwas positiver klingt Andreas Brunner, Betreiber des Natur- und Wohlfühlhotel Brunner Hof in Arnschwang (Kreis Cham). „Die Ferien-Hotellerie ist nach der Öffnung wieder gut losgegangen“, berichtete er. Das gelte allerdings vor allem für das obere Preissegment. „Das mittlere Segment stottert und das untere hat große Probleme.“ Der Tourismus verändere sich, für die Gäste stünden Nachhaltigkeit, Natur und Regionalität stärker im Fokus. Die Stadthotellerie werde neue Wege gehen müssen.

Die Oberpfalz sollte den Gästen ihre regionalen Vorzüge noch stärker näherbringen, etwa die Zoiglkultur oder die Teichwirtschaft, findet Brunner. Und: Die hiesigen Hotelbesitzer hätten die Chance, neue Gäste hinzuzugewinnen, die vor Corona im Ausland Urlaub machten. „Wir hatten gerade Gäste aus dem hohen Norden, die seit 20 Jahren nach Südtirol fahren“, berichtet Brunner. „Weil wir sie überzeugen konnten, haben sie für November wieder bei uns gebucht.“

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Andreas Brunner, Betreiber des Natur- und Wohlfühlhotel Brunner Hof in Arnschwang.
Johannes Helmberger, Vorsitzender der VBW-Bezirksgruppe Oberpfalz.
Hintergrund:

Noch weit entfernt vom Vorkrisenniveau

Die schrittweisen Lockerungen der Corona-Beschränkungen haben die Geschäfte von Hoteliers und Gastwirten im Juni angekurbelt. Trotz eines kräftigen Umsatzsprunges gegenüber dem Vormonat ist die Branche aber noch weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verbuchte das Gastgewerbe im Juni rund 60 Prozent mehr Umsatz als im Mai. Die Erlöse lagen allerdings noch knapp 41 Prozent unter dem Vorkrisenniveau des Februars 2020 und 0,8 Prozent unter dem Niveau von Juni 2020. Das Verbot touristischer Übernachtungen war ab Mai je nach Corona-Lage in den Bundesländern schrittweise aufgehoben worden.

 

 

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