28.07.2020 - 16:47 Uhr
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Bewährungsstrafe für 65-jährigen "Pfadfinder"

Das Landgericht Regensburg spricht ein salomonisches Urteil beim Prozess zu einem Missbrauchs-Vorwurf. Der angeklagte Frührentner beteuerte bis zum Schluss seine Unschuld.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in drei Fällen und Besitzes von kinderpornografischen Bildern und Videos ist ein 65-jähriger Frührentner vom Landgericht Regensburg zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem muss er 1000 Euro an den Weißen Ring zahlen. Der Angeklagte, der seit November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft saß und stets seine Unschuld beteuerte, konnte den Sitzungssaal nun als freien Mann verlassen.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, 2013 und 2014 einen damals 13-jährigen Pfadfinder zehn Mal sexuell missbraucht zu haben. Die Pfadfindergruppe durfte in den Jahren einen Raum auf dem Dachboden des Anwesens des heute 65-Jährigen für Treffen nutzen. Bei zehn Gelegenheiten soll der Angeklagte den Jungen veranlasst haben, zu bleiben. Der heute 19-Jährige sagte im vergangenen Jahr der Polizei, dass er aufgefordert wurde, sich nackt auszuziehen. Auch der Angeklagte habe sich entkleidet. Dann sei es zu Zärtlichkeiten und sexuellen Handlungen gekommen.

Nachdem der junge Mann Anzeige erstattet hatte, war es zu einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten gekommen. Auf seinem Tablet wurden 3600 Dateien -die zwar gelöscht waren, aber wiederhergestellt werden konnten - mit kinderpornografischen Bildern und Videos sichergestellt, die den Angeklagten einmal mit einem Mann und ein anderes Mal mit einer deutlich jüngeren Frau beim Austausch von Intimitäten zeigten. Diesen Besitz räumte der Angeklagte von Anfang an ein, will aber nicht gewusst haben, dass der Besitz strafbar ist.

Da der Mann die Übergriffe auf den damals 13-Jährigen bestritt, wurde dieser im Prozess als Zeuge gehört. Dabei überzeugte er allerdings nicht. Schließlich schränkte der junge Mann die Anzahl der Missbrauchsfälle auf drei bis zehn ein.

In seinem Schlussvortrag reduzierte der Staatsanwalt die Vorwürfe auf drei Fälle des sexuellen Missbrauchs. Dabei räumte er ein, dass die Taten lange zurückliegen und deshalb schwer aufzuklären sind. Und die unterschiedlichen Aussagen des heute 19-Jährigen würden dies auch nicht gerade erleichtern. Dennoch sah er mindestens drei Fälle als erwiesen an. Da weder Gewalt, noch Drohungen mit im Spiel waren, hielt der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten für ausreichend und erforderlich.

Verteidigerin Sabine Prokisch-Hierl plädierte auf einen Freispruch hinsichtlich des sexuellen Missbrauchs und auf eine Bewährungsstrafe für den Besitz der kinderpornografischen Schriften. In ihren Augen habe die Beweisaufnahme keinen Tatnachweis erbracht. Die Angaben des Zeugen, er sei alkohol- und drogenabhängig, zu den Übergriffen seien nur mit "Erfindungen" erklärbar, es fehle jeglicher Erlebnisbezug.

Die Strafkammer hielt die Aussage des 19-Jährigen im Großen und Ganzen für glaubwürdig, stufte die Übergriffe aber als minderschweren Fall ein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Text zum Prozessauftakt

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Der zweite Verhandlungstag

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