16.02.2021 - 17:11 Uhr
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Bio-Landwirt: Fleisch-Direktverkauf zahlt sich aus

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Dass die Fleischpreise auf dem Weltmarkt im Keller sind, wirkt sich auf das Geschäft von Landwirt Michael Beer nicht aus. Der Bio-Bauer aus Bernhardswald (Kreis Regensburg) vermarktet seine Produkte selbst – ein Erfolgskonzept.

Die Schweine haben auf Michael Beers Hof Platz und frische Luft.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Der 43-jährige Michael Beer ist auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen und hat die Landwirtschaft nach einem Ausflug ins Schreinerhandwerk übernommen. Während anderen Bauern der aktuell niedrige Fleischpreis zu schaffen macht, sagt Beer: „Wir können uns nicht beklagen.“ Seine Kunden kommen teils seit 25 Jahren treu zu den Ständen, die er auf verschiedenen Märkten in und um Regensburg betreibt.

In der Pandemie ist das Geschäft noch angestiegen. Das hat aus Beers Sicht mehrere Gründe. Zum einen könnten die Menschen gerade nicht im Restaurant ein gutes Stück Fleisch essen – deshalb kaufen sie es und bereiten es zu Hause zu. Zum anderen hätten die Negativ-Schlagzeilen über schlechte Arbeitsbedingungen in großen Schlachthöfen, die durch die Corona-Pandemie aufgedeckt wurden, Kunden verunsichert.

Interesse bei jungen Leuten

Schon vor Corona stellte Beer einen Trend hin zu einem bewussteren Einkaufsverhalten fest. Am Marktstand hört der Vater zweier Töchter, dass die Kunden seine Produkte schätzen. Auch viele junge Leute würden sich für die Herkunft des Fleisches und die Tierhaltung interessieren. Gut an kommt dabei, dass die Rinder und Schweine auf dem Beer-Hof vor Ort geschlachtet werden, ein Transport wird ihnen erspart. Etwa 15 Prozent Fleisch kauft der Landwirt nach eigenen Angaben von anderen biologisch geführten Betrieben zu, darunter Fleisch vom Geflügel, das er selbst nicht hält.

„Eine Preisdiskussion haben wir am Stand so gut wie nie“, sagt Beer. Wenn jemandem das Rinderfilet zu teuer ist, empfiehlt er Rinderhüfte. „Daraus kann man auch ein hervorragendes Steak machen.“ Weil er möglichst alle Teile des Tiers verarbeitet, gibt es bei ihm auch günstigere Produkte wie Presssack zu kaufen. Es gibt aber auch Preise, die Beer nicht mehr nachvollziehen kann. Am Viktualienmarkt in München hat er Rinderfilet mit einem Kilopreis von 149 Euro entdeckt – Beer verkauft es für 54 Euro pro Kilo.

"Viele verdienen gut und leisten sich trotzdem nicht Bio."

Landwirt Michael Beer

Noch schlimmer findet es der Biobauer, wenn Fleisch in Discountern zu Billigpreisen verramscht wird. Schweinefleisch für 2,80 Euro pro Kilo hat er dort schon gesehen. „Wie soll jemand das für diesen Preis produzieren?“, fragt sich der Landwirt, der acht Festangestellte und neun 450-Euro-Kräfte beschäftigt. Die niedrigen Fleischpreise gehen Beer zufolge auf ein Überangebot am Markt zurück. Der Export von deutschem Fleisch sei deutlich zurückgegangen. Wegen der in der Bundesrepublik aufgetretenen Afrikanischen Schweinepest importiere eine Reihe von Ländern, darunter China, kein deutsches Schweinefleisch mehr. Zum anderen werde viel Rindfleisch etwa aus Argentinien nach Deutschland eingeführt. Die deutschen Erzeuger müssten sich dann nach deren Preisen richten, obwohl die Standards hier deutlich höher sind, sagt Beer. Nicht zuletzt fördere die Politik seit Jahren den Ausbau von Ställen – was eine Überproduktion zur Folge habe.

Umstellung auf ökologische Wirtschaftsweise

Michael Beer hat seinen Hof 2001 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt und ist seitdem Mitglied im Naturlandverband. Die Entscheidung dafür hatte er zusammen mit seinen Eltern gefällt. Das bedeutet für seine 150 Rinder, dass sie im Sommer auf die Weide kommen. Und auch die 110 Schweine dürfen an die frische Luft. Das Futter wurde umgestellt. Die Rinder bekommen Heu, Kleegras und Bio-Mais, den Beer auf seinen Feldern nach dem Prinzip der Fruchtfolge anbaut. Während er das Rinder- und Schweinefleisch selbst vermarktet, bringt Beer die Milch ins Regensburger Milchwerk. „Biomilch wird noch einigermaßen fair bezahlt.“

Eine Lanze bricht Beer für seine Kollegen, die eine konventionelle Landwirtschaft betreiben. Die Nachfrage nach Bio-Produkten sei schlichtweg zu gering. „Wir produzieren, was die Verbraucher kaufen.“ Das Argument, dass Bio-Produkte zu teuer für viele Menschen sind, lässt er nicht gelten. „Viele verdienen gut und leisten sich trotzdem nicht Bio.“ Solange die Deutschen ihr Geld eher in schicke Autos als in hochwertige Lebensmittel stecken, werde sich an der Fleischproduktion wohl nicht viel ändern, befürchtet Beer.

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Schwandorf
2001 hat Michael Beer seinen Hof auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. Seine Rinder dürfen im Sommer auf die Weide. Auch zur Freude der beiden Töchter.
Mit Verkaufswägen ist Michael Beers Team in und um Regensburg unterwegs.
Bio-Bauer Michael Beer auf der Rinderweide.
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