16.02.2021 - 19:15 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Corona macht's nötig: Digitale Kulturangebote aus der Oberpfalz

Was für ein musikalisches Fest! Pippo Pollina zeigt mit einem Online- Konzert live aus Zürich, wie eine digitale Aufführung zum Kulturgenuss werden kann. Können Oberpfälzer Kulturschaffende mit Pollina mithalten?

Ein Ausschnitt von Pippo Pollinas Konzert in Zürich.
von Vincent PoschenriederProfil

"Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viel gearbeitet", gibt Mitorganisatorin Anina Fromm Lopez zu. Monatelange Vorbereitung stecke in diesem Konzert, bis kurz vor Schluss habe sie den Beitrittslink zum Konzert verschickt, erzählt sie im Vorprogramm von Pippo Pollinas Konzert. Der Sponsor der Konzerthalle, Michael Furler, bringt die momentane Situation der Kulturbranche in einem Satz auf den Punkt: "Wir müssen sehr geschmeidig sein!" Der Aufwand hat sich gelohnt. 20 000 Zuschauer aus aller Welt verfolgen den Livestream auf Youtube. Aber um Kultur zu erleben, muss man nicht zwingend bis in die Schweiz klicken. Auch die Oberpfalz hat einiges an "Online-Kultur" zu bieten.

Barbara Hauck, Sprecherin des Stadttheaters Amberg

Barbara Hauck, Pressesprecherin des Stadttheaters Amberg, beschreibt digitale Formate mit folgenden Worten: "Online-Angebote auf einem guten, technischen und künstlerischen Niveau anzubieten, hat uns vor manche Herausforderung gestellt, die wir aber gerne angenommen haben, um einerseits die Künstler zu Zeiten des Lockdowns sichtbar zu machen, andererseits unserem Publikum auch in dieser schwierigen Zeit einen digitalen Kulturgenuss zu bieten. Jedoch kann in unseren Augen kein noch so gut gemachter Stream das Live-Erlebnis ersetzen. Und so hoffen wir, dass bald wieder 'echte' Begegnungen im Stadttheater möglich sein werden."

Das Stadttheater Amberg strahlt zurzeit vereinzelt digitale Formate aus. Da diese kostenfrei angeboten werden, fallen Einnahmen weg, die normalerweise mit Ticketverkäufen erzielt worden wären. Außerdem bedeuten digitale Aufzeichnungen einen höheren Zeitaufwand als Live-Veranstaltungen. In der Vorbereitung gilt es, die Vereinbarungen über die Abtretung der Nutzungsrechte mit Schauspielern und gegebenenfalls mit den Verlagen abzuklären. Man muss das Zusammenspiel zwischen Licht, Ton und Technik beachten.

Ferner erfordern Online-Produktionen eine intensive technische Nachbereitung. Doch der Einsatz lohnt sich. Für das Publikum sei es schön, sich auch während des Lockdowns vorübergehend ein Stück Theatererlebnis ins eigene Wohnzimmer holen zu können, meint Hauck. Vorteile der Online-Kultur sind für sie zum Beispiel: Neue Publikumsgruppen können durch Online-Angebote erreicht werden, das Theater bleibt als öffentlich finanzierte Institution auch in schwierigen Zeiten seinem Publikum nahe und Künstlerhonorare können ausbezahlt werden.

Eva-Maria Eiberger, Laienspielberaterin des Bezirks

Jeden zweiten Mittwoch organisiert Eva-Maria Eiberger einen Workshop für Laienspielgruppen in der Oberpfalz. Jeder theaterbegeisterte Oberpfälzer kann über eine Videokonferenzplattform am Workshop teilnehmen. "Man merkt schon, dass es für die Teilnehmer schön ist, sich, wenn auch online, mit Gleichgesinnten zu treffen und sich über die Themenbereiche auszutauschen", erzählt Eiberger. Bei den Online-Workshops behandelt sie jedes Mal ein neues Thema. Beim nächsten Treffen folgt ein Kostümseminar mit dem Motto: "Wie bastle ich mir mit wenigen Mitteln ein aussagekräftiges Kostüm?" Auch Rollenfindung mittels Warm-up-Spielen steht auf dem Programm.

"Man kann wunderbar, in kurzen Zeitfenstern, spannende Themenbereich ansprechen und in diesen Monaten die etwas brachliegende Zeit sinnvoll nutzen."

Eva-Maria Eiberger über die Vorteile von Online-Workshops

Zur Vorbereitung auf ein digitales Seminar, sagt Eiberger: "Die Vorbereitung dauert länger als live, da die Workshops sehr klar durchgetaktet sein müssen." Die Seminare analog abzuhalten, gefällt ihr besser, denn Theater sei etwas sehr direktes, das sich nur live auch so vermitteln lässt. Völlig ohne Vorteile sind Workshops mittels Online- Konferenzen allerdings auch nicht: "Man kann wunderbar, in kurzen Zeitfenstern, spannende Themenbereich ansprechen und in diesen Monaten die etwas brachliegende Zeit sinnvoll nutzen."

Christina Schmidt, Dramaturgin am Theater Regensburg

Christina Schmidt hat mit dem Theater Regensburg das Format "Sie fragen - wir antworten" verwirklicht. Insgesamt 18 Videos sind dort online abrufbar. Theaterexperten antworten auf Fragen des Publikums, "die von der Spielplanerstellung über den Bühnennebel bis zum Fithalten im Lockdown reichen", heißt es in der Mitteilung des Theaters Regensburg. Für das Format gab es viele positive Rückmeldungen. Das Interesse an Kultur sei nach wie vor hoch, so Schmidt. Für das Projekt hat sie die Organisation der Drehtermine übernommen und Mitarbeiter zur Beantwortung der Fragen ausgesucht. Um das Video technisch hochqualitativ umzusetzen, waren zwei Kollegen für Ton und Video vor Ort. In der Postproduktion wurde der Greenscreen zu Orten des Theaters oder zu Bildern von Aufführungen der Künstler, die gerade eben vor der Kamera standen. Stellvertretend beschreibt Schmidt das Fehlen des Publikums als "physischen Schmerz".

"Onlineformate bieten zumindest eine eingeschränkte Kommunikation mit dem Publikum, diese verläuft aber meistens eins zu eins" erklärt Schmidt. "Wir sind an die eigenen Grenzen gestoßen was das Thema Digitalität angeht. Wir machen eigentlich Theater und keine Filme. Unsere Schauspieler müssen sich nun die Fragen stellen: 'Was zeige ich in der Kamera? Wie kommuniziere ich, wenn ich kein Gegenüber vor mir habe?'", sagt Schmidt.

Eine Reise in die Vergangenheit: In die Kult-Disco Kongo-Bar in Rieden

Rieden
In die Arbeit vertieft: Eva- Maria Eiberger während eines Online- Seminars.
Ein Beispiel für eine Antwort: Schauspieler Philipp Quest über seine Erfahrungen mit Bühnennebel.
Ein Blick ins Aufnahmeset von "Special Night(s) before Christmas".
So sieht es in der Technik des Stadttheaters Amberg aus.

 

 

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