05.08.2020 - 21:27 Uhr
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Corona-Tests für jeden: Hausarztpraxen in der Oberpfalz derzeit nicht überrollt

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Seit 1. Juli kann sich in Bayern jeder - auch ohne Symptome - auf das neuartige Coronavirus testen lassen. Aber reichen die Kapazitäten bei den Hausärzten überhaupt, um die Tests vorzunehmen?

Hausarztpraxen sehen sich der derzeitigen Nachfrage nach Corona-Tests gewachsen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Dr. Heribert Szika, Allgemeinmediziner in Neutraubling (Kreis Regensburg), testet pro Tag gewöhnlich nicht mehr als fünf Patienten auf Corona. Bei Kollegen, mit denen er sich austauscht, sei das Aufkommen ähnlich, berichtet der Hausarzt. Etwa zur Hälfte hätten die Menschen, die zum Testen kommen, keine Symptome.

"Das Angebot wird sehr vernünftig angenommen, die Patienten fragen zunächst einmal nach meiner Einschätzung", berichtet auch Dr. Stefan Semmler, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands (BHÄV). In der Regel werde aktuell bei Fieber, aber auch bei geringeren Symptomen wie Husten, Abgeschlagenheit oder nächtlichem Schwitzen getestet.

Abstriche bei Patienten ohne Symptome habe er bisher nur wenige vorgenommen, sagt der Internist, der in seiner Praxis in Lappersdorf (Kreis Regensburg) täglich auf zwei bis fünf Corona-Tests kommt. Prinzipiell begrüßt er die Möglichkeit, großzügig testen zu können. "Ich bin dankbar für die klare Haltung der bayerischen Staatsregierung, dem Testen oberste Priorität einzuräumen."

Ergebnisse schon am Abend

Die Praxen verfügten aktuell über ausreichend Kapazitäten, die Tests vorzunehmen, sagen beide Mediziner übereinstimmend. Auch die Labore, in denen die Tests ausgewertet werden, seien aus ihrer Sicht nicht überlastet. "Wir bekommen die Ergebnisse teils schon am selben Abend, spätestens am nächsten Tag", berichtet Szika. Das sei zu Beginn der Pandemie anders gewesen. Da habe man teils länger auf ein Ergebnis gewartet. Auch die Versorgung mit Schutzausrüstung in den Praxen sei heute deutlich besser als im Frühjahr.

Allerdings schließt Szika nicht aus, dass sich die Lage wieder ändern kann - "wenn es im Herbst eine Erkältungswelle gibt, die Urlauber zurück und die Schulen wieder offen sind". Es sei möglich, dass dann auch wieder ein größeres Testzentrum nötig wird, wie es von April bis Juni im Jahnstadion Regensburg eingerichtet war. Dort wurden in den Hochphasen 50 Tests pro Tag vorgenommen. Als ernannte Versorgungsärzte hatten Szika und Semmler das Testzentrum gemeinsam geleitet.

Der Bayerische Hausärzteverband rechnet damit, dass ab September der Bedarf an Testungen und Infektsprechstunden wieder deutlich steigt - und in einer durchschnittlichen Hausarztpraxis bis zu 100 Corona-Abstriche pro Woche vorgenommen werden müssen. Das erklärt der Verband in einer Pressemitteilung. BHÄV-Landesvorsitzender Dr. Markus Beier steht der Möglichkeit, dass sich auch symptomfreie Patienten testen lassen können, grundsätzlich positiv gegenüber - "wenn verbindliche und transparente Detailregelungen geschaffen werden". So müssten aus seiner Sicht bestimmte Gruppen wie pädagogisches, pflegerisches und medizinisches Personal Vorrang haben.

Nach der regulären Sprechstunde

Die Universitätsmedizin Bayern, ein Zusammenschluss der bayerischen Universitätskliniken, erhofft sich auch einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn aus den Tests. Die Kosten für flächendeckende Testungen ließen sich insbesondere dann rechtfertigen, wenn mit den erhobenen Daten Erkenntnisse über die Verbreitung und die Eingrenzung des Virus gewonnen werden können, heißt es vom Vorstand, dem Professor Oliver Kölbl von der Uniklinik Regensburg angehört.

Ein Kommentar zu Urlaubsrückkehrern

Weiden in der Oberpfalz

Bei den Tests in den Praxen müssen die Hausärzte vorsichtig vorgehen. Allgemeinmediziner Dr. Szika bestellt die Patienten zum Corona-Test erst nach der regulären Sprechstunde ein, um eine mögliche Ansteckung anderer Patienten zu vermeiden. Das Praxispersonal verhüllt sich bei den Tests mit Schutzkleidung, Handschuhen und FFP2-Maske. Auch Dr. Semmler bestellt die Patienten in der Regel separat ein und testet in einem Extra-Zimmer.

Risiko Rückkehrer

Schwer einschätzen kann Hausarzt Szika, wie sich die Rückkehr der Sommerurlauber in den nächsten Wochen auf das Infektionsgeschehen auswirken wird. Das komme auch darauf an, wie sich die Fallzahlen in den Urlaubsländern entwickeln. In Kroatien und Spanien etwa seien die Zahlen deutlich gestiegen.

Auch die Art des Urlaubs spiele eine Rolle: "Wenn ich am Ballermann Urlaub mache, ist das Ansteckungsrisiko natürlich höher als bei einer einsamen Wandertour." BHÄV-Bezirksvorsitzender Semmler lobt die Politik für die aufgebauten Teststationen an den Flughäfen, Autobahnen und Bahnhöfen und auch für die Verpflichtung zur Testung bei Reiserückkehrern aus Risikogebieten. Bei der Corona-Pandemie handele es sich um ein einzigartiges Geschehen, stellt Allgemeinmediziner Szika fest, der seit 30 Jahren praktiziert. Deshalb seien die von der Politik auferlegten Restriktionen richtig gewesen. Deutschland sei damit besser gefahren als etwa Schweden, das sechs Mal mehr Corona-Tote zu verzeichnen hatte. Szika schätzt das Verhalten von 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung als sehr einsichtig ein. "Die meisten akzeptieren die Maßnahmen klaglos, die Zahl der Maskenverweigerer ist zum Glück gering."

Hintergrund:

Mehr Corona-Tests in Krankenhäusern

  • Der Freistaat Bayern will die Tests auf das Coronavirus im medizinischen Bereich ausweiten und hat dazu eine Finanzierungslücke geschlossen. „Zum Schutz der Patienten sowie der Beschäftigten sollen zunehmend auch asymptomatische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen getestet werden“, teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in München mit. Auch Patienten in Reha-Einrichtungen sollten künftig vermehrt auf das Virus Sars-CoV-2 getestet werden.
  • „Wir wollen vor allem Reihentestungen von Beschäftigten in besonders infektionsanfälligen beziehungsweise infektionsempfindlichen Bereichen ermöglichen, zum Beispiel in der Geriatrie und in der Dialyse“, erklärte Huml. Zudem sollten neue Mitarbeiter vor dem Start getestet werden. Gleiches gelte künftig für Kollegen, die sich in Risikogebieten aufgehalten hätten. Analog zu den Krankenhäusern sollen nun auch Reha-Einrichtungen bei der Aufnahme neuer Patienten Abstriche machen können.
  • Bislang mussten die Kliniken die Kosten für die Tests ihrer Mitarbeiter selbst tragen. Nach einer neuen Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums werden bei Testungen in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen nun die Laborkosten durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen. Die Kosten für den Abstrich übernimmt schließlich der Freistaat – und schließt damit die Finanzierungslücke.
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