07.08.2020 - 17:12 Uhr
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Fall Baumer: Sichtung auf dem Jakobsweg und alte Bekannte im Zeugenstand

Elfter Verhandlungstag im Prozess um den gewaltsamen Tod von Maria Baumer: Es geht um Marias Beziehung zu ihrem ehemaligen Mathelehrer und um eine Sichtung auf dem Jakobsweg. Außerdem berichten Studienkolleginnen vom Angeklagten.

Der Angeklagte sitzt mit Mundschutz im Verhandlungssaal des Landgerichts.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

War Maria Baumer im Sommer 2012 auf dem Jakobsweg unterwegs? Zwei Zeuginnen an diesem Verhandlungstag am Regensburger Landgericht sind sich sicher: Sie haben sie gesehen, sich mit ihr unterhalten. Beide erinnern sich an eine Frau mit Wanderrucksack und Trekkingklamotten, die sie Anfang Juni 2012 in Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen) nach dem Weg zu einer Kirche gefragt hatte. Im Oktober 2012 wollen Mutter und Tochter Maria Baumer bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst" wiedererkannt haben. "Es traf mich wie ein Blitz: Das ist die Frau mit dem Rucksack", erinnert sich die Tochter. Die junge Frau habe damals erzählt, sie wandere den Jakobsweg, weil sie ihr altes Leben hinter sich lassen und sich neu finden wolle. Laut Anklage war Maria Baumer zu diesem Zeitpunkt allerdings schon tot.

Ortswechsel nach Oberviechtach: Der ehemalige Mathelehrer von Maria Baumer sitzt im Zeugenstand. Er habe noch zwei Jahre nach Marias Abitur im Jahr 2005 guten Kontakt zu ihr gehabt, vor allem habe man sich beim gemeinsamen Volleyballspiel getroffen. Im August 2005 hätten die beiden zusammen eine Reise nach Irland unternommen, erzählt er. Er habe sich schon vor der Reise vorgenommen gehabt, keine tiefere Beziehung zu Maria aufzubauen. Damals habe er der ehemaligen Schülerin versprochen, dass er sie nicht anfassen würde. "Ich bin 16 Jahre älter als sie." Bei der Rückkehr habe er außerdem Marias Mutter in die Augen schauen wollen, ohne sich zu schämen.

Der Lehrer spricht von einer Schwärmerei für ihn, die Maria gepflegt hatte. "Sie sah mich als väterlichen Freund. Ich glaube nicht, dass sie in mich verliebt war." Der Zeuge schildert auch seinen Eindruck vom Paar Maria und Christian: "Des basst." Er und seine spätere Frau hätten bei Treffen stets den Eindruck gehabt, dass Christian Maria guttun würde.

Diesen Eindruck bestätigt auch eine ehemalige Nachbarin des Pärchens. Sie kannte die beiden zwar nur flüchtig, sagt sie, habe aber den Eindruck von einem harmonischen Zusammenleben gehabt: "Sie haben einen sehr netten Umgang miteinander gepflegt." Später beschreiben zwei ehemalige Kommilitoninnen von Christian F. den jungen Mann als sehr angenehm, ruhig, hilfsbereit und freundlich. Eine Zeugin sagt: "Er ist niemand, der sich selbst gern reden hört, sondern eher ein guter Zuhörer." Beide Studienkolleginnen wussten aber recht wenig Persönliches von ihm, die Beziehung sei eher oberflächlich gewesen. Zur Sprache kommt in diesem Kontext auch die Prüfungsangst, die der Angeklagte im Medizinstudium gehabt haben soll, wie eine Zeugin berichtet.

Auch das Verschwinden der Maria Baumer ist erneut ein Thema: Wenige Tage, bevor sie vermisst wurde, will eine Nachbarin sie zuletzt auf einer Gartenbank gesehen haben. "Sie war sehr still, ruhig und wirkte gedankenverloren." Widersprüchliche Aussagen machte die Nachbarin aber bezüglich Figur und Fitness des Angeklagten zu der Zeit des Verschwindens: Während sie zunächst erzählt, dass sie Christian F. damals ab und zu beim Joggen begegnet sei, bestätigt sie später auf Vorhalt, dass ihr Mann damals für einen Marathon trainiert und den Angeklagten nie beim Joggen gesehen hatte. "Die Aussage, dass er drei Stunden joggen war, hat uns alle verwundert." Sie bezieht sich auf F.s Angabe, Maria Baumer sei aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden gewesen, nachdem er von einer langen Joggingtour zurückgekommen war.

Der zehnte Tag des Mordprozesses im Fall Maria Baumer

Regensburg
Der Fall Baumer:

Die 26-jährige Maria Baumer aus Muschenried (Kreis Schwandorf) verschwindet am 26. Mai 2012 spurlos. Es folgt eine große Suche. Am 8. September 2013 finden Pilzsammler die sterblichen Überreste Baumers bei Bernhardswald (Kreis Regensburg). Tatverdächtig ist früh Maria Baumers Verlobter Christian F. Erst im Februar 2020 kommt es zur Anklage, neue Indizien belasten F. Seit 1. Juni 2020 läuft der Mordprozess vor dem Landgericht Regensburg. Christian F. wird vorgeworfen, Maria Baumer mit einem Medikamentenmix getötet und im Wald verscharrt zu haben – weil er sich in eine andere Frau verliebt haben soll. Verhandlungstage sind bis Oktober angesetzt.

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