11.05.2021 - 17:54 Uhr
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Falscher Polizist vor Gericht: Mit dem "Enkeltrick" fast 50 000 Euro erbeutet

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Fünf Mal soll sich ein 29-Jähriger als falscher Polizist ausgegeben und so insgesamt 47 000 Euro erbeutet haben. Er selbst erklärt, er sei dabei nur Befehlsempfänger einer Betrugsbande gewesen. Seit Dienstag läuft der Prozess vor dem Landgericht Regensburg.

Kevin S. (rechts) war offenbar nur ein kleines Rädchen. Von den Hintermännern fehlt jede Spur.

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich ein Polizeibeamter. "Wir befürchten, Sie könnten Opfer einer Straftat werden." So ähnlich lauteten wohl die ersten Worte, die eine 77-Jährige Rentnerin am Abend des 25. November 2020 gehört hat. "Es soll einen Überfall in der näheren Umgebung gegeben haben", habe der vermeintliche Polizist am Ende der Leitung gesagt. "Dabei sei ein Zettel mit meiner Adresse aufgetaucht. Und da zwei Täter flüchtig seien, müsste ich ihnen alle Wertsachen im Haus geben."

Noch unter dem Eindruck der Beerdigung ihrer Mutter wenige Stunden zuvor, steht die Rentnerin am Telefon und will das alles nicht recht glauben. Das Gegenüber lässt nicht locker, beschwört immer wieder eine bestehende Gefahr. "Dann beruhigte er mich wieder." Es sei ein "hin und her" gewesen. Weiterhin skeptisch, ob das denn wirklich stimme, holt sie ihren Sohn hinzu. "Die haben das wirklich professionell gemacht", sagt der gelernte Rettungsassistent vor Gericht. Am Telefon habe es "wie in einer echten Einsatzzentrale gewirkt".

Wertsachen der Mutter

Nachdem der Sohn wieder zu Hause ist, ruft der Beamte, der sich als Andreas Steinbach vorgestellt hat, erneut bei der Frau an. Ein Kollege werde vorbeikommen und die Kassette mit wertvollem Schmuck und einem Bündel Bargeld abholen. Es seien die Wertgegenstände ihrer verstorbenen Mutter gewesen. So ganz will die 77-Jährige der Sache nach wie vor nicht trauen. "Ich habe dann sogar die 110 angerufen, um mich zu vergewissern, dass das alles stimmt."

Sie solle streng nach Anweisung des Kollegen handeln, dann würde nichts passieren, heißt es von dort. Richter Oliver Wagner erklärt am Dienstag während der Befragung: "Die Polizei geht derzeit davon aus, dass Sie unter dem Druck des Anrufers das Gespräch gar nicht richtig beendet und den Notruf lediglich in das Tastenfeld eingegeben haben." Sie sei also nie bei der Notrufzentrale gelandet. Nach wie vor skeptisch überreicht die Frau wenig später dem Angeklagten besagte Kassette über das Fenster. Denn in die Wohnung wollte sie den Mann nicht lassen.

Ähnliches Vorgehen

Ida P. ist eine von fünf Regensburgerinnen, die zwischen dem 29. September und dem 25. November 2020 von Kevin S. als vermeintlicher Polizeibeamter aufgesucht wurden. Das Vorgehen war in allen Fällen weitestgehend ähnlich. Zunächst nahm jemand telefonisch Kontakt zum Opfer auf und schilderte eine angebliche Gefahrensituation. Später sei dann der Angeklagte vorbeigekommen und habe die vereinbarten Wertgegenstände oder Bargeld abgeholt. Insgesamt 47 000 Euro soll die Betrügerbande erbeutet haben. Laut Polizeipräsidium Oberpfalz komme es seit einiger Zeit gehäuft zu solchen Fällen.

Der Angeklagte zeigt sich am Dienstag geständig und entschuldigt sich bei den Geschädigten. Nachdem er längere Zeit arbeits- und wohnungslos gewesen sei und aufgrund seiner Suchterkrankung habe er im Sommer 2020 auf eine Anzeige bei Facebook reagiert. Darüber sei er mit einem "James" in Kontakt gekommen, erklärt der gebürtige Tirschenreuther. Dass es bei dem Jobangebot nicht legal zugehen werde, das sei ihm bewusst gewesen. Um was es konkret gehen sollte, habe er aber erst kurz vor der ersten Tat erfahren. "Es hieß, ich solle Geld holen, das irgendwie mit Wettbetrug zu tun hätte."

Schon zu tief drin

Als ihm die 34 000 Euro in Bar von einer älteren Frau übergeben wurden, sei er stutzig geworden. Zu diesem Zeitpunkt sei es aber zu spät gewesen. "Man hat mir klar gemacht, dass ich zu tief drin stecke und sie meine Daten haben." Wer genau die Hintermänner sind, wisse er nicht. Der Kontakt sei immer erst kurz vor den Taten per Telefon zustande gekommen. Das erhaltene Bargeld habe er über ein Online-Zahlungsformat in die Türkei überwiesen und Wertgegenstände einmal zu einer Frau nach Nürnberg gebracht.

Wie die Kammer bereits während des ersten Verhandlungstages bekannt gibt, werde man die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft vermutlich etwas reduzieren. Anstatt des banden- und gewerbsmäßigen Betruges in fünf Fällen sowie der Amtsanmaßung, gehe die Kammer aktuell im ersten Fall von Beihilfe zum Betrug aus. Die übrigen vier Fälle könnten zudem als Beihilfe zum banden- und erwerbsmäßigen Betrug angesehen werden. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Dann könnte auch bereits ein Urteil gesprochen werden.

Info:

Immer wieder Enkeltrick: Eine Auswahl aus der Oberpfalz

■ 2021 schmälern Betrüger das Vermögen einer 93-jährigen Regensburgerin. Der Täter gibt sich als Rechtsanwalt ihrer Enkelin aus – und ergaunert so einen fünfstelligen Betrag.

■ 2020 erbeuten Enkeltricketrüger 260 000 Euro von einem Ehepaar in Weiden. Dabei überreichten die Eheleute einem Fremden, der sich als Notar ausgab fünf Kilogramm Gold für eine angebliche Nichte.

■ 2020 forderte ein Trickbetrüger einen 82-jährigen Sulzbach-Rosenberger auf, ihm 12 000 Euro zu geben. Der Mann gab sich als Bekannter aus, der einen Unfall hatte. Der Rentner übergibt kein Geld.

■ 2019 übergab eine 74-jährige Weidenerin mehr als 10 000 Euro an Trickbetrüger. Sie glaubte, ihr Neffen habe sie am Telefon darum gebeten.

■ 2016 nahm ein Pärchen einer 73-jährigen Rentnerin aus Schwandorf 20 000 Euro ab. Die Täter täuschten dabei laut Polizei vor, Bekannte ihrer Tochter zu sein der sie ein Geschenk machen wollen.

Zehnmal ein "falscher Polizist"

Sulzbach-Rosenberg
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