06.04.2020 - 13:23 Uhr
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Florian Wein zur Lage des Ovigo-Theaters: "Alles aufgeschoben, nicht aufgehoben"

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Die Coronakrise hat den Kulturbetrieb erwischt.Wir fragen bei Künstlern aus der Region nach, wie sie die Situation meistern. Diesmal: Florian Wein, künstlerischer Leiter des Ovigo-Theaters.

Florian Wein ist Künstlerischer Leiter des OVIGO Theater und selbst gerne als Schauspieler in Aktion.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Theaterspiel in verschiedenen Formen und Variationen sowie an verschiedenen Orten – das zeichnet das Ovigo-Theater aus. Der aktuellen Corona-Krise ist allerdings geschuldet, dass der Bühnenvorhang geschlossen bleibt.

ONETZ: Herr Wein, Corona bedeutet auch Stillstand des öffentlichen kulturellen Lebens. Was liegt beim Ovigo-Theater derzeit auf Eis?

Florian Wein: Zum einen wurde die Premiere von unserem Familienmusical „Emil und die Detektive“ in Pfreimd abgesagt. Außerdem sämtliche folgende Termine im März und April in Pfreimd, Neunburg vorm Wald, Regenstauf, Pertolzhofen und Ursensollen. Auch Aufführungen von „Mord im Hause Doubleface“ (Dinner mit Killer) mussten ausfallen. Zum anderen liegt auch das Vereinsleben fast gänzlich auf Eis. Wir wollten für weitere Projekte und Stücke proben, Workshops abhalten, uns zu Meetings treffen, den Spielplan 2021 fix machen, etc. Nun wurde alles aufgeschoben, aber nicht aufgehobe.

ONETZ: Wie gehen Sie kreativ mit der Situation um? Inwieweit hemmt die aktuelle Lage auch das kreative Denken?

Florian Wein: Einige unserer Mitglieder produzieren kleine Filmchen, die wir auf unsere Webseite stellen: Die „OvigoLieblingsgeschichten“, bei denen meist vorgelesen wird. Das ist eine sehr schöne Abwechslung, jedoch sehnt sich jeder von uns nach direktem Kontakt. Im Hintergrund passieren dennoch ein paar Dinge. Stücke werden (fertig)geschrieben, mögliche neue Stücke gesichtet, man lässt sich inspirieren. Allerdings funktioniert das nicht immer so gut. Mir persönlich fehlt der kreative Prozess im direkten Kontakt mit den Menschen. Das merkt man erst so richtig, wenn man mal längere Zeit darauf verzichten muss.

ONETZ: Konkrete Planungen zum jetzigen Zeitpunkt zu treffen ist schwer: Nichtsdestotrotz haben Sie sicher Vorstellungen, wie und wann es in der Saison 2020 weitergehen könnte, oder?

Florian Wein: Es gibt Szenarien, die aber natürlich von den sich entwickelnden Umständen abhängen. Bestenfalls können wir im Mai wieder loslegen und die anstehenden Termine so halten, wie sie auch geplant wurden. Die ausgefallenen Termine könnten dann ab Mai bis Ende des Jahres nachgeholt werden. Falls sich diese Situation noch länger zieht, könnte sich alles in den Herbst schieben. Dann könnte es im Terminkalender jedoch arg eng werden. Womöglich müssten wir dann die ein oder andere Aufführung weglassen.

ONETZ: Stocken aufgrund der aktuellen Situation die Planungen für 2021?

Florian Wein: Ja, leider. Am 25. März hätten wir unser Spielplan-Meeting gehabt. Im April hätten wir den neuen Spielplan bereits vorstellen wollen. Nun wissen wir nicht mal, wie sich das Jahr 2021 generell zusammensetzen kann. Dennoch: Zwei Produktionen für 2021 stehen bereits fest. Ein neues Dinner mit Killer und eine große Musiktheater-Produktion im Herbst. Nähere Informationen gibt es allerdings erst, wenn wir tatsächlich wissen, wie und wann es auch in diesem Jahr weitergeht.

ONETZ: Das Ovigo-Theater ist eine Einrichtung, die aufgrund zahlreicher Spielstätten die Kultur in wahrsten Sinn des Wortes zu den Menschen bringt. Macht das die Situation für Sie leichter, nach der Corona-Krise wieder anzuknüpfen oder wäre dafür ein „festes Haus“ die bessere Ausgangssituation?

Florian Wein: Es ist kein Geheimnis, dass es unser Ziel ist, auf Dauer ein festes Haus zu beziehen. So wie die Lage derzeit ist, ist es natürlich von Vorteil, dass dies noch nicht der Fall ist, da wir dementsprechend dort keine laufenden Kosten haben und wir derzeit nichts einnehmen können. Wir können nach der Krise im Grunde wieder so weitermachen wie bisher. Das größte Konfliktpotenzial birgt der Terminkalender, da sich vieles stauen wird. Unsere Darsteller und Mitglieder sind teilweise noch in vielen weiteren Vereinen aktiv und alle möchten natürlich ihre Veranstaltungen nachholen.

ONETZ: Alle Welt redet von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Was bedeutet der kulturelle „Lockdown“ ökonomisch für das Ovigo-Theater?

Florian Wein: Wir sind ein gemeinnütziger Verein und keiner von uns bezieht eine feste Gage. Wenn derzeit keine Produktionen gefahren werden können, wird zwar kein Geld eingenommen, aber auch keins ausgegeben. Es ändert sich also nicht viel. Natürlich müssen noch einige Rechnungen beglichen werden. Dennoch ist das Finanzielle derzeit nicht unsere Sorge. Es ist eher das Ideelle.

ONETZ: Immer wieder wird von den „Chancen“ gesprochen, die die Corona-Krise im gesellschaftlichen Miteinander auch eröffnet. Gibt es diese „Chancen“ im kulturellen Bereich auch?

Florian Wein: Ich sehe die Chance, dass sich die Leute wieder besonders freuen, das kulturelle Angebot wahrnehmen zu können. Dass es nicht als selbstverständlich erachtet wird, sondern als Gut, das es lohnt zu nutzen. Man wird es wieder besonders genießen, den Akteuren auf der Bühne zuzusehen, da es eben doch was anderes ist, als täglich Netflix zu schauen (was ich selbst derzeit ja genauso tue). Diese Sehnsucht ist jetzt schon da. Und auch wenn es noch dauern wird: Es wird ein Genus sein, wieder spielen zu dürfen! Und ich verspreche, es wird für das Publikum genauso sein.

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