05.10.2020 - 16:09 Uhr
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Heute Urteil im Baumer-Prozess: War ihr engster Vertrauter der Mörder?

Am Landgericht Regensburg richten sich am Dienstag um 15 Uhr alle Augen auf den Vorsitzenden Richter Michael Hammer. Er wird im Mordprozess um Maria Baumer das Urteil verkünden. Muss der angeklagte Verlobte „lebenslang“ hinter Gitter?

Der Angeklagte (r) spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger Johannes Büttner.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Dutzende Zeugen haben seit Prozessbeginn vor vier Monaten dabei geholfen, die Puzzlestücke in dem mysteriösen Fall zusammenzusetzen. Die Beweise gegen den 36-jährigen Krankenpfleger Christian F., dem vorgeworfen wird, seine Verlobte Maria Baumer heimtückisch mit einem Medikamentenmix getötet zu haben, verdichteten sich recht zügig. Nachgewiesen wurden seine Google-Suchen nach Begriffen wie „Der perfekte Mord“, „Lorazepam letale Dosis“ oder „Guillotine-Würgegriff“.

Neue Untersuchungsmethoden ergaben, dass die aus Muschenried (Kreis Schwandorf) stammende Maria Baumer eben dieses Lorazepam bei ihrem Tod im Blut hatte – das in Kombination mit dem ebenfalls nachgewiesenen Schmerzmittel Tramadol den Ermittlern zufolge zum Tod führte. Es bestätigte sich außerdem, dass F. wenige Tage vor Maria Baumers Verschwinden am 26. Mai 2012 einen Spaten gekauft hatte – der dann neben der Grube im Wald lag, in der Marias sterbliche Überreste knapp 16 Monate später von Schwammerlsuchern gefunden wurden.

Auf die scheinbar erdrückende Beweislast reagierte F.s Wahlverteidiger, der Frankfurter Anwalt Michael Euler, Mitte August mit einer Erklärung, die für viel Aufsehen sorgte. Darin räumte Christian F. ein, dass er die damals 26-jährige Maria Baumer tatsächlich im Wald vergraben hat – mit ihrem Tod aber nichts zu tun habe. Gestorben sei sie an Tabletten, die sie selbst wegen Depressionen und Schmerzen eingenommen habe. F. habe Maria Baumer tot im Bett gefunden. Im Wald vergraben habe er sie, weil er Angst vor beruflichen Konsequenzen hatte, wenn herauskäme, dass er die Medikamente an seinem damaligen Arbeitsplatz am Bezirkskrankenhaus gestohlen hatte.

Nachdem Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher dieses Szenario als „Märchenstunde“ betitelt hatte, bekräftigte Anwalt Euler in seinem Plädoyer das Teil-Geständnis seines Mandanten. F. habe sich ihm in einer Verhandlungspause in einem Nebenzimmer unter Tränen offenbart. Der Angeklagte habe mit dem Vergraben einen moralisch zutiefst verwerflichen Fehler begangen, darüber hinaus eine Lügengeschichte über eine vermeintliche Auszeit Marias konstruiert und damit Maria Baumers Familie, das komplette Umfeld und nicht zuletzt seine Anwälte jahrelang hinters Licht geführt. Allein: Strafrechtlich relevant sei das alles nicht. Während die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Freiheitsstrafe fordert, will Euler einen Freispruch für seinen Mandanten.

Der Fall Maria Baumer

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Dass F. den Spaten im Wald stehen ließ, spreche eben gerade nicht dafür, dass er ein abgebrühter Mörder sei, argumentierte Euler. F. habe das Vergessen bemerkt, es aber schlicht nicht über sich gebracht, nochmal an den Ort zu fahren, an dem seine tote Verlobte lag. Und die Google-Suchen? Nach Suizidversuchen von Patienten auf seiner Station habe F. sich über tödliche Arzneimitteldosierungen erkundigt, erklärte Euler. Der gesuchte Würgegriff stamme aus dem Judosport, den Angehörige Baumers betreiben würden. Nach dem „perfekten Mord“ schließlich würde jemand, der eine solche Tat vorhat, sicher nicht googeln, meinte Euler.

Er warf der Staatsanwaltschaft außerdem vor, kein klares Tatmotiv vorgelegt zu haben. Dass F. seine Verlobte aus Liebe zu einer Patientin am Bezirksklinikum aus dem Weg räumen wollte, wovon die Ermittler ausgehen, wies Euler zurück. F. habe zwar für die Patientin geschwärmt, doch zu einer Beziehung sei es nie gekommen. „Da müsste man ja einen völlig irren Angeklagten haben, der vorsorglich die Verlobte aus dem Weg schafft.“

Und auch dass F. am 26. Mai 2012, als Maria Baumer vor dem Vergraben mehrere Stunden tot in der gemeinsamen Regensburger Wohnung lag, am Computer eine Musiksammlung für die angebetete Patientin erstellte, ist für Euler irrelevant. Jeder gehe mit einer solchen Ausnahmesituation individuell um, F. habe sich wohl ablenken wollen. Darüber, wie das Gericht die Geschehnisse einordnet, soll es heute, fast achteinhalb Jahre später, Klarheit geben.

Rudi Cerne und der Fall Maria Baumer

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