23.02.2021 - 14:17 Uhr
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Hubert Treml: „Hoffentlich vergisst man nicht, wie wichtig die Kunst ist“

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Viele selbstständige Künstler leiden enorm unter der Corona-Pandemie. Der Oberpfälzer Songwriter und Darsteller Hubert Treml erzählt, wie er versucht, die Krise zu überstehen und was er daraus für die Zukunft mitnimmt.

Hubert Treml vermisst die Bühne, die Zuschauer und den Applaus, der Künstler aus Weiden ist aber auch während der Corona-Pause kreativ und produktiv. Jetzt hat er die CD „Himmel“ herausgebracht.
von Christa VoglProfil

ONETZ: Herr Treml, während der letzten zwölf Monaten wurden die Künstler komplett ausgebremst. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Hubert Treml: Ich hatte Glück im Unglück. Meine Live-Auftritte fielen natürlich weg. Was mir aber blieb, war die Arbeit für Projekte der Stiftung KreBeKi, die sich für krebskranke und behinderte Kinder in Bayern einsetzt. Ich betreue Projekte dieser Stiftung bereits seit fünf Jahren und gerade während der Corona-Zeit wurde ich gebeten, meine Mitarbeit noch etwas auszubauen. Und zwar in Form von Video-Chats und der Mitentwicklung digitaler Sendeformate in Kinderkliniken. Im Gegensatz zu vielen meiner Künstlerkollegen hatte ich also zumindest einen kleinen Teil laufender Einnahmen. Ewig werden aber die Rücklagen natürlich auch nicht reichen.

ONETZ: Und wie ist die Situation bei Ihren Kollegen?

Hubert Treml: Bei einigen geht es schon seit Monaten um die Existenz. Viele meiner Kollegen leiden darunter, dass das beantragte Geld oft so lange auf sich warten lässt. Ich hoffe nur, dass unsere Gesellschaft nicht vergisst, wie wichtig Kunst ist, wie wichtig es ist, was die Künstler leisten. Und ich hoffe natürlich auch, dass man sie unterstützt – und zwar auch längerfristig. Da ist ein Stück Solidarität notwendig und zwar über Corona hinaus. Und das gilt natürlich auch für die vielen anderen Bereiche, zum Beispiel Gastronomie, die von der Krise so arg betroffen sind.

ONETZ: Wie haben Sie selbst reagiert, als der erste Lockdown im März kam?

Hubert Treml: Ganz ehrlich ist mir das Herz schon in die Hose gerutscht, als Anfang März alle Veranstalter abgesagt haben. Vorsichtshalber bin ich damals gleich zum Mediamarkt gefahren und habe 200 CD-Rohlinge gekauft, um zur Not vielleicht ganz spezielle Unikate für Auftraggeber aufzunehmen. Niemand konnte abschätzen, wie das weiter geht.

ONETZ: Selbst jetzt, also ein ganzes Jahr später, sind Liveauftritte mit viel Publikum noch nicht planbar.

Ja, das stimmt. Andererseits ist auch bei der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, also den inklusiven Musikprojekten, sehr viel Kreativität gefragt. Und genau diese Herausforderung brauche ich. Wenn jemand zu mir sagt: „Schreib doch mal ein Lied über...“, dann schreib‘ ich halt ein Lied über das gewünschte Thema, dann bin ich froh.

ONETZ: An Ideen für neue Lieder mangelt es nie?

Hubert Treml: Nein, überhaupt nicht. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich mich vor jetzt schon 21 Jahren entschlossen habe, das Ganze professionell zu machen. Dabei kommt es aber selten vor, dass ich mich hinsetze und ein Lied „einfach so“ schreibe. Meistens gibt es einen bestimmten Anlass für ein Lied: Ein Jubiläum, ein Geburtstag, ein Theaterstück, eine Firmenveranstaltung. Man kann ja bei mir für verschiedene Anlässe maßgeschneiderte Lieder bestellen.

ONETZ: Und singen Sie diese passgenauen Lieder dann nur zu dieser Gelegenheit?

Hubert Treml: Je nachdem. Zum Beispiel hatte ich da in Pressath eine Frau, die für ihre Mutter zum 60. Geburtstag ein Lied bestellt hat. Dazu brauche ich natürlich immer einige Informationen über den Menschen, für den das Lied bestimmt ist. Die Frau sagte mir: „D‘Mutta macht an bestn Kouchn und die beste sölwa gmachte Erdbeermamalaad.“ Daraus ist dann das Lied „Selbergmachte Erdbeermamalaad“ entstanden, weil mir der Ausdruck halt so gut gefällt. Und dieses Lied hat es dann tatsächlich später auch auf meine CD „Es gibt nix bessers…wöi wos gouts“ geschafft.
Oder zum Beispiel die Glockenweihe für die Ägidiuskapelle auf dem Schlossberg in Waldeck. Damals hat mich der Heimat- und Kulturverein gebeten, ein Lied für diesen Anlass zu schreiben. Und so entstand „Wenn d’Glockn leit“, und dieses Lied findet man auf meiner CD „Himmel“.

ONETZ: Sie sind ja sehr bekannt durch Ihre Live-Auftritte. Vermissen Sie den Applaus?

Hubert Treml: Sicher. Denn Applaus ist schon was Tolles. Wenn die Leute mitsingen, wenn sie klatschen, wenn ich die Rückmeldung bekomme, dass ihnen das Lied gefallen hat. Für mich bedeuten Auftritte Kommunikation. Ich bin ja weniger ein Konzertmensch, der auf die Bühne kommt, am Anfang kurz was sagt, dann hintereinander weg sensationelle Gitarrensoli spielt und am Ende mit einem kurzen „Danke“ ganz schnell wieder hinter dem Vorhang verschwindet. Ich genieße einfach die Begegnung mit den Leuten, mir gefällt es, wenn ich ein Lied über ein bestimmtes Thema singe und danach höre: „Ja, genau so ist das“, oder „Ja genau, so war das früher“. Das ist wie eine Unterhaltung zwischen mir und dem Publikum, das ist wie wenn man miteinander ratscht.

ONETZ: Diese Auftritte sind durch Corona weggefallen, dieses Ratschen ist weggefallen. Wie hat sich dadurch Ihr Tagesablauf verändert?

Hubert Treml: Vor Corona war ich so im Schnitt dreimal in der Woche abends unterwegs zu Auftritten. Die Auftritte wurden komplett abgesagt. Jetzt ist abends family time mit meiner Frau und den beiden Kindern. Das genieße ich auch. Sehr sogar.

ONETZ: Jetzt haben Sie eine neue CD herausgebracht. Sicher auch, um über diese Schiene entfallene Einnahmen etwas zu kompensieren. Der Titel heißt „Himmel“. Die Themen der Lieder und die Stilarten sind sehr unterschiedlich.

Hubert Treml: Das ist oft so bei meinen CDs. Viele Songschreiber schreiben ja fast ausschließlich über Liebesbeziehungen. Ich schreibe auch schon mal über die Liebe, aber auf Dauer ist das irgendwie doch ein bisschen langweilig. Man hört ja dann meist nur die Varianten von „er mag sie oder er mag sie nicht, oder er ist von ihr verlassen worden.“ Das Leben hat ja noch viel mehr parat. So schreibe ich halt gerne auch über was anderes. In meiner neuen CD zum Beispiel über den Tante-Emma-Laden, über Weiden, wo ich aufgewachsen bin, über die Oberpfalz, über Weihnachten, so wie es eigentlich gedacht war, über Kindheitserinnerungen, und so weiter.

ONETZ: Wenn Corona vorbei ist: Was nehmen Sie auf jeden Fall mit aus der Krise?

Hubert Treml: Vor allem das Wissen, dass die Gesundheit am allerwichtigsten ist. Menschen aus meinem näheren und weiteren Umfeld sind mit Corona gestorben oder sind daran erkrankt und leiden unter schweren Langzeitfolgen.
Und dann natürlich auch, dass es wichtig ist, sich über „das Eigentliche“ Gedanken zu machen, darüber, was die Welt braucht. Denn das Leben ist nicht nur „Annamirl“ und „Drei Doch gemma nimma ham“. Das Leben ist so viel mehr.

Interview mit dem Gitarren-Professor Paulo Morello aus Teublitz

Teublitz

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Hintergrund:
  • geboren 1964, aufgewachsen in Weiden
  • 1986 erste LP „Fia eich“ mit der Band „Apfelkuchen“
  • Studium der Theologie in Würzburg
  • Lektor bei einem Verlag in Freiburg
  • wohnt seit 2000 in Regensburg
  • freischaffender Künstler als Autor, Liedermacher, Komödiant und Schauspieler
  • Projekte: „coenich cauts“, b.o.s.s.“, „Die Ladenhüter“, „die musikmacher“ oder „Hubert Treml & die Pawalaatschn“
  • Die neue CD "Himmel" direkt über hubert.treml[at]t-online[dot]de (Preis: 12,50 Euro)
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