13.05.2020 - 18:39 Uhr
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Kleiner Bildschirm schützt Notärzte

Das Rettungszentrum Regensburg hat 17 Spezialgeräte zum Intubieren an ostbayerische Rettungsdienste übergeben. Die sogenanntenVideo-Laryngoskopen sind auch nach der Corona-Pandemie hilfreich.

Dank der Videofunktion können Notärzte einen Patienten intubieren, ohne sich nah über ihn beugen zu müssen. So kann die Ansteckungsgefahr reduziert werden.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Geräte sind klein und teuer – und sie haben gerade in Corona-Zeiten einen entscheidenden Vorteil: Der Notarzt muss beim Intubieren nicht zu nahe an den Rachen des Patienten, der womöglich stark infektiös ist. Am Mittwoch spendete das Rettungszentrum Regensburg 17 Video-Laryngoskopen an ostbayerische Rettungsdienste.

Die Corona-Pandemie stellt den Rettungsdienst vor neue Herausforderungen. Das berichtete Professor Bernhard Graf, Leiter des Rettungszentrums Regensburg und Direktor der Klinik für Anästhesiologie an der Uniklinik Regensburg, bei der Übergabe. Momentan komme es verstärkt zu Einsätzen mit Patienten, die unter sehr starker Atemnot leiden. Häufig müssten dann invasive Techniken zur Atemwegssicherung eingesetzt werden. Bislang intubierten Notärzte und Notfallsanitäter die Patienten in unmittelbarer Nähe zum Rachenraum. Um den Beatmungsschlauch korrekt einzuführen, mussten sie sich nah über den Patienten beugen.

Richard Leberle, Notarzt an der Uniklinik Regensburg, demonstriert an einer Puppe die Intubation mit der Videofunktion: Um dem Patienten in den Rachen zu schauen, muss er sich nicht über ihn beugen.

Mittlerweile habe der Rettungsdienst Bayern für alle Notarzt-Einsatzfahrzeuge im Freistaat Video-Laryngoskope beschafft, berichtete Graf. Sie würden nicht nur eine höhere Sicherheit für den Patienten ermöglichen, sondern auch einen größeren Abstand des medizinischen Personals zum Patienten. Das Risiko einer möglichen Ansteckung werde reduziert. „Aus Italien weiß man, dass die höchste Ansteckungsgefahr für die Leute besteht, die sehr nah am Rachen eines infizierten Menschen waren“, erklärte Graf.

Das Rettungszentrum Regensburg spendete nun zusätzlich 17 Video-Laryngoskope speziell für den ostbayerischen Rettungsdienst. Vertreter der Malteser, der Johanniter und des Bayerischen Roten Kreuzes nahmen die hochmodernen Geräte entgegen. Die Rettungsdienste werden sie intern weiter verteilen – im gesamten ostbayerischen Gebiet von Passau bis Tirschenreuth und von Cham bis Amberg. Besonders sollen sie in Rettungsdienstfahrzeugen in Regionen eingesetzt werden, die nicht in unmittelbarer Nähe eines Notarztstandortes sind, erklärte Graf. „Damit soll garantiert werden, dass auch diese Notärzte und Rettungsdienstmitarbeiter auf das Hilfsmittel besonders bei Covid-verdächtigen Patienten zurückgreifen können.“ Sie sollen ebenfalls optimale Arbeitsbedingungen und maximale Sicherheit für sich selbst zu haben.

Beschafft hat die 17 Geräte, die pro Stück knapp 2000 Euro kosten, das Rettungszentrum Regensburg mit Hilfe von Spenden und aus Eigenmitteln. Graf geht davon aus, dass sich die Geräte auch nach der Corona-Pandemie im Rettungsdienst durchsetzen werden. Eine Intubation sei immer dann nötig, wenn ein Patient Schwierigkeiten hat, Luft zu bekommen. Das könne auch durch Verletzungen bei einem Unfall passieren. Die Video-Laryngoskopen seien – nach einer Schulung – für die Einsatzkräfte generell leichter zu handhaben als die bisherigen Geräte.

Professor Bernhard Graf (Mitte) und seine Mitstreiter bei der Übergabe der Video-Laryngoskopen an der Uniklinik Regensburg.
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