19.05.2018 - 16:00 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Lobgesang der Tage Alter Musik

Regensburg. Mit Paukenschlag und Lobgesang starteten am Freitagabend die „Tage Alter Musik“. Concerto Köln und die Domspatzen unter Roland Büchner zeigten sich nicht nur flügge, sondern voll fit für musikalische Höhenflüge.

von Peter K. DonhauserProfil

In der ausverkauften evangelischen Dreieinigkeitskirche steht Felix Mendelssohn-Bartholdy auf dem Programm, Werke des aus einer jüdischen Familie stammenden, protestantisch getauften und christlich erzogenen Komponisten, gesungen vom katholischen Domspatzen-Chor. Möge dieses ökumenische Zeichen Wirkung bis hin zum Bischofsstuhl zeigen. Mit mildem Strich und samtigem Es-Dur-Schimmer leiten Bässe, Fagott und geteilte Celli die innovativ konzipierte Choralkantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (WoO 5) ein. Welch treffender, mit meditativer Suggestion gestalteter Einstieg in das Festival angesichts einer von Krisenherden durchsetzten Welt.

In den ersten drei instrumentalen Teilen der Symphonie-Kantate Nr. 2 B-Dur op. 52 „Lobgesang“ entfaltet Concerto Köln (Konzertmeister: Markus Hoffmann) seine besonderen Qualitäten: Mit dezent-sonorem Glanz eröffnet die Fanfare der drei Posaunen, das weiche, nie knallige Blech integriert sich bestechend mit dem farbenreichen dezenten Holz, die Streicher zeigen mit ausgefeilter Bogenkunst und gezielt eingesetztem Vibrato, wie faszinierend romantisch-expressiv Darmsaiten klingen können.

Als könnte es nicht anders sein wird sich bei den Vokalpartien eine perfekte Balance einstellen, ein stimmliches Forcieren erübrigt sich. Für die Ziselierung feinster Finessen klarer Durchhörbarkeit scheinen manchmal probenzeitliche Grenzen auf. Die Domspatzen meistern die durchaus anspruchsvollen Chorpartien mit bester Kondition, sicherer Intonation (6-stimmiger A-capella-Choral), Tenöre und Bässe voll jugendlicher Strahlkraft, weich, füllig und doch durchschlagskräftig Sopran- und Alt-isten. Büchner hat den Chor zu Hochform geführt.

In bester Kantaten-Gesang-Tradition, fern jeder opernhaften Attitüde der schlank und klar intonierende Tenor Werner Gura und die berührend erzählende Sopranistin Miriam Alexandra. Alle Achtung vor der coolen Duo-Leistung des Knabensoprans Leon Deget mit der Profi-Sängerin. Büchner zielt charismatisch inspirierend, gern zügig voran drängend, ohne allzu viel Federlesens mit Rubato und Übergängen auf den Schlusssatz hin: „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“ Die Botschaft kommt an: Langer, stimmgewaltig sekundierter Applaus.


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