07.04.2020 - 13:06 Uhr
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Lyriker Albert von Schirnding wird 85

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Gäste zum 85. Geburtstag einladen? Damit wird es in Coronazeiten wohl nichts. Allein ist der Lyriker Albert von Schirnding trotzdem nicht: Er hat Weggefährten um sich, denen er jetzt auch ein Buch gewidmet hat.

Albert von Schirnding wird in schwierigen Zeiten 85 Jahre alt.
von Anke SchäferProfil

Die Geister, die der Lyriker, Essayist und Literaturkritiker für diesen persönlichen Kanon rief, will er nicht loswerden. Im Gegenteil, mit der „Galerie der guten Geister“ möchte er seine literarischen, musikalischen und philosophischen Lebensbegleiter teilen. Im Reigen der 70 Auserwählten finden sich aber auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. oder die Opernsängerin Waltraud Meier. Warum Annette von Droste-Hülshoff am Geburtstags-Gründonnerstag einen besonderen Platz einnehmen wird, erzählt Albert von Schirnding im Interview:

ONETZ: Herr von Schirnding, inwieweit hat Ihnen Ihr belesenes und literarisch interessiertes Elternhaus diese sprichwörtliche „Be-Geister-ung“ in die Wiege gelegt?

Albert von Schirnding: Mein Vater war primär wirtschaftlich interessiert. Im übrigen war er ganz aufs Praktische ausgerichtet: Er schnitzte, fischte in der Donau, jagte in den Taxiswäldern, bestellte meisterhaft einen großen Garten, machte mit 70 noch einmal das goldene Sportabzeichen. Alles Talente, die mir abgingen. Literatur bedeutete ihm wenig. Die Bücher im nicht sehr großen Bücherschrank zu Hause stammten von der Mutter. Aber die Literatur stand nicht wie sehr früh bei mir im Mittelpunkt ihres Lebens. Die "Geister" habe ich also fast alle mit eigener Stimme gerufen.

ONETZ: Sie hatten auch bereits in jungen Jahren die Chance, Dichter kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Wie wertvoll war diese Gelegenheit für Ihre weitere Karriere?

Albert von Schirnding: Zwischen meinem 16. und 20. Lebensjahr schickte ich meine Gedichte an sehr viele Autoren, die damals berühmt waren: Georg Britting, Werner Bergengruen, Hans Carossa, lna Seidel, Wilhelm Lehmann, Erhart (nicht: Erich) Kästner, Günter Eich, um nur die wichtigsten zu nennen. Das Erstaunliche war, daß sie alle antworteten. Manche habe ich dann auch persönlich kennengelernt. Ich will in meinem Fall nicht von "Karriere" sprechen. Aber sie haben mich geleitet, begleitet, gefördert. Die wichtigste "Figur" in diesem Zusammenhang ist Ernst Jünger, bei dem ich in meiner Studentenzeit während der Semesterferien als "Adlatus" fungierte.

ONETZ: Kommen wir zu den insgesamt 70 „guten Geistern“: Was hat den Impuls gegeben, eine solch illustre und sehr private Zusammenzustellung zu veröffentlichen?

Albert von Schirnding: Der Impuls war das Verlangen, mir selbst Rechenschaft davon zu geben, was die Dichter, Philosophen, Komponisten etc., mit denen ich mich Jahrzehnte hindurch beschäftigt hatte, mir am Ende meines Lebens noch zu sagen haben. Man kann bei solchen Zusammenstellungen nur vom Persönlichen ausgehen und hoffen, dass die Leser einiges wiedererkennen, anderes entdecken. Oder in einer "Parallelaktion" ihre eigenen guten Geister versammeln.

ONETZ: Und wie viel Kopfzerbrechen hat die Auswahl aus einem sicherlich noch weitaus größeren Fundus bereitet?

Albert von Schirnding: Kein Kopfzerbrechen; die "Geister" stellten sich fast alle von selber ein. Ein Problem war nur, daß ich schon in anderen Büchern über manche ausführlich geschrieben hatte. In diesem Fall mußte ich mich kurz fassen.

ONETZ: Neben diversen publizistischen Tätigkeiten haben Sie ja auch als Gymnasiallehrer Ihre Begeisterung für Literatur weitergegeben. Hatten und haben Sie irgendeinen besonderen Kniff, um der jungen Generation die alten Meister schmackhaft zu machen?

Albert von Schirnding: Es gibt da keinen "Kniff', weil Jugendliche den sofort durchschauen würden. Das einzige Mittel besteht darin, die Schüler mit der eigenen Begeisterung anzustecken.

ONETZ: Eine Ihrer frühen Berufsstationen war auch Weiden. Welche Erinnerungen sind Ihnen an diesen Teil der Oberpfalz geblieben?

Albert von Schirnding: An das Jahr als Referendar in Weiden habe ich nur die besten Erinnerungen. Der Sommer 1959 war ja ein Jahrhundertsommer; ich lag viel am Ufer der Naab. Von Weiden aus lernte ich die Oberpfalz kennen und lieben: Nabburg, Schwandorf, Amberg, Tirschenreuth, Waldsassen. Außerdem ist Weiden die Geburtsstadt meines Vaters.

ONETZ: Am 9. April feiern Sie Ihren 85. Geburtstag. Welchen Ihrer guten Geister würden Sie besonders gerne an Ihrer Festtafel begrüßen?

Albert von Schirnding: Es wird am 9. April wegen des Corona-Virus keine "Festtafel" gerichtet sein. Es ist der Gründonnerstag, und es gibt ein wunderbares Gründonnerstag-Gedicht der größten deutschen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Das werde ich mir neben ein paar anderen Lieblingsgedichten vorlesen.

Info:

Zum Buch

Das Buch „Die Galerie der guten Geister - Von Sappho bis Beckett“, 136 Seiten, Hardcover, ist im Verlag C.H.Beck erschienen und kostet 20 Euro.

Info:

Zur Person

Der Lyriker, Erzähler, Essayist und Literaturkritiker Albert von Schirnding wurde am 9. April 1935 in Regensburg geboren. Er hat Klassische Philologie studiert und unterrichtete von 1965 bis 1998 als Gymnasiallehrer in München. Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen der Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay, der Schwabinger Kunstpreis, der Kulturpreis der Stadt Regensburg und der Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Albert von Schirnding lebt auf Schloss Harmating in der Gemeinde Egling.

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