15.03.2019 - 18:00 Uhr
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Meister als Zeichen der Qualität

In vielen Berufen können sich Handwerker seit 2004 auch ohne Meisterprüfung selbstständig machen. Das könnte sich bald ändern. Ein Schritt, den die Oberpfälzer Handwerkskammer befürworten würde.

Ein Fliesenleger bei der Arbeit. Aktuell wird die Wiedereinführung der Meisterpflicht für einige Handwerksberufe diskutiert.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Der Bundesrat hat sich für die Rückkehr zur Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen ausgesprochen. Es ist ein Wunsch, den auch die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz unterstützt. "Wir hoffen, dass dadurch wieder mehr ausgebildet wird", sagt Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. Denn die aktuelle Problematik des Nachwuchsmangels bei Fachkräften sei "hausgemacht": Mit der Handwerksnovelle 2004 wurden 53 von damals 91 meisterpflichtigen Handswerksberufen vom Meisterzwang befreit. Und ohne Meister kann nicht ausgebildet werden. "Die damalige rot-grüne Regierung wollte dadurch für mehr Wettbewerb sorgen", fährt Kilger fort. Heute wisse man aber: "Das hat nicht funktioniert und ging zudem zulasten der Ausbildung."

Kilger sagt aber auch, dass noch nicht klar ist, wie viele der 53 Handwerksberufe am Ende tatsächlich zur Meisterpflicht zurückkehren. "Aktuell geht es ja vor allem um Fliesenleger, Parkettleger und Raumausstatter." Der nächste Schritt sei nun, dass die Vertreter der einzelnen Berufe in Anhörungen erklären, warum sie zur Meisterpflicht zurückkehren wollen - oder eben nicht.

Letzteres sei aber eher unwahrscheinlich. Die meisten Handwerker stünden dem Meisterzwang grundsätzlich positiv gegenüber, sagt Kilger. Die Betriebe und Berufsgruppen, mit denen er in der Vergangenheit zu tun gehabt habe, hätten sich sehr deutlich für eine Rückkehr zu dieser Pflicht ausgesprochen.

Dieser Ansicht ist auch Fliesenleger Bernhard Schöppl aus Amberg. Sein Beruf ist seit der Handwerksnovelle 2004 zulassungsfrei. Schöppl hat seinen Meister zwar bereits davor gemacht - als es noch eine Pflicht dazu gab - hätte sich aber auch nach 2004 dafür entschieden. Sein Sohn hat die Meisterprüfung im vergangenen Jahr abgelegt. "Der Meisterbrief ist ein Qualitätsmerkmal." Die Zahl der Fliesenleger habe nach 2004 deutlich zugenommen. Allein in Amberg sind die Betriebe von früher fünf bis sieben auf fast 60 gestiegen. Natürlich seien darunter viele, die "vom Fliesenlegen keine Ahnung haben", sagt Schöppl. Das Bodenverlegen selbst funktioniere zwar meist, bei komplizierteren Arbeiten - zum Beispiel in Zusammenhang mit bodentiefen Duschen im Bad - gebe es dann Probleme. Vielen fehle es am Grundwissen. "Da ist der Schaden vorprogrammiert." Schöppl betont aber auch, dass es wichtig sei, sich bei einer Rückkehr zur Meisterpflicht Gedanken zu einer Übergangsregelung zu machen. Denn nicht jeder Handwerker ohne Meister sei ein schlechter.

Maurermeister Werner Ott aus Neusorg im Landkreis Tirschenreuth, der auch Obermeister der Bauinnung ist, ist seit fast 40 Jahren selbstständig. Er spricht einen weiteren Punkt an: "Handwerk ist mehr als nur das Praktische." Vielmehr gehe es auch um den richtigen Umgang mit Verträgen oder der Gewährleistungspflicht. "Man muss, um bestehen zu können, bestimmte Kenntnisse haben. Ein ordentlicher Betrieb setzt auch voraus, dass man kaufmännisch und organisatorisch gut aufgestellt ist. Das lernt man auf der Meisterschule."

Für Ott ist die Abschaffung der Meisterpflicht eine der "größten politischen Schandtaten unter der rot-grünen Regierung". Er betont aber auch, dass es ihm nicht grundsätzlich darum gehe, die Zahl der Betriebe zu beschränken. "Wenn jemand in der Nachbarschaft einen neuen Betrieb aufmachen möchte, habe ich nichts dagegen. So lange sich derjenige an die Spielregeln hält. Dafür braucht es den Meister." Er habe täglich mit Schäden anderer zu tun und deswegen ein Problem mit Betrieben, "die Schäden hinterlassen und dann verschwinden."

Betriebe in der Oberpfalz:

In der Oberpfalz gab es laut Handwerkskammer bis Ende des vergangenen Jahres 10 246 Handwerksbetriebe in der Kategorie "Gewerbe als zulassungspflichtiges Handwerk", also Berufe mit Meisterpflicht. Im Bereich der "zulassungsfreien Handwerke und handwerksähnlichen Gewerbe", also der Berufe ohne Meisterpflicht, waren es zum 31. Dezember 2018 insgesamt 6382 Betriebe.

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