20.09.2020 - 15:37 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Mordprozess muss neu aufgerollt werden

Der Bundesgerichtshof hebt ein Urteil des Schwurgerichts Regensburg auf - jetzt muss ein 51-Jähriger noch einmal auf die Anklagebank. Er soll einen Bekannten hinterrücks erstochen haben.

Der Bundesgerichtshof lässt einen Mordprozess in Regensburg noch einmal aufrollen.
von Autor AHSProfil

Ab Dienstag muss sich ein 51-jähriger Produktionshelfer erneut vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg verantworten. Er war im Februar vergangenen Jahres wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob dieses Urteil auf und verwies das Verfahren im Juli 2019 an ein anderes Schwurgericht des Landgerichts Regensburg zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung zurück. Laut BGH hält das ursprüngliche Urteil aus Regensburg einer "sachlich-rechtlichen Nachprüfung nicht stand". Die Täterschaft des Angeklagten sei "nicht tragfähig belegt", so der BGH. Unter anderem sei die Widersprüchlichkeit der Aussagen einer Zeugin nicht ausreichend gewürdigt worden. Für den neuerlichen Prozess sind zwölf Verhandlungstage angesetzt.

In der Tatnacht waren fünf Frauen und Männer zu Gast beim Angeklagten in dessen Wohnung im Landkreis Kelheim. Es wurde eine erhebliche Menge Alkohol konsumiert und getanzt. Dem Anklagesatz zu Folge soll der Angeklagte einen Gast zur Seite genommen haben. Im Schlafzimmer zeigte er sich sehr erregt über herablassende Worte zum Tod eines Kumpels. Auch erzählte er davon, dass er den Auftrag habe, zwei der anwesenden Frauen zu töten. Als die beiden ins Wohnzimmer zurück kehrten saß das spätere Opfer auf einem Hocker, dem Stammplatz des Angeklagten, mit Blickrichtung zur Wand. Der Angeklagte nahm ein Küchenmesser mit einer Schaftlänge von zwölf Zentimetern und ging hinter dem Rücken des ahnungslosen Geschädigten auf diesen zu und rammte ihm das Messer in den Hals.

Der Geschädigte erlitt einen elf Zentimeter tiefen Einstich am Übergang der Halsseite zum Nacken, wobei ein Eintritt der Klinge in den Rückenmarkskanal wischen den Wirbelbögen des fünften und sechsten Halswirbel erfolgte. Dabei wurden die harten und weichen Rückenmarkshäute, sowie das Rückenmark durchsetzt. Der Geschädigte verstarb binnen weniger Minuten an einem zentralen Regulierungsversagen in Verbindung mit einer Luftembolie. Eine beim Angeklagten etwa vier Stunden später durchgeführte Atemalkoholkontrolle zeigte einen Wert von rund 1,6 Promille. Zwei Tage nach der Tat wurde der Angeklagte in Untersuchungshaft genommen, wo er bis heute einsitzt.

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