26.11.2018 - 16:50 Uhr
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Oberpfälzer Autobranche am Scheideweg

Elektroantrieb und autonomes Fahren: Zulieferer müssen sich auf neue Entwicklungen einstellen

Hermann Brandl, VBW-Bezirksgeschäftsführer (rechts), und Ferdinand Heindlmeier, Geschäftsführer der Roding Automotive GmbH, blickten auf die künftigen Herausforderungen für die Oberpfälzer Automobilindustrie.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Automobilbranche ist im Umbruch. Das spüren auch die Hersteller und Zulieferer in der Oberpfalz. Sie müssen sich auf den Wandel einstellen, den insbesondere der Umstieg auf den Elektroantrieb und das autonome Fahren mit sich bringen.

Jeder 15. Arbeitsplatz hängt in Bayern von der Automotive-Industrie ab. Das betonte Hermann Brandl, Bezirksgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), am Montag bei einem Pressegespräch in Vertretung des kurzfristig verhinderten Thomas Ebenhöch, VBW-Vorstandsvorsitzender im Bezirk und Werkleiter von Continental Regensburg. Demnach wird der Verbrennungsmotor in den nächsten zehn Jahren noch eine gewichtige Rolle spielen, dann aber von der Elektromobilität abgelöst. „Die gute Nachricht ist, dass die bayerische Automobilindustrie in beiden Technologien gut aufgestellt ist.“ Gleichzeitig würden automatisierte und autonome Fahrfunktionen wichtiger werden. Nicht zuletzt ändere sich schlicht die Nachfrage nach Autos. Eine neue Generation von Fahrern setze zunehmend auf Angebote wie Carsharing-Modelle.

Ebenhöch rechnet für 2030 mit einem Marktanteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in Höhe von 40 Prozent. Batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge werden dann wohl einen Anteil von 21 Prozent haben, der Rest entfällt auf Hybridfahrzeuge. Die Erkenntnisse stammen aus zwei aktuellen VBW-Studien. Ebenhöch fordert in diesem Zusammenhang, die „Dieseldebatte zu beenden“. Fahrverbote würden oft zu langen Umwegen und einer insgesamt höheren Schadstoffbelastung führen. Die Kohlenstoffdioxid-Ziele der EU seien „überambitioniert“ und würden die europäische Automobilindustrie zu stark belasten.

Die Oberpfalz bezeichnet Ebenhöch als „starken Automobilstandort“. Sie liege auf Platz vier der bayerischen Regierungsbezirke im Automobil- und Zuliefererbereich. 34 Betriebe und über 17 300 Mitarbeiter seien im Bezirk mit der Herstellung von Kraftwagen und Wagenteilen beschäftigt. Der Umsatz in dem Bereich sei seit 2012 um 14,6 Prozent angestiegen. Eine Bremse sei der Fachkräftemangel: In der Oberpfalz seien derzeit 1100 Stellen aus dem Bereich der Maschinen- und Fahrzeugberufe unbesetzt. Ein weiteres Hemmnis sei die Verkehrsinfrastruktur, die insbesondere im Raum Regensburg an ihre Grenzen komme. „Der dreispurige Ausbau der A3 bei Regensburg ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, wurde Brandl deutlich. Es brauche den Ausbau der A3 bis zur Grenze.

Welche Auswirkungen haben die neuen technologischen Entwicklungen auf die Zulieferer in der Oberpfalz? Da der Elektromotor weniger Einzelteile als der Verbrennungsmotor habe, werden in diesem Bereich Arbeitsplätze wegfallen, räumte Brandl ein. Gleichzeitig sei die Batterien-Technologie sehr komplex, so dass neue Arbeitsplätze entstehen. „Unsere Firmen sind technologisch heftig am Ball“, betonte Brandl. „Daher würde ich für die Oberpfalz hoffen, dass es sich ausgleicht.“

Einer, der die aktuellen Entwicklungen in der Automobilbranche hautnah miterlebt, ist Ferdinand Heindlmeier, Geschäftsführer der Roding Automobile GmbH. Die 60 Mitarbeiter starke Firma ist seit zehn Jahren Entwicklungs- und Fertigungsdienstleister der Autoindustrie. Spezialisiert hat sie sich auf die am meisten nachgefragten Aspekte: alternative Antriebe und autonomes Fahren. „Das Fahrzeug an sich wird sich ändern“, stellte Heindlmeier in Aussicht. Die Entwicklungsprozesse würden immer schneller. Natürlich müssten sich die Zulieferer hier anpassen. Eine Firma, die nur ein Teil für den Verbrennungsmotor herstellt, müsse sich zwangsläufig neu aufstellen.

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