08.04.2020 - 07:30 Uhr
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Ostern in der Coronakrise: Die Kirche wird erfinderisch

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Es werden ungewöhnliche Osterfeiertage. Sämtliche Gottesdienste finden in Zeiten von Corona ohne Kirchenbesucher statt. Wir haben mit Generalvikar Michael Fuchs darüber gesprochen, wie die Kirche den Kontakt zu den Gläubigen halten kann.

Michael Fuchs, Generalvikar im Bistum Regensburg. (Archivbild)
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

ONETZ: Herr Generalvikar Fuchs, das Osterfest steht an und die Kirchen müssen leer bleiben. Wie fühlt sich das für Sie an?

Generalvikar Michael Fuchs:: Furchtbar. Mich bedrückt die Vorstellung, dass die Gläubigen die Glocken hören, aber nicht in die Kirche gehen können, obwohl sie das gerade zu Ostern gerne tun würden, um gemeinsam zu beten und Auferstehungslieder zu singen. Für die Priester ist es mindestens ebenso beklemmend, vor einer leeren Kirche zu stehen. Aber so sind nun mal die Vorgaben und wir wollen dabei unterstützen, wenn es darum geht, dieses Virus zu besiegen.

ONETZ: Wie kann die Kirche im Kontakt mit den Gläubigen bleiben?

Michael Fuchs: Ich staune, wie viel sich die Pfarreien einfallen lassen, um den Kontakt zu halten. Vieles läuft jetzt über das Internet und soziale Medien. Aber es gibt auch ganz analoge Ideen, zum Beispiel die Verteilung von Handzetteln in Briefkästen mit kleinen Botschaften und Anregungen zum Gebet darauf. Oder Initiativen, dass man einen Palmbuschen bindet und am Kirchplatz frei zum Mitnehmen anbietet.

ONETZ: Muss die Kirche neue Wege einschlagen und zum Beispiel Auto-Gottesdienste erwägen?

Michael Fuchs: Die Idee fand ich zunächst sehr sympathisch. Doch beim gemeinsamen Nachdenken im Ordinariat wurde klar, dass das schwierig wird. Für die Vorbereitung müssten viele Menschen zusammenkommen. Außerdem ist fraglich, ob der Infektionsschutz bei nebeneinander geparkten Autos mit geöffneten Fenstern gewahrt werden könnte.

ONETZ: Die Gottesdienste im Regensburger Dom werden per Live-Stream übertragen. Wie wird das Angebot angenommen?

Michael Fuchs: So viele Leute, wie das nutzen, würden wir im Dom mit seinen 2000 Sitzen nie unterbringen. Allein übers Internet gab es am vergangenen Sonntag über 6000 Zugriffe, bei der Fernsehübertragung des lokalen Senders TVA war die Zahl sicher noch höher. Das ist sehr erfreulich. Gottesdienste werden teils auch in den Pfarreien live gestreamt oder aufgenommen und vom Pfarrer als Video auf Facebook eingestellt. Da entsteht ein neues Wir-Gefühl.

ONETZ: Ein altmodischeres Mittel nutzen die katholischen und evangelischen Kirchen am Ostersonntag: Mittags um 12 Uhr sollen alle Kirchenglocken eine Viertelstunde läuten.

Michael Fuchs: Das Glockenläuten ist eine alte Osterbotschaft. Am Gründonnerstag zum Leiden Jesu verschwinden die Glocken, am Karfreitag bleiben sie stumm, in der Nacht auf Ostersonntag läuten die Glocken zum Gloria als Zeichen der Auferstehung. Das volle Geläut eine Viertelstunde lang am Ostersonntagmittag ist dann ein wunderschönes Zeichen der Zusammenhörigkeit aller Christen. Solange die Pandemie andauert, wird das Glockenläuten an jedem Sonntagabend um halb acht Uhr Abends wiederholt.

ONETZ: Bestattungen sind derzeit nur im engsten Kreis erlaubt. Was sagen Sie Angehörigen, die sich nicht von einem geliebten verstorbenen Menschen verabschieden können, wie sie es sich wünschen?

Michael Fuchs: Fuchs: Es gehört zu den schmerzhaftesten Dingen, dass man Verstorbene nicht so verabschieden kann, wie wir das gewohnt sind, dass man zusammenkommt. Ich rate dazu, die verbliebenen Angehörigen als Zeichen der Unterstützung und der Solidarität anzurufen und Karten zu schreiben. Wenn es wieder erlaubt ist, werden wir ein großes Requiem für alle Verstorbenen in dieser Zeit feiern und alle Angehörigen einladen.

ONETZ: Auch Taufen und Trauungen sind derzeit nur eingeschränkt möglich.

Michael Fuchs: Wenn die Eltern das wollen, ist eine Taufe in kleinster Form möglich nur mit Eltern, Geschwisterkindern, Kind, Taufpaten und Pfarrer. Natürlich muss ganz besonders auf Abstand geachtet werden. Wir haben das so vorgesehen, dass die Mutter oder der Vater das Wasser über das Kind gießt und der Pfarrer die Taufformel spricht. Bei der Trauung ist es ähnlich. Nur die Brautleute, zwei Trauzeugen, der Priester und vielleicht ein Kirchenmusiker an der Orgel können teilnehmen. Ich schließe nicht aus, dass das ein oder andere Brautpaar, das kein großes Tamtam will, diese Möglichkeit gerne annimmt.

ONETZ: Aus Infektionsschutzgründen soll derzeit von der Beichte im Beichtstuhl abgesehen werden. Gibt es Alternativen?

Michael Fuchs: Wenn ein Gläubiger beichten möchte, ist das Wichtigste, dass er die Sünden nennt, der Priester das hört und im Namen Gottes Vergebung ausspricht. Es spricht nichts dagegen, dass der Beichtende und der Priester in größerem Abstand beide in der Kirche sind. Wenn man sich dann nicht mehr versteht, kann auch ein Handy zu Hilfe genommen werden. Wichtig ist, dass das Beichtgeheimnis gewahrt wird. Das kann bedeuten, dass sonst niemand in der Kirche sein darf.

ONETZ: Welche Botschaft der Hoffnung kann die Kirche den Menschen in diesen Krisenzeiten geben?

Michael Fuchs: Viele Menschen sind verunsichert, ich bin es auch. Aber als gläubige Menschen vertrauen wir darauf, dass es einen über uns gibt, der uns trägt, der uns sieht und annimmt gerade in dieser schwierigen Zeit. Mich freut, mit welch kreativen Initiativen Pfarreien und einzelne Gruppen an diese Krise herangehen. Ich habe von vielen Nachbarschaftshilfen gehört. Eine Schwesterngemeinschaft näht jetzt Gesichtsmasken. Es gibt viele Ideen, mit dieser eigentlich beklemmenden Situation kreativ und hoffnungsfroh umzugehen.

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