23.01.2020 - 18:44 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Pflege: Was kann der Roboter im Praxistest?

An der OTH Regensburg wird erforscht, wie Schlaganfallpatienten zuhause von technisch-digitaler Unterstützung profitieren können. Das ist dem Freistaat viel Geld wert.

OTH-Präsident Wolfgang Baier (von links) und Projektleiter Professor Karsten Weber nahmen den Förderbescheid über 2,5 Millionen Euro aus den Händen von Gesundheitsministerin Melanie Huml und Finanzminister Albert Füracker entgegen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Roboter könnten in der älter werdenden Gesellschaft Aufgaben in der häuslichen Pflege übernehmen. Doch funktioniert das überhaupt? Wie nehmen die Betroffenen die Geräte an? Das soll ein Modellprojekt der OTH Regensburg herausfinden. 100 Tester machen mit.

Gleich zwei bayerische Minister kamen am Donnerstag zur Übergabe eines wertvollen Förderbescheids an die OTH Regensburg. Gesundheitsministerin Melanie Huml und Finanzminister Albert Füracker brachten den Bescheid in Höhe von 2,5 Millionen Euro mit. Mit dem Geld soll in den nächsten vier Jahren das Modellprojekt „Telepräsenzroboter für die Pflege und Unterstützung von Schlaganfallpatienten“ gefördert werden.

„Mein Ziel ist es, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange möglichst selbstständig in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können“, sagte Huml. Der Einsatz moderner Assistenztechnik könne dabei helfen, mehr Sicherheit zu geben und den Alltag zu erleichtern. Das Regensburger Projekt ist Teil des bayerischen Modellvorhabens „DeinHaus 4.0“, das erforscht, wie ein optimales Wohnumfeld für Pflegebedürftige aussieht.

Für das Regensburger Projekt will ein Team um Professor Karsten Weber herausfinden, wie Menschen nach einem Schlaganfall zuhause von technisch-digitaler Unterstützung profitieren können. 100 Probanden sollen dafür je sechs Monate sogenannte Telepräsenzroboter verschiedener Anbieter testen. Dabei handelt es sich um mit Monitoren ausgestattete Systeme, die durch Angehörige oder das Pflegepersonal gesteuert werden können. „Sie können mit dem Patienten sprechen und sind auf dem Monitor sichtbar“, erklärte Weber. Manche Geräte könnten auch die Vitaldaten erfassen und erkennen, wenn ein Patient hilflos auf dem Boden liegt – und dann selbstständig Hilfe holen.

Die Testpersonen wurden noch nicht ausgewählt. Sie sollen Weber zufolge nicht nur aus Regensburg, sondern aus der gesamten Oberpfalz stammen. „Wichtig ist die Frage nach der Akzeptanz durch die Patienten und die Pflegekräfte sowie die Bereitschaft, sich auf die Geräte einzulassen“, sagte Weber. Seiner Erfahrung nach sei die Akzeptanz solcher Geräte oft eher schlecht, weshalb sie dann nicht eingesetzt werden.

Ein besonderes Augenmerk lege das Projekt mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Pflege auf den Einsatz der Technik im ländlichen Raum, um die dortige Versorgungssituation zu erhalten oder zu verbessern. Weber betonte, dass die Roboter zusätzlich zu einer bestehenden Pflegebetreuung erprobt werden. Es gehe nicht um den Ersatz pflegekraftgestützter Rehabilitations- und Therapiemaßnahmen, sondern um zu prüfen, wie sinnvoll technische Unterstützung in der Pflege wirklich ist.

OTH-Präsident Wolfgang Baier sprach von einem „guten Tag für die Oberpfalz“. Das Projekt verankere neue Kompetenzen in einem wichtigen Zukunftsthema in der Region. Möglich werde das durch ein interdisziplinäres Forscherteam und eine intensive Netzwerkarbeit der OTH mit Wirtschaft und Gesellschaft.

„Ein guter Tag für die Oberpfalz“: Die Minister Melanie Huml und Albert Füracker (Zweiter von rechts) im Gespräch mit OTH-Präsident Wolfgang Baier (rechts) und Regierungspräsident Axel Bartelt.

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