14.05.2021 - 15:18 Uhr
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Plädoyers im Trickbetrüger-Prozess: Mittäter oder lediglich letztes Glied in der Kette?

Fünf mal soll sich ein 29-Jähriger im vergangenen Jahr als Polizist ausgegeben und so ältere Frauen aus dem Raum Regensburg um insgesamt 47.000 Euro erleichtert haben. Am Freitag wurden nun die Plädoyers verlesen.

Der Angeklagte hofft auf eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Über sein eigenes Verhalten sei er "noch immer fassungslos".
von Redaktion ONETZProfil

von Michael Bothner

Die begriffliche Unterscheidung zwischen Mittäter (§25 StGB) und Gehilfe (§27 StGB) ist rechtlich eher eine formale. Die strafrechtliche Differenzierung wird in die Hände der Gerichte gelegt. In ihren Plädoyers am Freitagvormittag spielt die Frage der Mittäterschaft aber dann bei Staatsanwalt Stöcker und Rechtsanwalt Christian Reiser eine wichtige Rolle. Vier Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe fordert Stöcker. Der Angeklagte habe sich in vier Fällen klar als Mittäter einer Trickbetrügerbande und lediglich in einem Fall der Beihilfe Schuldig gemacht. Der Verteidiger geht hingegen in allen Fällen von einer Beihilfe aus. Die Forderung von vier Jahren und drei Monaten unterscheidet sich aber nur geringfügig von der der Staatsanwaltschaft und war so auch zu erwarten.

Am Dienstag hatten sich die 8. Strafkammer des Landgericht Regensburg, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in einem Rechtsgespräch auf einen möglichen Strafrahmen verständigt. An dessen Ränder orientieren sich dann die Plädoyers. Bedingung war ein umfangreiches Geständnis des Beschuldigten. Dieser räumte zu Prozessbeginn ein, zwischen dem 29. September und dem 25. November 2020 Teil einer Trickbetrügerbande gewesen zu sein. Seine Rolle sei es gewesen, sich als falscher Polizist auszugeben und von den Opfern höhere Bargeldbeträge - in einem Fall sollen es 34.000 Euro gewesen sein - oder auch Schmuck entgegenzunehmen.

Was genau er jeweils abholen solle, welche Identität er trage und die konkreten Abläufe seien ihm jeweils erst kurz vor der eigentlichen Tat telefonisch oder per Nachricht mitgeteilt worden. Genau hierin sieht sein Verteidiger wichtige Hinweise, die gegen eine Mittäterschaft sprechen würden. "Mein Mandant hat sich in einem ganz kleinen, engen Korridor bewegt. Das was ihm angewiesen wurde hat er befolgt." Einfluss auf die Abwicklung und das Vorgehen habe der 29-Jährige nicht gehabt. Dafür seien die tatsächlichen Strippenzieher verantwortlich gewesen, die er gar nicht gekannt habe. Staatsanwalt Stöcker sieht in dem Angeklagten hingegen einen wichtigen "Dominostein". "Ohne ihn wäre das ganze Vorhaben zusammengebrochen." Lediglich im ersten Fall könne davon ausgegangen werden, dass er noch nicht genau gewusst habe, wie die konkreten Abläufe waren. Deshalb sei hier von einer Beihilfe auszugehen.

Für den Angeklagten dürfte die Frage einer Mittäterschaft am Ende nebensächlich sein. Die in beiden Plädoyers geforderte Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach §64 StGB ist sein zentrales Anliegen gewesen. Auch die psychiatrische Gutachterin Dr. Pasko sieht eine stationäre, knapp zweijährige Behandlung der Drogensucht als wichtiges Mittel an. Es ist davon auszugehen, dass das Gericht in seinem Urteil am kommenden Freitag diesem Antrag nachkommen wird.

Falscher Polizist vor Gericht

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