07.09.2021 - 17:33 Uhr
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Siebenjährige kämpft gegen Leukämie

Sienna Rittler ist eine kleine Kämpferin: Seit bei der Siebenjährigen Leukämie festgestellt wurde, ist sie an der Kinder-Uniklinik Regensburg in Behandlung. Nun beendete sie mit einem symbolischen Gongschlag die Intensivtherapie.

Mit drei kräftigen Gongschlägen beendete Sienna Rittler symbolisch ihre Intensivtherapie an der Kinder-Uniklinik Regensburg. Mama Julia Rittler hielt den Gong.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Drei Mal schlug Sienna, die mit ihren Eltern und ihrer 15-jährigen Schwester in Neutraubling (Kreis Regensburg) lebt, den Gong, laut und kräftig. Der Klang hallte durch die Station und soll den anderen jungen Patienten Mut machen: Da hat es jemand geschafft, dann schaffe ich es auch. Ein paar Stunden zuvor war Sienna der Hickman-Katheter, „Hicki“ genannt, herausoperiert worden, über den in den vergangenen Monaten Chemotherapien, Infusionen oder auch Blutabnahmen liefen. Der Eingriff steht für das Ende der Intensivtherapie. An der Kinder-Uniklinik Ostbayern (Kuno) dürfen die jungen Patienten dann den symbolischen Gong schlagen.

Siennas Krankengeschichte begann am Nikolaustag 2020. Sie hatte plötzlich Knochenschmerzen und hohes Fieber, konnte nicht mehr laufen. Ihre Familie rief den Notarzt, der das damals sechsjährige Mädchen in die Hedwigsklinik brachte. Dort bekam sie Antibiotika, Blut wurde abgenommen. Nach zwei Tagen kam die Diagnose: Leukämie. „Wir waren alle geschockt“, sagt Siennas Mama Julia Rittler. Zeit zum Innehalten gab es nicht viel. „Man muss funktionieren.“ Schon einmal musste die Familie kämpfen: Als Sienna ein Jahr alt war, war ein Hirntumor bei ihr festgestellt worden – der erfolgreich operiert werden konnte.

Nach der Diagnose Leukämie wurde Sienna in die Kuno-Klinik verlegt, wo sie bis Weihnachten 2020 stationär behandelt wurde. Dort gab es erstmal gute Neuigkeiten. Bei der Art von Leukämie, unter der Sienna leidet, ist die Heilungschance groß. Das Mädchen bekam den „Hicki“-Katheter gelegt, über den ihr Kortison sowie weitere Medikamente verabreicht wurden. Das Kortison rief bei Sienna starke Nebenwirkungen hervor. Ihr Bauch wurde dick, die Arme und Beine dünn, dazu kamen extreme Stimmungsschwankungen bei dem sonst so fröhlichen Mädchen. Zusätzlich musste Sienna viele Tabletten schlucken, was ihr anfangs schwerfiel. Auch den Pflasterwechsel am Hicki mochte sie nicht.

Es waren schwierige Zeiten, in denen die Familie viel Hilfe im onkologischen Team der Kinder-Uniklinik fand. „Die Schwestern haben Sienna beim Pflasterwechsel gut zugeredet, ihr das Pflaster sogar in Herzform geschnitten, damit es hübscher aussieht“, erzählt Julia Rittler. Der Katheter sei letztlich für die Kinder eine große Erleichterung, weil sie für Blutabnahmen und Infusionen während der gesamten Behandlungsphase nicht mehr gepiekst werden müssen.

Nach einer Woche begann die erste Chemotherapie, die Sienna gut vertrug. Nach Weihnachten wurde das Mädchen weiter ambulant behandelt. Für die verschiedenen Chemotherapien kam sie entweder in die Tagesklinik oder ein paar Tage stationär in die Klinik. In diesen Zeiten war ihre Mama Julia Rittler froh, im Elternhaus des Vereins zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder (VKKK) Ostbayern übernachten zu können. Noch lieber hätte sie bei Sienna im Zimmer geschlafen, doch das war aus Platzgründen nicht immer möglich. Sie durfte aber immer bei ihrer Tochter bleiben, bis diese eingeschlafen war. Im Elternhaus knüpfte Julia Rittler auch Kontakt zu anderen Müttern und Vätern, der Austausch tat gut.

Begeistert ist Julia Rittler bis heute vom Engagement der Ärzte und Pfleger. „Sie waren alle wahnsinnig empathisch und nett“, erzählt die Mutter. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit hatten sie ein offenes Ohr.“ Und, das vielleicht größte Kompliment: „Auch wenn es komisch klingt, Sienna ist immer sehr gerne in die Klinik gegangen.“ Das lag auch an den Angeboten, die dort gemacht werden. Sienna durfte eine Kette aus „Mutperlen“ knüpfen – für jede Behandlung durfte sie eine Perle auffädeln. Sie bekam Besuch von der VKKK-Wunschfee, die die ersehnte riesige Playmobil-Prinzessin brachte. Im großen Spielzimmer bastelte und malte Sienna gerne mit Erzieherin Katharina.

Dass sie nach der Intensivtherapie nun ohne Katheter leben kann, ist für Sienna eine große Erleichterung. Sie kann wieder ins Schwimmbad und Trampolin springen gehen. Und auch wenn Sienna weiter Tabletten schlucken und alle zwei Wochen zur Blutabnahme muss, braucht die Familie nicht mehr ganz so vorsichtig sein wie in den vergangenen Monaten. Während der Intensivtherapie müssen die Kinder stark auf ihre Gesundheit achten, jeder Schnupfen kann sie in die Klinik bringen, weil ihr Immunsystem geschwächt ist. Nun darf Sienna am 14. September als stolze Erstklässlerin in die Schule starten, mit Schultüte und allem Drumherum.

Mama Julia Rittler möchte anderen betroffenen Familien Mut machen. Die Diagnose Leukämie sei zunächst niederschmetternd, aber in vielen Fällen sei die Krankheit heilbar. „Die Zeit war hart, aber schaffbar.“ Und sie hat in Sienna einen Berufswunsch geweckt: Das Mädchen möchte Ärztin werden – und später Kinder heilen.

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Hintergrund:

Kinder-Uniklinik Regensburg

  • Das Uniklinikum Regensburg war als medizinischer Höchstversorger Ostbayerns Anfang der 90er-Jahre ohne Kinderheilkunde eröffnet worden. Familien mussten bei schweren Erkrankungen der Kinder noch immer weite Wege zu Spezialhäusern auf sich nehmen.
  • Die Stiftung „Kinder-Uniklinik für Ostbayern“ (Kuno) begann 2004 Spendengelder zu sammeln. Die Beteiligung war überwältigend. Es folgte die Zusage aus der bayerischen Staatsregierung, in das Projekt einzusteigen.
  • In sechs Jahren wurden Planung, Finanzierung und Bau durchgezogen: 2010 wurden die Kuno-Kliniken an zwei Standorten eröffnet, in der Hedwigsklinik und in einem neu errichteten Gebäude am Uniklinikum.
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