07.01.2020 - 18:49 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Vorwurf des "versuchten Mordes" gegen Amberger ist vom Tisch

Ein 52-Jähriger rast auf Polizisten in Straubing zu: Das Gericht sieht keine Tötungsabsicht bei einem Monteur aus Amberg. Am Freitag werden die Plädoyers am Regensburger Gericht erwartet.

Der Angeklagte (rechts) steht im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg neben seinem Verteidiger Sebastian Gaßmann.
von Autor AHSProfil

(ahs/dpa) Ein Prozess um einen versuchten Doppelmord an zwei Polizisten bei einer Verkehrskontrolle könnte für den Angeklagten deutlich glimpflicher ausgehen als erwartet. Das Landgericht Regensburg gab am Dienstag einen Hinweis, dass es nach einer Ortsbesichtigung keine Tötungsabsicht erkenne, sondern von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit einem gefährlichen Werkzeug ausgehe. Das hätte eine niedrigere Strafe zur Folge. Die Staatsanwaltschaft hatte den 51-Jährigen wegen zweifachen versuchten Mordes angeklagt.

Der Angeklagte darf aus dem Gefängnis

Amberg

Der Amberger soll im Mai 2019 in Straubing mit hoher Geschwindigkeit auf zwei auf der Straße stehende Polizisten zugefahren zu sein. Mit der Tat habe er sich der Kontrolle entziehen wollen - weil ihm die Fahrerlaubnis fehlte. Die Beamten konnten sich nur durch einen Sprung zur Seite retten. Laut Anklage nahm der Fahrer zumindest billigend in Kauf, dass die Polizisten hätten sterben können. Die beiden Beamten treten als Nebenkläger auf. Am Freitag soll ein Rechtsmediziner noch Auskunft über möglichen Einfluss von Alkohol und Drogen geben. Danach sind die Plädoyers geplant.

Der 52-jähriger Monteur aus Amberg war am 1. Mai zu mitternächtlicher Stunde auf der Straubinger Westtangente unterwegs, als er von zwei Polizeibeamten zu einer Kontrolle heraus gewunken wurde. Den Aussagen der beiden Beamte zufolge habe er sich mit hoher Geschwindigkeit dem Kontrollpunkt genähert. Zunächst habe er abgebremst um dann wieder Gas zu geben und sei auf die Beamten zugefahren. Diese haben sich nur mit einem Sprung zur Seite retten können. Daraufhin verfolgten sie das Fahrzeug und konnten den Angeklagten auf einem Hof stellen. Zur Tatzeit war er mit knapp 0,8 Promille unterwegs, was jedoch nicht Gegenstand des Prozesses ist.

Die Staatsanwaltschaft wertete das Verhalten des Fahrers als versuchten Mord in zwei tateinheitlichen Fällen mit vorsätzlicher Gefährdung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte mit Fahren ohne Fahrerlaubnis. Daraufhin wurde der Angeklagte zwei Monate später in Untersuchungshaft genommen und muss sich seit Mitte Dezember letzten Jahres vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Michael Hammer verantworten.

Dem am Dienstag gegebenen rechtlichen Hinweis zufolge komme eine Verurteilung wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte mit einem gefährlichen Werkzeug sowie ein tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte in Betracht. Anschließend erstattete ein Sachverständiger annähernd zweieinhalb Stunden lang sein mit mathematischen Formeln gespicktes Gutachten. Unterm Strich kam er zu dem Ergebnis, dass der Kontrollpunkt für den Angeklagten aus einer Entfernung von 40 bis 45 Metern erkennbar war. "Auch eine Hausfrau hätte ohne Vollbremsung zum Stehen kommen können". Der Angeklagte aber habe Gas gegeben.

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