22.08.2018 - 16:37 Uhr
RegenstaufDeutschland & Welt

Hype um lila Scheine

Ansichtskarten, Schneekugeln, Edelsteine: Alles überholt. Bei Sammlern begehrt sind heute 0-Euro-Souvenirscheine. Davon kann einer auch mal 900 Euro kosten.

Der 0-Euro-Souvenirschein „Welterbe-Kulturfonds-Regensburg“ mit der Steinernen Brücke und dem Dom St. Peter auf der Vorderseite war nach einem Tag vergriffen.
von Anke SchäferProfil

Die 2015 in Frankreich entstandene Idee der 0-Euro-Scheine hat sich rasend schnell in Europa verbreitet. Mittlerweile wird weltweit gesammelt. Für Orientierung im Dickicht der mittlerweile zwischen 5 und 900 Euro liegenden Preise sorgt der erste "Katalog der 0-Euro-Souvenirscheine" von Hans-Ludwig Grabowski. Er erläutert den Hype:

ONETZ: Wie sind Sie auf die 0-Euro-Souvenirscheine gekommen?

Hans-Ludwig Grabowski: Eigentlich bin ich ja Numismatiker. Als mir jedoch der Geschäftsführer der Euro Souvenir Deutschland GmbH auf der Berliner Messe "World Money Fair" einen solchen 0-Euro-Souvenirschein zeigte, fand ich das gleich gut. Mir hat auch die Idee, die dahinter steckt, gut gefallen.

ONETZ: Welche Idee ist das?

Hans-Ludwig Grabowski: Bedeutende Sehenswürdigkeiten oder Tourismusvereine stellen einen ihnen zur Verfügung gestellten Souvenirschein-Automaten auf. Sie investieren zirka 1 Euro pro Schein, den die Touristen dann für 2 oder 3 Euro aus dem Automaten ziehen. Der Gewinn wiederum kommt der jeweiligen Einrichtung zugute.

ONETZ: Und wer hat’s erfunden?

Hans-Ludwig Grabowski: Der französische Geschäftsmann Richard Faille, der 1996 das Konzept der Gedenkmedaillen entwickelt und mit der Monnaie de Paris umgesetzt hat. 2015 kamen die 0-Euro-Souveni-scheine mit 100 verschiedenen Motiven wie Eiffelturm, Notre Dame, Arc de Triomphe, Napoleon oder Charles de Gaulle. Mit dem ersten deutschen 0-Euro-Schein (Zoo Duisburg) wurde 2016 aus der rein französischen Rückseite eine europäische.

ONETZ: Wie sieht ein Souvenirschein aus?

Hans-Ludwig Grabowski: Ein 0-Euro-Souvenirschein wird von einer echten Banknotendruckerei hergestellt, auf echtem Banknotenpapier und mit echten Sicherheitsmerkmalen. Die Europäische Zentralbank genehmigt die Scheine und hat auch die einheitliche, lila-violette Farbe vorgegeben - um eine Verwechslung mit anderen Banknoten zu verhindern. Auf der Vorderseite findet sich das jeweilige, individuelle Motiv, die Rückseite ist einheitlich mit europäischen Motiven gestaltet. Der Brexit ist hier übrigens schon Realität: Mitte 2017 wurde der Big Ben durch den portugiesischen Torre de Belém ersetzt.

ONETZ: Wie kam es zum Katalog?

Hans-Ludwig Grabowski: Das war wieder auf der "World Money Fair". Diesmal kamen die Fachhändler, die vielfältiges Zubehör wie Sammelmappen anboten und sich nun dringend einen offiziellen Katalog für die Sammler wünschten.

ONETZ: Die Scheine haben die Euro-Zonen-Grenze überschritten und die Motivauswahl geht über Sehenswürdigkeiten hinaus. Verwässert das die Ursprungsidee?

Hans-Ludwig Grabowski: Der Erfinder freut sich mit Sicherheit über die Entwicklung. Allgemein macht man sich da nicht groß Gedanken. Im Übrigen dulden die chinesische oder amerikanische Notenbank keine solchen Souvenirscheine unter ihrer Landeswährung. Bei der ehrwürdigen deutschen Banknotendruckerei Giesecke & Devrient würden solche Scheine übrigens auch nicht über die Druckmaschine laufen. In Frankreich ist man da flexibler. In Sachen Motive warte ich persönlich ja auch auf den FC Bayern.

ONETZ: Der MSV Duisburg führt mit seinem Souvenirschein die Preisliste an. Haben die Fußballfans den Preis auf 900 Euro getrieben?

Hans-Ludwig Grabowski: Nein, dieser Wert kam zustande, weil die Stadtwerke Duisburg diesen Schein in Auftrag gegeben haben und nur jedem zu ihnen wechselnden Kunden einen Schein als Prämie zum Vertrag beigegeben haben.

ONETZ: Hans-Ludwig Grabowski

Wie lange hat es gedauert, um alles zu sichten und zu katalogisieren?: Aufgrund der Vielfalt war es keine leichte Geburt, drei Monate habe ich schon daran gearbeitet.

ONETZ: Wird der Katalog aktualisiert?

In der ersten Woche nach Erscheinen der ersten Auflage war schon die Hälfte weg. Wenn sich die Nachfrage in diesem Sammelgebiet weiter so entwickelt, wird es jährliche Aktualisierungen geben, die natürlich immer umfangreicher werden.

ONETZ: Was raten Sie Neueinsteigern?

Hans-Ludwig Grabowski: Wem es um Wert und Wertsteigerung geht, der sollte besser zu historischen Münzen oder Geldscheinen greifen. Bei den Souvenirscheinen besteht ein ähnliches Risiko wie damals beim Telefonkarten-Boom. Wer aber Spaß an den kleinen touristischen Reisen auf den fast echten Geldscheinen hat und vor einem Ausgabeautomaten steht: Nur zu.

Der "Katalog der 0-Euro-Souvenirscheine" von Hans Ludwig Grabowski mit allen Scheinen, Beschreibungen in drei Sprachen, farbigen Abbildungen und Bewertungen ist im Battenberg-Gietl-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.

Info:

Hans-Ludwig Grabowski ist 1961 in Weißensee, Thüringen, geboren und lebt in Bayern. Als Numismatiker beschäftigt er sich mit Münzen, aber auch mit Geldscheinen. (esa)

Die Rückseite der Sammelscheine ist immer dieselbe und zeigt berühmte Bauwerke wie den Eiffelturm in Paris und das Kolosseum in Rom.

Der Katalog der 0-Euro-Souvenirscheine ist im Battenberg-Gietl-Verlag erschienen.

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