01.02.2021 - 19:40 Uhr
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Regierung in Prag droht mit härterem Lockdown

Corona-Lage in Tschechien spitzt sich wieder zu, die Menschen halten sich nicht an die Vorschriften. Die Regierung hat nur noch einen Pfeil im Köcher.

Jan Hamacek, Innenminister von Tschechien, spricht bei einer Pressekonferenz über Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus.
von Autor SHJProfil

Auf den ersten Blick sieht es wie eine Gewinnsituation für beide Seiten aus: Ganze Familien fahren in die Skigebiete und checken als "Dienstreisende" in Hotels und Herbergen ein. Sie können das Wetter genießen, und die Hotelbesitzer machen wieder Geschäfte. In Wahrheit ist aber nur einer aus der Familie tatsächlich zur Übernachtung berechtigter "Dienstreisender", der große Rest der Familie ist selbsternanntes "Begleitpersonal".

Ein Beispiel dafür, wie geschickt nicht wenige Tschechen mittlerweile vorgehen, um die Vorschriften bewusst zu negieren. Die Folge: Die Zuwächse an positiv Getesteten häufen sich vor allem in Tschechiens Skigebieten. Und das, obwohl die Lifte alle stillstehen, die Restaurants Essen und Trinken nur aus Fenstern verkaufen können, und von feuchtfröhlichem Après-Ski selbstverständlich schon gar nicht die Rede sein kann. Tschechiens Regierung ist diese Trickserei zunehmend leid. Die in den vergangenen zwei Wochen leicht positive Entwicklung bei den Zahlen von Infizierten, Kranken und Toten beginnt sich neuerlich umzukehren. Und die Regierung antwortet darauf erstmals mit einer klaren Drohung: "Sollte sich zeigen, das die Maßnahmen nicht funktionieren, müssen wir dazu kommen, die Bewegungsmöglichkeiten auf die Kreise und Bezirke zu begrenzen", erläuterte der Chef des Krisenstabes, Innenminister Jan Hamácek, vor der Presse. Doch er musste auch hinzufügen, dass das die schärfste Maßnahmen ist, die in Tschechien derzeit zur Verfügung steht.

Um diesen letzten Pfeil aus dem Köcher nicht vorschnell verschießen zu müssen, hat die Regierung jetzt noch die davor liegenden Stellschrauben angezogen. Seit Samstag dürfen in den Skigebieten tatsächlich nur noch Dienstreisende in Hotels aufgenommen werden, wenn sie eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers vorlegen, dass sie sich wirklich auf einer Dienstreise befinden. Zudem dürfen Leute, die zu Hause in einem gemeinsamen Haushalt leben, auch noch auf ihre Wochenendgrundstücke fahren, müssen dort aber unter sich bleiben. "Am liebsten wäre uns aber, die Leute bleiben gänzlich zu Hause."

"Wir dürfen die Lage nicht mehr unterschätzen. Wir befinden uns in der kompliziertesten Situation der letzten Zeit", so Hamácek. Und in der Tat sind die Kliniken voll. Dort werden stabil mehr als 6000 Covid-Kranke behandelt, rund 1000 von ihnen mit einem schweren Erkrankungsverlauf. Da sind neuerlich steigende Zahlen Gift. Vor allem, da immer mehr Verdachtsfälle über das Auftreten von Mutationen des Coronavirus offenbar werden. "Die jetzige Lage ist langfristig nicht haltbar", sagte Gesundheitsminister Jan Blatný. "Eine Verschärfung der Lage würde die Krankenhäuser überfordern, die schon jetzt an der Grenze zum Kollaps sind."

Seit Samstag gelten auch verschärfte Bestimmungen in den Kliniken selbst. Seit diesem Tag sind Besuche von Kranken, die auf Intensivabteilungen liegen, untersagt. Ausnahmen gibt es, wenn es sich bei den Kranken um Kinder handelt, bei Geburten und um Abschied von Sterbenden zu nehmen.

Zu einer Pflicht zur Nutzung von FFP2-Masken konnte sich die Regierung bislang nicht durchringen, weil es entgegen früheren Schätzungen doch nicht ausreichend viele Masken gibt. Die Nutzung wird aber empfohlen. Dafür wird die Möglichkeit erweitert, sich auf Kosten der Krankenversicherungen testen zu lassen. Jetzt sind solche Tests alle drei Tage möglich, bislang galt das alle fünf Tage.

Notruf aus Cheb: Krankenhaus droht der Kollaps

Eger (Cheb)
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