Geht es nach Staatsanwalt Hans-Christopher Theissen, dann droht einem 35-jährigen Rodinger die baldige Sicherungsverwahrung. Unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes sitzt der Mann seit vergangener Woche als Angeklagter vor dem Landgericht Regensburg. Die Vorwürfe bestreitet der Angeklagte, der allerdings kein unbeschriebenes Blatt ist. Das Regensburger Amtsgericht verurteilte ihn bereits in zwei Verfahren – zuletzt Anfang 2022 – wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften. Entsprechendes Material hatten Ermittler im Rahmen einer umfangreichen Durchsuchung seines Anwesens in Roding im Mai 2021 sichergestellt. Es war der zweite Anlauf der Beamten, die damals mit speziell ausgebildeten Datenträgerspürhunden anrückten.
Laut einem psychiatrischen Gutachten, das im jetzigen Verfahren noch eingeführt wird, soll beim Angeklagten eine "homosexuell ausgerichtete Pädophilie" sowie ein "stabiles sexuelles Bedürfnis" vorliegen. Die beiden Strafverteidiger Shervin Ameri und Martin Ondrasik haben daran aber bereits Zweifel geäußert und sehen auch für die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs keine hinreichenden Beweise. Dem direkten Umfeld des Angeklagten zufolge soll es nie Anzeichen und Hinweise für eine pädophile Neigung oder gar Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Gegenteil wollte die Großmutter des mutmaßlichen Opfers am Dienstag im Zeugenstand kein einziges schlechtes Wort über den 35-Jährigen verlieren, der ihren Enkel laut Anklage zwischen 2017 und 2019 missbraucht haben soll.
Beide verbindet eine lange Freundschaft. Für den Angeklagten wurde die inzwischen 50-Jährige ab 2006 bald zu einer wichtigen Bezugsperson. Eine Freundin, zu der er ein durchaus mütterliches Verhältnis gepflegt habe. Die ihrerseits aber auch keine Zweifel an ihrem tiefen Vertrauen in den Angeklagten aufkommen lassen wollte. In einem der Badezimmer im Haus in Roding hatte der Angeklagte eine Kamera installiert. Dass er das nie kommuniziert hatte und auch die Zeugin dort schonmal geduscht hatte, schien der Frau auch auf Nachfrage der Kammer wenig bedenklich. Es sei einmal im Bad hinterlegtes Geld geklaut worden, erklärte sie sich die Kamera.
Auch zur Tochter der Zeugin bestand ein gutes Verhältnis. Sie und ihr Kind, das mutmaßliche Opfer, zogen vor einigen Jahren dann beim Angeklagten ein und er wurde auch für das Kind mehr und mehr zur Vertrauensperson, soll ihm ein "Onkel" geworden sein. Das Opfer selbst habe auch nie Auffälligkeiten gezeigt, waren sich die Zeugen bislang einig. Das Kind soll auch heute noch nach dem Angeklagten fragen und zu ihm wollen, sagte die Großmutter.
In wie weit Aspekte gegen den Angeklagten sprechen, muss am Ende die Jugendschutzkammer bewerten. Anfang Februar will man ein Urteil verkünden. Bis dahin ist neben mehreren Ermittlungsbeamten auch der Hauptbelastungszeuge geladen, der das ganze Verfahren überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte. Der 27-jährige Aachener wurde im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex von Münster im März 2021 selbst zu neun Jahren Haft verurteilt. Über ein Pädophilen-Forum sollen sich der Student und der Rodinger kennengelernt und fortan regelmäßig ausgetauscht haben. Ihm gegenüber soll der 35-Jährige davon erzählt haben, das anfangs dreijährige Kind der Freundin missbraucht zu haben. Ihn soll der Angeklagte sogar nach Roding eingeladen haben, um das Kind gemeinsam zu missbrauchen. Auf diesem Hauptbelastungszeugen bauen weite Teile der Anklage auf. Dessen Einlassungen am Freitag dürften daher von zentraler Bedeutung für Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Kammer sein.















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