Es hätte ein entspannter Tag mit schönen Bildern werden können für Markus Söder. Die Wettervorhersage kündigte für Wien strahlenden Sonnenschein und vorfrühlingshafte Temperaturen an. Es war also alles angerichtet für das erste Treffen des bayerischen Ministerpräsidenten und dem neuen österreichischen Bundeskanzler Karl Nehammer.
Doch die weltpolitische Wirklichkeit holt Söder schon kurz nach sechs auf Gleis 9 des Münchner Hauptbahnhofs ein. Dort warten nicht nur der Railjet, der ihn nach Wien bringen soll, sondern auch einige Kamerateams. Die Fragen drehen sich nicht um den Antrittsbesuch beim Regierungschef des Nachbarlandes, es geht natürlich um die Ukraine.
Söder als Außenpolitiker
Söder ist auf einmal als Außenpolitiker gefragt. Er erklärt, dass eingetreten sei, was man befürchtet, aber noch abzuwenden geglaubt habe. Der Westen müsse jetzt geschlossen handeln. Man merkt, dass Söder da noch ein Suchender ist nach den richtigen Worten in dieser nicht nur für ihn neuen Krise. Danach steigt Söder dennoch guten Mutes in den Zug ein, er will schließlich das leidige Problem der Lkw-Staus im Inntal durch die regelmäßigen Tiroler Blockabfertigungen einer Lösung näher bringen, über grenzüberschreitendes Wolfsmanagement sprechen und anschließend an der Seite des Kanzlers Nehammer die Öffentlichkeit informieren.
Kurz vor Linz beginnen sich aber die Mienen in Söders Delegation zu verfinstern. Der komplette Termin mit Nehammer steht plötzlich auf der Kippe, denn der muss wegen des Kriegs in der Ukraine im Parlament auftreten, nebenher den Sondergipfel der EU-Regierungschefs in Brüssel am Abend vorbereiten und ziemlich viel telefonieren. Eine Stunde später herrscht wieder bessere Stimmung, denn Nehammer hat doch ein Zeitfenster für den Gast aus München freischlagen können. Man trifft sich etwas später und kürzer als geplant, das gemeinsame Mittagessen im Anschluss fällt allerdings aus. Und trotz des an diesem Tag alles andere überlagernde Themas finden Söder und Nehammer die nötigen Minuten, um sich beim Alpentransit anzunähern, ein gemeinsames Vorgehen zum Umgang mit zugewanderten Wölfen zu vereinbaren und zur Sicherung der künftigen Energieversorgung eine Initiative für eine Wasserstoff-Pipeline aus dem Mittelmeerraum zu starten.
Das Feld der Weltpolitik
Aber die Ukraine bleibt präsent. Vor allem weil Nehammer kurz vor dem Treffen mit Söder noch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert hatte. Nehammer steht sichtlich unter dem Eindruck des Gesprächs, in dem der Ukrainer erklärt habe, er wisse nicht, wie lange es sein Land noch geben und wie lange er selbst noch leben werde. Söder hat inzwischen auch eine Sprachregelung für sich gefunden. Man müsse der Ukraine nun Beistand leisten und die "östlichen Nato-Grenzen sicher machen". Dazu gehörten auch Überlegungen zur Stärkung der Bundeswehr. "Wir müssen uns überlegen, die europäische Verteidigungsbereitschaft insgesamt zu erhöhen", formuliert er. Söder fordert eine Position der Stärke, aber auch weitere Deeskalationsversuche auf diplomatischer Ebene.
Hier in Wien ist einmal mehr ein neuer Söder zu erleben. Einer der sich gezwungenermaßen auf das schwierige Feld der Weltpolitik vortasten muss. Er nimmt die Herausforderung an, aber abseits der Kameras spürt man, dass er gerne darauf verzichtet hätte.













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