16.08.2020 - 09:00 Uhr
SchnaittenbachDeutschland & Welt

Der lebendige Gartenzaun

Für Vögel und Insekten ist der Garten von Heinz Steinkohl das Paradies. Für Nahrung sorgen nicht nur Blumen und Futterstellen, sondern vor allem der Gartenzaun – eine Ligusterhecke.

von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

70 Meter Ligusterhecke frieden das Grundstück von Heinz Steinkohl und seiner Familie in Schnaittenbach ein. Der grüne Gartenzaun ist weit mehr als ein Sichtschutz: In ihm leben Vögel, verstecken sich Igel, Bienen und Schmetterlinge finden Nahrung.

Um die Hecke herum summt und surrt es. Der intensive Duft der weißen Ligusterblüten zieht im Juni Insekten an. Vergangenes Jahr hat der pensionierte Biologielehrer dort viele Schmetterlinge beobachtet. „Die schwarzen Beeren sind besonders bei Vögeln beliebt“, erklärt er. Für den Menschen sind sie allerdings ungenießbar und leicht giftig.

„Hecken bieten viele Möglichkeiten in der Gartengestaltung. Sie grenzen Hof, Vor- und Gemüsegarten voneinander ab und gliedern ihn in verschiedene Bereiche.“ Zudem schützt die Hecke vor Windstößen und dient bunten Blumenbeeten als ruhiger Hintergrund. Aber auch andere Eigenschaften überzeugen den Pensionär: „Liguster lässt sich mit einem regelmäßigen Schnitt zu einer kompakten und blickdichten Hecke formen“, erklärt er. Das bedeutet einen gewissen Aufwand an Pflege, den Steinkohl aber gerne in Kauf nimmt.

Stein- und Schottergärten

Zäune aus Metall und Vorgärten, die nur aus Steinen bestehen, verärgern den 74-Jährigen. Seiner Meinung nach wollen die Grundbesitzer „immer weniger im Garten tun“. Durch Folien und Vliese dringt, zumindest in den ersten Jahren, kein Unkraut von unten durch. Irgendwann müssen diese „Steinwüsten“ aber auch gejätet werden. Durch den Wind gelangen die Samen zwischen die Fugen der Steine. Werden die Steine als Gestaltungsmittel verwendet, spricht man von einem Schotter- und nicht von einem Steingarten.

Bei einem Steingarten wird mit Kies und Steinen eine Gartenanlage geschaffen, die optimal für alpine Pflanzen ist. Zwischen, auf und neben den Steinen werden Pflanzen der Gebirgsflora gepflanzt. Verschiedene Sorten von Thymian, Nelken oder Narzissen gedeihen hier prächtig. Die Steine bilden das Substrat für die Pflanzen und stehen dabei nicht im Vordergrund.

Bei Schottergärten hingegen ist der Stein selbst das Gestaltungselement und es werden, wenn überhaupt, nur wenige Pflanzen verwendet. Die trendigen Gabionen sind nichts für Steinkohl. „Die sind mir zu steril.“ Wird ein solcher Sichtschutz mit Pflanzen bestückt, kann er trotzdem Tieren Nahrung und Versteckmöglichkeiten bieten.

Säulenthuja ist zurück

„Nicht alle Schottergärten sind schlecht und lassen sich über einen Kamm scheren“, meint Bernhard Frank, Mitarbeiter im Stadtplanungsamt der Stadt Amberg. In den vergangenen Jahren hat er viele solcher Gärten gesehen. „Manche sind durchdacht und werden mit Stauden oder Gewächsen kombiniert.“ In einigen Schottergärten ist nun auch die Säulenthuja wieder zu finden. Vor ein paar Jahren noch verrufen, können auch in ihr Vögel einen Nistplatz finden.

Eins ist für Heinz Steinkohl klar: Ein erster Schritt zum naturnahen Garten kann nur passieren, wenn ein „emotionaler Zugang zur Natur“ da ist. „Man muss es auch wollen“, erklärt er. Auch wer umweltbewusst denkt, sollte den eigenen Garten nicht komplett sich selbst überlassen. „Jeder Garten braucht eine Form.“ Eine Ecke für die Blühwiese, Laubhaufen für die Igel, Vogelhäuser und so weiter. Je vielfältiger der Garten ist, desto unterschiedlicher sind auch seine Besucher. Und für blanke Stahlzäune hat Steinkohl auch schon eine Idee: Wilder Wein.

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Info:

Pflegeleichte Alternativen zum Schottergarten

Frank Bernhardt arbeitet bei der Stadt Amberg im Bereich Grünplanung und Landespflege. Als naturnahe und trotzdem pflegeleichte Alternativen zu Steingarten hat er drei Vorschläge

  • Blumenwiesen: Diese müssen nur ein bis zweimal im Jahr gemäht werden. Einmal ausgesät bleiben die verschiedenen Pflanzen über Jahre erhalten. Bei Saatmischungen sollte darauf geachtet werden, dass Wiesenblumen wie Margeriten, Wiesensalbei, Flockenblume und Schafgarbe enthalten sind. Je nach Bodenbeschaffenheit gibt es unterschiedliche Saatmischungen.
  • Staudengärten: Sogenannte Staudengärten können ebenfalls eine bunte Alternative zu Schottergärten sein. Je nach Standort werden unterschiedliche Stauden, wie Funkien oder Lavendel gesetzt. Durch die unterschiedlichen Blütezeiten ist für Insekten immer etwas geboten. Bodendeckende Bepflanzungen verhindern, dass Unkräuter sich breit machen.
  • Sträucher: Unter dem Motto "da hat man was davon" ermutigt Frank auch Sträucher zu pflanzen. Felsenbirnen, Johannisbeeren oder Himbeeren können gut in Form gebracht werden und liefern Mensch und Tier Nahrung. Als Bodendecker gegen Unkräuter empfiehlt er Walderdbeeren.

Auskünfte zur richtigen Pflanzenauswahl geben Landschaftsgärtner und die Fachberater für Gartenpflege in den jeweiligen Landratsämtern.

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