06.08.2020 - 11:04 Uhr
Neumarkt i. d. Opf.Oberpfalz

Den Garten richtig nass machen: Was man beim Gießen beachten muss

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Richtiges Gießen ist eine Kunst: Es geht darum, die Pflanzen mit der passenden Menge Wasser zum richtigen Zeitpunkt zu versorgen. Aber ist es damit allein schon getan? Unser Experte beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen.

Pflanzen brauchen Wasser, ganz klar. Aber was muss man beim Gießen beachten?
von Christa VoglProfil

Unter den größten Gärtnerfehlern nimmt „falsches Gießen“ einen der vorderen Plätze ein. Werner Thumann, Bezirksgeschäftsführer der Oberpfälzer Obst- und Gartenbauvereine und selbst begeisterter Hobbygärtner weiß, wie zumindest dieser Fehler leicht vermieden werden kann. Hier seine Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Gießen.

ONETZ: Herr Thumann, soll man den Garten eigentlich täglich gießen?

Werner Thumann : Bei täglichem und oberflächlichem Gießen dringt das Wasser nur zwei oder drei Zentimeter in den Boden ein. Es kommt zu einem Verwöhneffekt der Pflanzen. In der Folge versorgen sich die Pflanzen aus Wurzelschichten weit oben und wurzeln dadurch flacher, also nicht in die Tiefe. Dadurch ist das Risiko des Austrocknens bei Gießpausen oder Trockenphasen höher. Es ist daher besser, nur seltener, also zum Beispiel alle drei Tage zu gießen, aber dafür dann intensiv.

ONETZ: Was heißt intensiv?

Werner Thumann : Intensiv heißt durchdringend. Dadurch kann das Wasser gut in den Boden eindringen und steht den Wurzeln zur Verfügung. Man kann mit einer kleinen Gartenschaufel kontrollieren, wie tief das Wasser eingedrungen ist: Manchmal ist das Erdreich nur zwei oder drei Zentimeter durchfeuchtet und das sorgt dann für Erstaunen. Mit der Zeit entwickelt man aber ein Gefühl für die richtige Menge.

ONETZ: Zu welcher Tageszeit sollte man gießen?

Werner Thumann : Ein grober Fehler ist es, tagsüber zur Mittagsstunde zu wässern. Erstens verdunstet bei hohen Temperaturen ein großer Teil des Gießwassers und steht damit den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung. Zweitens gibt es den sogenannten Brennglaseffekt, das heißt bei Sonnenschein bekommen von Wassertropfen benetzte Blätter leicht Brandflecken.

ONETZ: Was ist dann besser: früh oder abends?

Werner Thumann : Am besten wäre es natürlich, in den frühen Morgenstunden zu gießen. Bei abendlichem Gießen besteht die Gefahr, dass Schnecken angelockt werden und dass die Pflanzen anfälliger für Pilzerkrankungen sind. Aber seien wir mal ehrlich, es geht hier ja auch um Praktikabilität. Morgens um sechs Uhr, vor der Arbeit den Garten gießen: Wer macht das schon? Höchstens jemand mit Bewässerungsanlage und Zeitsteuerung.

ONETZ: Was ist besser: Regenwasser oder Leitungswasser?

Werner Thumann : Grundsätzlich ist abgestandenes Wasser, also Regenwasser für die Pflanzen verträglicher: weil darin verschiedene Mikroorganismen enthalten sind, was wiederum gut für die Bodenfruchtbarkeit ist. Dieses Wasser hat sozusagen bodenbelebende Wirkung. Regenwasser sammeln und damit auch gleichzeitig Wasser zu sparen ist eine gute Sache. Zum Speichern gibt es Zisternen, Regenfässer oder auch sogenannte IBC-Container. Aber hier muss natürlich sorgfältig darauf geachtet werden, dass keinerlei chemischen Rückstände mehr enthalten sind.

ONETZ: Ist beim Gießen die Temperatur des Wassers egal?

Werner Thumann : Im Grunde genommen ist es immer gut, wenn man Natürlichkeit simuliert. Im Hochsommer ist auch die Temperatur der Regentropfen höher. Sie sind durch die Atmosphäre etwas angewärmt und nicht eiskalt. Das Eiskalte ist für die Pflanzen ein Schock. Generell ist daher temperiertes Wasser vorteilhafter.

ONETZ: Soll man flächig gießen oder nur den Fuß der Pflanzen wässern?

Werner Thumann : Erst sollte man die Fläche, das heißt das Beet insgesamt benetzen und das Wasser einsickern lassen. Dann gießt man nach: durchdringend, lange, geduldig und mit hohen Wassermengen. Dann geht es tief rein. Es bringt nichts, mit einem festen Strahl das Wasser an einer Stelle konzentriert auszubringen. Dann kann es nicht richtig eindringen.

ONETZ: Apropos fester Strahl: Was ist die Alternative dazu?

Werner Thumann : Der Brausekopf – egal ob an der Gießkanne oder am Gartenschlauch. Damit gibt es keinen harten Wasserstrahl und auch die Pflanzen werden nicht verletzt.

ONETZ: Dürfen beim Gießen auch die Blätter befeuchtet werden?

Werner Thumann : Man sollte nur die Erde gießen und die Blätter möglichst wenig befeuchten. Dadurch kommt es auch nicht so leicht zu Pilzkrankheiten, wie zur Braunfäule bei Tomaten.

ONETZ: Wie schafft man es, das Wasser unmittelbarer in den Wurzelraum der Pflanze zu bringen?

Werner Thumann : Es gibt zum Beispiel Trichter aus Terrakotta, die direkt neben der Pflanze eingegraben werden. Damit verdunstet an der Bodenoberfläche weniger Wasser und die Flüssigkeit kommt gleich in den Wurzelraum, wo es ja hin soll. Natürlich können dazu auch überzählige Plastik- oder Tontöpfe verwendet werden. Oder perforierte Wasserschläuche.

ONETZ: Wie schützt man den Boden vor Verdunstung?

Werner Thumann : Man kann mit Rasenschnitt mulchen. Allerdings darf dabei die Schicht nur sehr dünn sein, da sonst leicht Fäulnis entstehen kann und auch Schnecken Unterschlupf finden. Besser ist es, das Mähgut auf der Wiese oder dem Rasen ein paar Tage anwelken zu lassen und dann erst auf dem Beet zu verteilen. Es ist auch möglich, etwas Kompost aufzustreuen. Rindenmulch sollte in Gemüsebeeten keinesfalls ausgebracht werden, weil aus der Rinde Säuren ausgeschieden werden. Eine weitere Alternative sind Mulchfolien.

ONETZ: Warum kann Hacken die Verdunstung abmildern?

Werner Thumann : Hacken hat zwei Wirkungen: damit werden einerseits Beikräuter entfernt, was die Kulturpflanzen stärkt; andererseits werden die Kapillare unterbrochen, durch die das Wasser verdunstet. Man muss sich das vorstellen wie Strohhalme, die hochkant in der Erde vergraben sind. Durch das Hacken werden diese Saugleitungsbahnen durchtrennt, das Wasser bleibt im Boden, die Verdunstung reduziert.

ONETZ: Machen Sie immer alles richtig beim Thema Gießen?

Werner Thumann : (lacht) Ich lerne ständig dazu. Aber ich mache auch Fehler, meistens wider besseres Wissen.

ONETZ: Was haben Sie zum Beispiel dieses Jahr dazugelernt?

Werner Thumann : Dazu gelernt habe ich heuer, als mir meine Frau für den Gartenschlauch eine Gießlanze mit Brausekopf geschenkt hat. Ich dachte erst, dass das ein überflüssiges Teil ist, aber die Gießlanze ist sehr praktisch und wirklich Gold wert. Und dazu auch noch aus dem Laden vom örtlichen Eisenwarenhändler.

ONETZ: Und was haben Sie zum Beispiel in den vergangenen Wochen beim Gießen falsch gemacht?

Werner Thumann : Vor kurzem waren meine Frau und ich abends bei Freunden eingeladen und es war klar, dass wir zur üblichen Gießzeit nicht zu Hause sein werden. Dann habe ich halt Nachmittag gegossen, als es wirklich noch sauheiß war. Naja, (lacht dabei) meistens gibt es ja schon einen Grund dafür, warum man falsch wässert, das ist kein böser Wille. Wir Menschen funktionieren halt nicht wie Maschinen und manchmal sind wir nachlässig. Und auch ich bin da keine Ausnahme.

Werner Thumann: "Wir Menschen funktionieren halt nicht wie Maschinen und manchmal sind wir nachlässig. Und auch ich bin da keine Ausnahme."
Info:

Wasser aus Quellen und Bächen: Was ist erlaubt?

  • Jede Person in Bayern darf nur unter bestimmten Umständen „genehmigungsfrei“ Wasser mit Eimer oder Gießkanne) aus oberirdischen Gewässern schöpfen. Dieser Gemeingebrauch ist in Art. 18 Bayerisches Wassergesetz und § 25 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) näher beschrieben.
  • Für jede andere Art der Wasserentnahme, etwa mittels einer Pumpe, wird zur eigenen Rechtssicherheit empfohlen, wegen der komplexen Rechtslage sicherheitshalber Rücksprache mit der für den jeweiligen Entnahmeort zuständigen Kreisverwaltungsbehörde zu halten.
  • Das Wasser eines fließenden oberirdischen Gewässers und das Grundwasser sind nicht eigentumsfähig (siehe Gewässereigentum, § 4 Abs. 2 WHG). Dies bedeutet, dass sogar Wasser, welches einer Quelle auf dem eigenen Grundstück entspringt, nicht dem Grundstückseigentümer gehört, sondern den Regelungen der Wassergesetze unterworfen ist.

Ein Garten für Vögel und Insekten

Weiden in der Oberpfalz

Glück im Garten

Oberpfalz

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.