08.10.2020 - 15:59 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Schule in Corona-Zeiten: Piazolo im Kreuzfeuer der Kritik

In der neu aufgeflammten Debatte über den Lehrermangel in Bayern, macht die Opposition Kultusminister Piazolo (Freie Wähler) schwere Vorwürfe. Der hält die Kritik für unbegründet und will seinen Weg fortsetzen.

Schüler sitzen bei geöffneten Fenstern in einem Klassenzimmer.
von Jürgen UmlauftProfil

Angesichts der Alarmrufe des Lehrerverbandes BLLV hat die Opposition der Staatsregierung schwere Versäumnisse bei der Lehrerversorgung vorgeworfen. Es herrsche zumindest an den Grund- und Mittelschulen "Notbetrieb", urteilte der FDP-Abgeordnete Matthias Fischbach in einer Aktuellen Stunde des Landtags. Diese Krise sei von der Staatsregierung "hausgemacht" und träte nun wegen der Corona-Pandemie noch stärker ins Blickfeld. Indem Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) die anhand vieler Beispiele belegten BLLV-Klagen als unberechtigt zurückweise, zeige er eine "respektlose Haltung" gegenüber den Lehrkräften.

Fischbach forderte Piazolo zudem auf, das Landesprogramm zur Anschaffung von Raumluftreinigern in Klassenzimmern mindestens zu verfünffachen. Die Vorgabe, auch in der anstehenden kalten Jahreszeit die Räume regelmäßig fünf Minuten zu lüften, führe nicht nur zu einer "Zitterpartie" an den Schulen, sie verringere auch das Infektionsrisiko kaum. "Fünf Minuten Lüften senkt die Aerosolbelastung nicht signifikant, Raumluftreiniger tun das aber schon", zitierte Fischbach aus Studien.

Margit Wild (SPD) forderte Piazolo auf, "die rosarote Brille in der Bildungspolitik abzunehmen". Die Personalausstattung an den Schulen sei nicht erst seit Corona ein "Flickwerk". "Da brennt nicht nur der Baum, da brennt der ganze Wald", sagte Wild. Es brauche endlich eine langfristige Lösung zur Bekämpfung des Lehrermangels. Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze warf Piazolo vor, das Prinzip Hoffnung zum Leitmotiv seiner Politik gemacht zu haben. Dies sei vor dem Hintergrund einer Pandemie unverantwortlich. Christoph Maier (AfD) sprach von einem "Versagen auf ganzer Linie" und einem "Verrat an guter Bildungspolitik".

Als "Frechheit und Panikmache" bezeichnete es Eva Gottstein (Freie Wähler), die Lage an den Schulen einen Notstand zu nennen. Dort herrsche derzeit zu fast 100 Prozent Regelbetrieb. "Die Lehrer freuen sich über die Lage, wie sie gerade ist", meinte sie. Piazolo selbst mahnte, Alarmismus bringe keine Lösungen. Wegen Corona laufe heuer "kein normales Schuljahr". Mit der Anstellung zusätzlicher Teamlehrkräfte sorge man für die Sicherstellung des Unterrichts. Die Vorwürfe Fischbachs bezüglich des Lüftens wies Piazolo als wissenschaftlich nicht haltbar zurück. Ungeachtet dessen sei Bayern das einzige Bundesland, das ein ergänzendes Förderprogramm zur Anschaffung mobiler Raumlüfter aufgelegt habe. "Ich bleibe bei dem eingeschlagenen Weg, unsere Schulen in Bayern stehen gut da", sagte Piazolo.

Klage gegen Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen scheitert

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Kommentare

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Bina Schumaxher

Freue ich mich, dass ich gerade einen sehr wackeligen "Normalunterricht" habe? Ja, wenn die Alternative lautet "50% bzw 100% Homeschooling".

Freue ich mich über wöchentlich 1 Std. Brückenangebot als Ausgleich für 8 Wochen Anschluss verloren? Nö.

Freue ich mich, dass ich in der ständigen Angst leben muss, krank zu werden (Corona oder anderes), weil das dann zu organisatorischem Wahnsinn ausartet, meinen Unterricht zu vertreten? Nö.

Freue ich mich, dass ich meine Kollegen nur noch im Vorbeigehen sehen kann, weil wir alle bis zum Maximum gefordert sind und kaum Zeit haben, uns im Lehrerzimmer zu treffen? Nö.

Freue ich mich darüber, alle 45min das große Jammern zu hören, wenn ich mich dem Fenstergriff nur nähere? Nö.

Freue ich mich, dass ich die ganze Zeit wie ein Wachhund gebetsmühlenartig die Maskenpflicht einfordern muss, obwohl dieselben Kinder dann nachmittags in der Mittagsbetreuung oder am Spielplatz ohne Maske eng zusammenspielen? Nö.

Freue ich mich, dass die immer selben Kinder in meiner Klasse ständig ohne Masken aufstehen und sie nur anziehen, wenn sie dazu aufgefordert werden? Nö.

Freue ich mich, dass ich mich täglich wie eine Mischung aus Kanonenfutter und Indikatorstäbchen fühlen darf? Wenn einerseits die Infektionszahlen durch die Decke gehen, private Feiern eingeschränkt werden und andererseits uns Lehrern eine Anzeigefunktion zugewiesen wird, die an Kanarienvögel im Bergwerk erinnert. Wenn dem Lehrer die Luft ausgeht, ist es Zeit, das Klassenzimmer zu evakuieren.

Freue ich mich darüber, dass Menschen über unser Wohl und Weh entscheiden, die entweder freiwillig die Klassenzimmer Richtung Zentrum der Macht verlassen haben oder noch nie in Verantwortungsposition vor einer Klasse standen? Nö.

Freue ich mich darüber, dass wir 150% geben und das dann einfach als Selbstverständlichkeit mit einem Achselzucken abgetan wird oder als "Normalbetrieb" bezeichnet wird? Nö.

Freue ich mich, dass unsere berechtigten Klagen als anmaßend und übertrieben bezeichnet werden? Nö.

10.10.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

Freue mich Kommentare wie diesen hier zu lesen. Ja!

10.10.2020