08.11.2019 - 18:06 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Mit 17 alleine hinterm Steuer: Führerschein-Sondergenehmigung für Minderjährige

Mit einer Sondergenehmigung können 17-Jährige Auszubildende bereits alleine hinters Steuer. Wenn der Weg weit und die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel schlecht ist - in der Oberpfalz durchaus weit verbreitet.

Mit einer Sondergenehmigung können 17-Jährige Auszubildende bereits alleine hinters Steuer - in der Oberpfalz besonders oft.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Minderjährige dürfen in bestimmten Fällen nicht nur in Begleitung Autofahren - möglich ist das durch eine Härtefallregelung. In den vergangenen drei Jahren lagen die Bewilligungen in der Region stets konstant über 300, bayernweit wurden nur in Niederbayern noch mehr Ausnahmegenehmigungen vom Mindestalter für den Erwerb des Führerscheins gemacht.Im Jahr 2018 wurden in der Oberpfalz 311 Führerscheine der Klasse B vorzeitig erteilt - mit 122 die meisten im Landkreis Cham. 54 vorzeitige Fahrerlaubnisse wurden im Kreis Tirschenreuth erteilt, 34 im Kreis Schwandorf, 24 im Kreis Regensburg, 11 im Kreis Neustadt/WN, sechs im Kreis Amberg-Sulzbach, zwei in der Stadt Weiden.

Wer eine Fahrerlaubnis der Klasse B erwerben will, muss eigentlich das 18. Lebensjahr vollendet haben. Die Fahrerlaubnisbehörden können Ausnahmen zulassen - diese gelten aber lediglich für die Strecke zum Ausbildungsort und wird nur im Härtefall genehmigt. "Die Situation der Antragsteller muss sich wesentlich von der Situation unterscheiden, der Gleichaltrige in der Regel ausgesetzt sind", erklärt Hans Prechtl, Pressesprecher für den Landkreis Schwandorf. Ein Beispiel: Einem jungen Menschen wäre es ohne Ausnahmegenehmigung faktisch unmöglich, eine qualifizierte Berufsausbildung aufzunehmen.

Prechtl: "Die Notwendigkeit, längere Wegstrecken zu Schule, Ausbildungs- oder Arbeitsstätte zurücklegen zu müssen, besteht für viele Menschen, die in ländlichen Gegenden leben. Hierin allein liegen noch keine außergewöhnlichen Umstände." In Tirschenreuth, so Walter Bruckner, Pressesprecher für den Landkreis, werden Anträge am häufigsten mit Verweis auf geeignete ÖPNV-Anbindungen versagt.

Der Antrag ist nicht gerade billig: Die Gebühren für die Ausnahmegenehmigung vom Mindestalter für Fahrerlaubnisklasse B liegen in Tirschenreuth bei 75, in Schwandorf bei 100 Euro. Dazu kommen noch etwa 300 Euro für ein medizinisch-psychologisches Gutachten, schätzt Prechtl. Die Kosten für MPU würden aber von Stelle von Stelle variieren.

Einen Nachholbedarf, was die Infrastruktur an öffentlichen Verbindungen angeht, könne man an der Höhe der Härtefall-Ausnahmen laut Prechtl für den Kreis Schwandorf nicht festmachen: "Des Öfteren geht es den Antragsstellern nicht um ein besseres Angebot des ÖNVP, sondern um den dringenden Wunsch, selbst Auto zu fahren."

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