Es war wohl irgendwie Nervenkitzel. "Ich wollte sehen, wie das Darknet funktioniert", sagte der 55-Jährige zum Schwandorfer Amtsrichter Ewald Ebensperger. Der Arbeiter stieg quasi hinter die dunklen Kulissen und orderte über eine Plattform namens "Alphabay" drei Faustfeuerwaffen. Die Bestellungen bei Pseudonymen wie "Thilo" und "Friedhelm" liegen Jahre zurück. Im Sommer 2014 kamen nacheinander per Postpaket ein sechsschüssiger Revolver "Single Action" vom Kaliber 6 Millimeter und eine halbautomatische Pistole vom Typ "Walther P38".
Aus Hitlers Arsenal
Sie stammte noch aus Beständen des Dritten Reichs und gehörte genaugenommen zu Hitlers Arsenal. Gleichwohl fanden Experten des Landeskriminalamts München (LKA) später heraus: "Sehr funktionsfähig." Auch etliche Patronen lagen in den Kartons. Der Besteller hätte feuern können. "Aber das wollte ich keinesfalls", ließ er jetzt wissen. "Alphabay" wurde im Oktober 2015 noch einmal als Lieferant bemüht. Diesmal hatte der Arbeiter eine Schreckschusspistole geordert, die ebenfalls aus dem Herstellerhaus Walther stammte. Einem der im Hintergrund operierenden Händler war es professionell gelungen, sie zur scharfen Waffe umzubauen.
Was er damit wolle, fragten Richter Ebensperger und Staatsanwalt Oliver Wagner den Angeklagten. Doch einen genauen Verwendungszweck konnte er nicht nennen. Erst seien die Waffen als Deko-Material in seiner Wohnung gelegen und dann von ihm draußen im Garten vergraben worden. Weshalb eingebuddelt? "Nach dem Attentat von München wurde die Geschichte heiß." Zu dieser Zeit ermittelte bereits das Zollfahndungsamt Frankfurt.
Die Beamten dröselten mühselig diverse Verbindungen zwischen Händlern und Kunden auf, kamen über Paketversendungsnummern auch auf den Mann im Kreis Schwandorf. Bei ihm rückte dann heuer im März eine Spezialeinheit samt Spürhund an. Doch der Vierbeiner musste nicht lange seine Nase ins Erdreich stecken. Der 55-Jährige, sichtlich geschockt, wies selbst den Weg zum Versteck. Dort lagen auch noch etliche scharfe Geschosse, die er als Hinterlassenschaft eines nahen Verwandten im Keller gefunden hatte.
"Kriminelle Energie"
Die Bestellungen aus dem Darknet, angeklagt von der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Cyberkriminalität in Bamberg, bezeichnete Anklagevertreter Oliver Wagner so: "Die Taten eines Waffennarren. Wobei die Betonung auf dem zweiten Wort dieses Begriffs liegt." Wagner verlangte ein Jahr Haft mit Bewährung und 5000 Euro Geldauflage. Man möge die Höhe dieses Betrags angesichts der bereits entstandenen und sehr hohen Kosten ein wenig günstiger gestalten, entgegnete Verteidiger Josef Simbeck (Schwarzenfeld).
"Ein Jahr mit Bewährung ist hier angebracht", stellte Richter Ebensperger im Urteil fest. Er reduzierte die Geldauflage auf 3000 Euro. Die Rechnungen für alle drei georderten Waffen hatte der geständige Täter mit sogenannten Bitcoins bezahlt und dazu eine eigene Wallet angelegt, eine Art virtuelle Geldbörse. "Da muss man sich am PC schon auskennen", befand der Richter und attestierte dem allein lebenden Arbeiter kriminelle Energie.













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