06.03.2020 - 20:05 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Die Formel zum Frauenglück im Job

Die Belegschaft der IT-Firma DS Deutsche Systemhaus ist überwiegend männlich, den Ton gibt aber eine Frau an. Und die legt Wert auf Gleichberechtigung und lockt daher Bewerberinnen mit einem Rundum-sorglos-Paket.

Die DS Deutsche Systemhaus GmbH gilt in Sachen Frauenförderung als vorbildlich: Das freut Prokuristin Inez Paulus (vorne) und ihre Mitarbeiterinnen.
von doa Kontakt Profil

"Ich sehe mich nicht als Feministin", lacht die junge Firmen-Chefin Inez Paulus, denn sie strebe zwar Gleichberechtigung an, wolle dabei aber kein Geschlecht bevorzugen oder gar benachteiligen. Im Klartext: Auch Papas sollen die Möglichkeit haben, beim Kind zuhause bleiben zu können, während Mamas aus dem gleichen Grund kein Nachteil entstehen soll.

Erfrischende Töne von einer Frau, die sich in einem männerdominierten Bereich durchgesetzt hat. "Reingerutscht" sei sie vor vier Jahren in die IT-Branche, als ihr Mann, der Gründer der DS Deutsche Systemhaus GmbH, eine Schwangerschaftsvertretung für die Prokuristen-Stelle gesucht hatte. Denn eigentlich kommt die 39-jährige, gebürtige Schwandorferin aus der Marketing-Branche. Mittlerweile führt sie an der Seite ihres Mannes die Geschäfte.

Geschlecht spielt keine Rolle

Ihrem Kommando folgen nicht nur drei kleine Hunde, die den Arbeitsalltag auflockern, sondern auch rund 50 Mitarbeiter an mehreren Standorten - die Zentrale befindet sich an der Gabelsbergerstraße in Schwandorf. "Bei uns in der Firma schaut keiner aufs Geschlecht" stellt sie klar - und schiebt gleich hinterher: "Aber wir haben in der Belegschaft einen Frauenanteil von nur zehn Prozent." Bedauerlich findet sie diese Entwicklung, die darauf zurückzuführen sei, dass sich nach wie vor hauptsächlich Jungen und Männer für Technik- und Computerthemen interessieren.

Landfrauen auf dem Vormarsch

Schwandorf

Doch damit will sich Paulus nicht abfinden: Mit einer Reihe von Maßnahmen - festgehalten in einem Sozialkatalog - möchte sie das Unternehmen für Frauen attraktiv gestalten. Home-Office? Kein Problem. Manche Mitarbeiter sind überhaupt nur an einem Tag in der Woche im Büro, die restliche Zeit arbeiten sie von zuhause aus.

Weltweit wird am 8. März der Internationalen Frauentag gefeiert.

Außerdem gibt es Unterstützung bei der Kinderbetreuung sowie die Förderung von Müttern nach der Elternzeit, "um den Wiedereinstieg so elegant wie möglich zu gestalten". Sie selbst habe keine Kinder, verrät Paulus. Allerdings sei ihre Schwester, die in Österreich lebt, vor knapp zwei Jahren Mutter geworden. Und diese Zeit war für die Schwandorferin mit einer spannenden Erkenntnis verbunden: "In Österreich gibt es meiner Meinung nach ganz gute Ansätze und Möglichkeiten für Frauen nach der Geburt." Etwa weil dort eine gesetzlich geregelte Väterkarenz Männern ermöglicht, länger beim Kind zu bleiben, ohne großen finanziellen Nachteil. In Deutschland hingegen haben ihr Freundinnen berichtet, dass sie den Wiedereinstieg in den Job als mühsam empfunden haben.

Frauen ziehen Frauen an

Geplant ist für dieses Jahr erstmals die Teilnahme am Aktionstag "Girls' Day", der Mädchen ermuntern soll, naturwissenschaftliche und technische Berufe zu ergreifen. "Zwei Bewerbungen haben wir schon erhalten", freut sich Paulus. Sie weiß: Weite Strecken beinhalten viele kleine Schritte. Und sie weiß auch, dass sie ein Vorbild ist.

Frauen verzweifelt gesucht

Oberpfalz

Italienische Forscher haben herausgefunden, dass weibliche Mitarbeiter unter der Führung einer Frau eher zu Höchstformen auflaufen. Gleichzeitig motiviert ein sichtbar weiblich geprägtes Arbeitsumfeld auch eher andere Frauen dazu, sich zu bewerben. Als Marketing-Profi weiß Paulus über diese Erkenntnisse bestens Bescheid und trommelt prompt ihre weiblichen Mitarbeiter für das Foto zusammen: "Nicht ohne mein Team!"

Info:

Frauen verdienen noch immer weniger

Frauen verdienen je nach Wohnort in Deutschland sehr unterschiedlich, aber deutlich weniger als Männer. So ist das mittlere Einkommen mit 2070 Euro brutto pro Monat für Frauen in Vollzeit deutschlandweit im Saale-Orla-Kreis in Thüringen am geringsten. Bei den Männern ist der Kreis Görlitz das Schlusslicht. Sie bekommen dort im Mittel aber immerhin 2273 Euro. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag anlässlich des Internationalen Frauentags hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Dabei sind immer mehr Frauen im Beruf. So waren 2018 drei von vier Frauen (76 Prozent) im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamtes mitteilte. Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil bei 68 Prozent gelegen. Damit hat Deutschland nach Schweden (80 Prozent) und Litauen (77 Prozent) die dritthöchste Erwerbstätigenquote von Frauen in der Europäischen Union. Doch auch Vollzeit bewahrt Frauen nicht vor geringen Löhnen: Deutschlandweit verdienen Frauen in Vollzeit demnach monatlich 3014 Euro im Mittel – Männer 3468 Euro. 26,5 Prozent der Frauen liegen unterhalb der Niedriglohn-Schwelle – bei den Männern: 15,8 Prozent. (dpa)

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.