18.03.2019 - 14:31 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Gewaltige Stimmungsausbrüche an zwei Klavieren

Beim letzten Konzert des Schwandorfer Klavierfrühlings spielen Kurt und Christian Seibert klangvolle Werke von Brahms und Reger

Christian (links) und Kurt Seibert begeistern mit einem gemeinsamen Konzert beim Schwandorfer Klavierfrühling.
von Reinhold TietzProfil

Von Reinhold Tietz Schwandorf.Der Schwandorfer Klavierfrühling hat sich in den vergangenen 13 Jahren zu einem zu einem hochkarätigen Klassikfestival in der Region entwickelt. Beim ausverkauften Abschlusskonzert am Sonntag im Oberpfälzer Künstlerhaus stand ein Stabwechsel an: Christian Seibert übernahm die Leitung der Veranstaltungsreihe von seinem Vater Kurt Seibert. Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller lobte Kurt Seibert für sein einsatzfreudiges Engagement und brillantes Klavierspiel. Beides hätte zum Erfolg der beliebten Reihe beigetragen.

Vater und Sohn eröffnen an gegenüber aufgestellten Konzertflügeln das Konzert und spielen die "Sonate f-moll" op 34bis, die erste Fassung des späteren "Klavierquintetts f-moll" op 34 von Johannes Brahms. Schon in der Klavierfassung findet sich die Darstellung mächtiger Leidenschaften, werden finsterer Trotz und weiche Sehnsucht musikalisch gedeutet in den vier Themen des beginnenden "Allegro non troppo".

Das folgende "Andante, un poco Adagio" trägt eine weitgespannte Melodie vor, die weich und schwärmerisch von beiden Pianisten dargeboten wird. Rasch und klangvoll rauscht dagegen das anschließende "Scherzo. Allegro" vorbei. Das Finale schließlich beginnt verhalten "Poco sostenuto", wird zum "Allegro non troppo" umgewandelt und endet schließlich in einem ernsten "Presto non troppo" mit ebenso tiefgründigen musikalischen Gedanken. Die totale Übereinstimmung der Klaviertöne beider Interpreten ist jedenfalls immer gegeben, deshalb auch der große Beifall am Ende des Werks.

Aus der Sammlung "Auserwählte Stücke aus Opern von Richard Wagner" von Max Reger haben die Seiberts die "Tannhäuer-Ouvertüre" in der Fassung für zwei Klaviere ausgewählt und tragen sie in absolut engagierter Manier vor. Zur großen Klangentfaltung können auch zwei Klaviere beitragen, das ist die Botschaft, die Reger vermitteln will. So wie die Ouvertüre vorgetragen wird, erkennt man den Charakter der Musik. Und das ist entscheidend.

Als drittes und letztes Werk des Programms ertönt "Introduktion, Passacaglia und Fuge h-moll" op 96 von Max Reger, ein Originalwerk, in dem wilde Ausbrüche wie auch leise melodische Linien sich abwechseln. Nach dem sehr lauten hymnischen Beginn mit weitreichender harmonischer Vielfalt, setzt die "Passacaglia" mit dem chromatischen Thema neue Akzente, die wieder vielfältig bearbeitet werden, bis schließlich die "Fuge" nach leisem Beginn immer stärker ihr Thema darstellt, bis es wie in einer Kathedrale groß zum Abschluss gelangt. Eine großartige Leistung beider Pianisten, die ebenfalls mit großem Beifall gewürdigt wird. Wann und wo hört man schon Musik für zwei Klaviere?

Nach dem Konzert wird die Arbeit von Kurt Seibert nochmals gewürdigt. Schwandorfs Altoberbürgermeister verweist auf die Gegebenheiten, die zur Gründung des "Schwandorfer Klavierfrühlings" führten und freut sich, dass er bis heute so erfolgreich verläuft. Hanns-Martin Schreiber und Gerd Galle heben ebenfalls die Verdienste von Kurt Seibert hervor und erwarten mit Christian Seibert weitere erfolgreiche Jahre mit musikalischen Höhepunkten.

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