09.11.2018 - 14:05 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Literatur in Bildern

Mit der Wanderausstellung „KafKa in KomiKs“ lädt das Oberpfälzer Künstlerhaus dazu ein, Literaturklassiker von Franz Kafka als begehbaren Comic zu erleben.

Der Amerikaner Robert Crumb ist der bekannteste der drei Kafka-Künstler, deren Arbeiten im Oberpfälzer Künstlerhaus zu sehen sind.
von Irma Held Kontakt Profil

Comic trifft die gezeigten Arbeiten nicht exakt, assoziiert im Grunde bunte Unterhaltung à la Walt Disney. Doch diese Schau ist genau das Gegenteil von Farbig- und Fröhlichkeit. Schwarz, weiß und gefühlt "fifty shades of grey" geben den Ton an, in den sich gedecktes Grün mischt. Graphic novel oder auf deutsch grafische Literatur zeigen die Werke von Chantal Montellier, Robert Crumb und Jaromir 99 (Jaromír Svejdík). Die drei Künstler nehmen sich Franz Kafkas an - einem Schriftsteller, in dessen Arbeiten diffuse Bedrohung, Düsternis, Tragik, auch Angst, Beklemmung und Entfremdung mal mehr, mal weniger latent mitschwingen.

Die Französin Chantal Montellier und der Tscheche Jaromir 99 übersetzen "Der Prozess" und "Das Schloss" in Bildersprache. Die Textadaptionen stammen von David Zane Mairowitz. Wem das Original Kafka zu unzugänglich ist, hat nun über die Graphic novel Gelegenheit, einen Zugang zu dem Schriftsteller zu finden, der in Porträts im Künstlerhaus allgegenwärtig ist und doch unsichtbar über allem schwebt. Aber auch diese subjektiven Interpretationen der Kafka-Literatur nehmen dem Betrachter nicht die eigene Vorstellungskraft.

Während sich die Arbeiten der Französin Montellier "Der Prozess", "Der Hungerkünstler" und des in Frankreich lebenden US-Amerikaners Crumb "Introducing Kafka" flüchtig betrachtet ähneln, weil sie detailreicher sind, bisweilen gehetzt wirken und doch dem sensiblen Werk des Literaten, jeder auf seine Weise gerecht werden, sind Jaromirs Arbeiten ganz anders - plakativer, flächiger, bedrohlicher und kommen Kafkas Fragment "Das Schloss" sehr nahe. Die dort zu spürende Beklemmung und Korruption, das Unheil, alles unsichtbar, maximal schemenhaft spiegelt sich in Schattierungen und Andeutungen wider. Jaromir arbeitet minimalistisch, fragmentarisch. Die Figuren bleiben charakterlich unkonkret.

Sitzsäcke liegen zum Hinfläzen im ersten Stock des Künstlerhauses bereit. In einem Raum gibt es Jaromirs Comic als Film zu sehen. Unterlegt mit Musik der Kafka Band, zu er gehört. Allesamt musikalische Schriftsteller, vertont die Kafka Band dessen Werke. Diese Ausstellung vom Literaturhaus Stuttgart ist eben anders als viele im Künstlerhaus in Schwandorf-Fronberg gezeigte.

In einem Ausstellungsraum im ersten Stock hängt ein Strick, herausfordernd, zum Aufhängen und gleichzeitig ungeeignet, denn Selbstmord war für Kafka nicht drin. Auch eine untaugliche Pistole, ein vermutlich stumpfes Messer liegen bereit, ein leeres Giftglas steht da. Kafka kannte raffinierte Methoden der Vernichtung, wählte aber andere Wege des sich Unsichtbar machens.

Doch nicht nur mit Vernichtung, beschäftigte sich der in Prag geborene Schriftsteller, sondern auch mit Recht und Gesetz, dem dieser Ausstellungsraum gewidmet ist. Vor einer schwarz-weiß gestreiften Tapete lädt eine Leseecke zum Schmökern ein, konkret zum Eintauchen in die Welt Kafkas und wer aus dieser auftaucht oder aufschaut, blickt auf Illustrationen, die Tod verheißen, und den Galgen. Makaber, aber wie bereits erwähnt, eignet er sich höchstens zu einem untauglichen Versuch. Diese Ausstellung ist anders, kann anders und auch die drei Künstler können anders, allen voran Crumb, eine der Ikonen der Underground-Comic-Bewegung. Das zeigen die Drei in der Peep-Show, versteckt in einer Art "Haisl", das seine besten Jahre hinter sich hat, "beschmiert" mit anzüglichen Sprüchen und "Seks". Wer durchs Guckloch schaut, darf sich wie ein Spanner fühlen. Er beobachtet nicht etwa einen Menschen beim Notdurft verrichten, sondern Menschen beim Liebesspiel und mehr.

Service:

Ausstellung: „KafKa in KomiKs“. Bis Sonntag, 16. Dezember.

Vernissage: Sonntag, 11. November, 11 Uhr.

Ort: Oberpfälzer Künstlerhaus, Fronberger Straße 31, 92421 Schwandorf.

Öffnungszeiten: Sonntag: 11–17 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 12–18 Uhr.

Kontakt: Telefon: 09431/9716.

E-Mail: opf.kuenstlerhaus[at]schwandorf[dot]de

Nächtliche Führung: Freitag, 30. November, 22 Uhr.

Comicworkshop mit Dominik Wendland: Samstag, 8.Dezember, 10 bis 18 Uhr (Anmeldung erforderlich.)

www.kebbelvilla.de

Kafka hat sich mit Tötungsarten beschäftigt. In der Ausstellung sind entsprechende Illustrationen dazu zu sehen.

Der Tscheche Jaromír Švejdík (Jaromir 99) hat Kafkas „Das Schloss“ bildlich umgesetzt. Der Musiker und Künstler spielt in der Kafka Band. Aufnahmen sind in der Kebbel-Villa zu hören.

Von zum Teil pornografischen Arbeiten sprechen Kritiker Robert Crumbs. In der „Peep-Show“ sind Graphiken erotischer Natur, Akte von Crumb, Chantal Montellier und Jaromir 99 zu sehen.

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