19.09.2018 - 13:33 Uhr
SchwandorfDeutschland & Welt

Viereinhalb Jahre Haft für Parkautomaten-Betrüger

Über die Jahre hinweg schleppt er säckeweise Münzgeld zu seiner Bank. Für seine Diebstähle aus Parkautomaten muss ein ehemaliger Bediensteter der Stadt Schwandorf nun viereinhalb Jahre in Haft.

Für viereinhalb Jahre muss ein 42-Jähriger wegen dreisten Betrugs an Parkautomaten hinter Gitter.
von Autor HOUProfil

Die Manipulationen an den Geräten begannen im Jahr 2008. Doch erst ab 2012 und von da knapp sechs Jahre lang war die schier unglaubliche Serie vom Gesetz her noch zu ahnden. Was vorher geschah, galt als verjährt. Alles zusammengenommen war die Finanzschaden sicher siebenstellig.

Der 42-Jährige auf der Anklagebank hatte am ersten Prozesstag vor dem Amberger Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt und über seine Verteidigerin anklingen lassen, er habe seine Beute in Höhe von 607 000 Euro ausschließlich mit Damen aus dem Rotlichtmilieu durchgebracht. Das allerdings glaubte ihm Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier in seinem Plädoyer nicht so ganz. "Da habe ich erhebliche Zweifel", sagte er.

Vorwürfe an Stadt

Nach der Beweisaufnahme ging Strohmeier aus juristischer Sicht nicht mehr von 484 Fällen aus. Er reduzierte die Zahl auf 287 - allerdings bei gleicher Schadenshöhe. Der Stadt Schwandorf blieb der Vorwurf nicht erspart: "Dort hat sich keiner interessiert, wie das vonstatten ging." Eine Art Monopolstellung also, die der Mann schamlos ausgenutzt habe. Dabei sei er als Parkautomaten-Entleerer mit subtilen technischen Kenntnissen gerüstet gewesen. Strohmeiers Strafantrag: Fünf Jahre Gefängnis.

Anwältin Carolin Hierstetter hielt dreieinhalb Jahre Haft für ausreichend. "Die Stadt Schwandorf", kritisierte sie, "muss sich einen Großteil des Schadens selbst zurechnen." Denn bei ihr habe das übliche Vieraugen-Prinzip gefehlt. Juristisch wertete Hierstetter die Vorgänge als Unterschlagung.

Die Erste Strafkammer kam zu einer anderen Bewertung. "Es waren 287 schwere Diebstähle", unterstrich Richterin Roswitha Stöber. Das Urteil für den Ex-Stadtmitarbeiter lautete auf viereinhalb Jahre Haft. In ihrer Begründung würdigte Stöber das umfassende Geständnis. Dann sagte sie: "Jeder Arbeitgeber kann davon ausgehen, dass ihn der Arbeitnehmer nicht bestiehlt." Allerdings, so schränkte die Vorsitzende ein, seien Kontrollmechanismen nicht vorhanden gewesen.

Weitere Forderungen

Ausführungen zum Verwendungszweck der 607 000 Euro machte die Erste Strafkammer nicht. So blieb unbeantwortet, ob es die Richter glaubten, dass die "gewerbsmäßig erlangten Gelder" ausschließlich in Bordellbesuche flossen. Im Plädoyer des Oberstaatsanwalts war die Hochrechnung angestellt worden: "Da hätte er fünf Tage in jeder Woche hingehen müssen."

In seinem Schlusswort hatte sich der 42-Jährige bei seiner Familie, seinen Freunden und Arbeitskollegen entschuldigt. Er steht nun vor dem finanziellen und menschlichen Ruin. Gleichwohl dürfte die Stadt Schwandorf mit einer Schadenersatzklage an ihn herantreten. Während der Verhandlung hatte sich herausgestellt, dass er nicht nur an den Geldbehältern der Automaten manipulierte, sondern auch an deren eingebauten Computern. Erst als der Mann letztes Jahr einmal längere Zeit nicht auf seinem Posten war, kamen plötzlich viel höhere Parkeinnahmen in die Bücher. Da wurde man stutzig.

In München gibt es einen ähnlichen Fall

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