10.09.2018 - 00:04 Uhr
Deutschland & Welt

In Schweden ist längst nicht mehr alles Bullerbü

Wahlparty der jungen Schwedendemokraten: Die Nationalisten fuhren nach ersten Prognosen das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein und wurden zweitstärkste Partei.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Seit 1917 behaupten die Sozialdemokraten ihre Position als stärkste Kraft Schwedens. Die Partei, die den epochemachenden Wohlfahrtsstaat erfand, hat es mit Ach und Krach auch dieses Mal geschafft - mit dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte. Schuld daran: natürlich die Flüchtlingspolitik und die Schwedendemokraten von Jimmie Åkesson.

Die AfD des skandinavischen Landes musste nicht viel richtig machen - im Gegenteil: Einer ihrer Spitzen trat zurück, weil er Reisen und Taxifahrten auf Kosten der Steuerzahler abrechnete. Einige ihrer Kandidaten waren früher Mitglieder der gewaltverherrlichenden Nationalistischen Front. Geschadet hat es der Partei nicht. Die Rechten wurden zweitstärkste Kraft. Schweden nahm im Verhältnis zur Bevölkerung mit die meisten Flüchtlinge auf. Genau wie hier wuchs trotz blühender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit die Ablehnung in Teilen der Bevölkerung. Die schwedischen Populisten zeichnen aller Stärke des Landes zum Trotz das düstere Bild einer Gesellschaft vor dem Untergang - ein typischer Schwedenkrimi eben.

Natürlich ist auch im Norden nicht "allt bra", alles gut also - oder wie man früher sagte "Bullerbü". Auch im Land der größtmöglichen Chancengleichheit gibt es Ungerechtigkeit und Menschen, die nicht Schritt halten können. Mit seinem Schwenk nach rechts konnte Regierungschef Stefan Löfven die Wählerflucht jedenfalls nicht aufhalten.

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